Semesterergebnis
Hoffmann-Übernahme befeuert das Geschäft von SFS – Heerbrugger Konzern trotzt den Krisen

Dank des deutschen Werkzeugproduzenten Hoffmann hat der Metallverarbeiter und Hightechkonzern SFS den Umsatz im ersten Semester 2022 stark steigern können. Der Gewinn ist leicht rückläufig.

Stefan Borkert
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SFS hat unter anderem dank lokaler Produktionsstandorte weniger unter gebrochenen Lieferketten gelitten.

SFS hat unter anderem dank lokaler Produktionsstandorte weniger unter gebrochenen Lieferketten gelitten.

Bild: PD

Auch die SFS Group kämpft mit Lieferproblemen und den aktuellen Krisen sowie dem Krieg in der Ukraine. Besonders getroffen hat das die Sparte Automotive. Dennoch hat SFS die Verwerfungen gut abfedern können. CEO Jens Breu betont an der Präsentation der Halbjahreszahlen in Heerbrugg:

Jens Breu, CEO SFS Group, Heerbrugg.

Jens Breu, CEO SFS Group, Heerbrugg.

Tobias Garcia
«Die Nachfrage nach den Produkten von SFS blieb im Verlauf des ersten Halbjahrs in den meisten Endmärkten und Regionen auf hohem Niveau ungeachtet der erheblichen Unsicherheiten infolge des Kriegs in der Ukraine, anhaltender Verwerfungen in den Lieferketten, weiterer Covid-19-Wellen in Asien und Europa sowie im Umfeld steigender Zinsen und Inflationsraten.»

Er ergänzte, dass wie bereits im vergangenen Geschäftsjahr habe sich die hohe Lieferverfügbarkeit als ein starker Wettbewerbsvorteil erwiesen. Dank lokaler Produktionsstandorte, vorherrschend regionaler und robuster Lieferketten habe stets geliefert werden können und man habe sogar teils Marktanteile hinzugewinnen können.

Die Übernahme des deutschen Werkzeugherstellers Hoffmann hat sich auf das Geschäftsergebnis im ersten Semester 2022 positiv ausgewirkt. Der Umsatz des Rheintaler Unternehmens ist um 28 Prozent auf mehr als 1,2 Milliarden Franken gestiegen. Hoffmann habe dazu etwa 20 Prozent beigetragen, so der CEO.

Automotive leidet unter den Krisen

Während alle drei Hauptsparten zulegen konnten, hat vor allem die Automotive-Sparte unter dem Krieg in der Ukraine gelitten. Dies und auch die problematische Versorgungslage mit Halbleitermaterialien haben die Verfügbarkeit von relevanten Produktgruppen in der Automobilindustrie vermindert. Deswegen hätten sich die Produktabrufe der Kunden mit der Zeit reduziert, was wiederum das Ergebnis der Divisionen Automotive und Riveting beeinflusst habe. Die im Verlauf des ersten Halbjahres abgeschwächte Kundennachfrage in der Automobilindustrie habe die Kapazitätsauslastung in den automobilnahen Geschäftsbereichen entsprechend negativ belastet.

Was das Konzernergebnis (Ebit) angehe, so habe man wie erwartet einen leichten Rückgang verzeichnen müssen, sagte Finanzchef Volker Dostmann. Der operative Gewinn ging demnach um 0,7 Prozent auf knapp 163 Millionen Franken zurück. Enthalten im Ebit sei auch ein negativer Akquisitionseffekt in Höhe von 16,6 Millionen Franken. Unter dem Strich sei der Reingewinn im Vergleich zur Vorjahresperiode um nicht ganz 2 Prozent auf gegen 132 Millionen Franken zurückgegangen.

Investitionen laufen weiter

Die Investitionsprogramme seien mit Ausgaben von fast 61 Millionen, also 5 Prozent des Nettoumsatzes, im ersten Halbjahr unverändert fortgeführt worden. Und der CEO fährt, dass zum Schutz der Lieferverlässlichkeit gegenüber den Vorjahren überproportional hohe Lagerbestände aufgebaut wurden. Gleichzeitig würden allerdings Kundenforderungen aufgrund des Umsatzwachstums mehr Mittel als in Vorjahren binden.

Die Transaktion mit der deutschen Hoffmann sei inzwischen vollzogen worden. Mit dem Vollzug der Transaktion sei Martin Reichenecker, Vorstandsvorsitzender von Hoffmann, in das SFS Group Executive Board aufgenommen worden. Die Aktivitäten zur Realisierung der mittel- und langfristigen Wachstumspotenziale in der betroffenen Sparte Vertrieb und Logistik würden aktuell geplant und umgesetzt.

Nachhaltigkeit mit eigenem Strom

Schliesslich kam Breu noch auf das Thema Nachhaltigkeit zusprechen. SFS möchte demnach den Anteil an selbst produzierter elektrischer Energie ausbauen und plant deshalb, eine Windenergieanlage auf dem Firmengelände am Standort Heerbrugg zu errichten. Durch den Bau dieser Anlage könnten dann gegen 10 Prozent des eigenen Strombedarfs in der Schweiz selbst erzeugt werden. Bereits heute würden rund 10 Prozent des Strombedarfs in der Schweiz mit existierenden Fotovoltaikanlagen abgedeckt. Zukünftig geplante zusätzliche Fotovoltaikanlagen böten Potenzial für weitere 10 Prozent.

«Somit könnten zukünftig rund 30 Prozent des eigenen Strombedarfs in der Schweiz selbst produziert werden.»
SFS musste im ersten Semester 2022 einen leicht niedrigeren Gewinn im Vergleich zur Vorjahresperiode hinnehmen.

SFS musste im ersten Semester 2022 einen leicht niedrigeren Gewinn im Vergleich zur Vorjahresperiode hinnehmen.

Bild: PD

Zweites Halbjahr mit gebremsten Wachstum

Für das zweite Semester erwartet CEO Breu wegen der geopolitischen Spannungen, der Energiekrise in Europa, der anhaltenden Verwerfungen in den Lieferketten und weiterhin negativer Auswirkungen durch die Pandemie ein weniger starkes Wachstum. Ausserdem werde sich die hohe Inflation negativ auswirken. Er rechnet mit einem Umsatzwachstum von 3 bis 6 Prozent über die ganze Gruppe bis Jahresende.

Aktie legt deutlich zu

Die Aktie des SFS-Konzerns hat nach der Veröffentlichung Publikation deutlich zugelegt. Verantwortlich dafür dürfte das kräftige Umsatzwachstum sein. Verluste aus der Vorwoche konnten wieder neutralisiert werden.

Angesichts des schwierigen Umfelds habe SFS ein exzellentes Semesterergebnis vorgelegt, heisst es etwa, laut dem Onlinemagazin «Marketscreener» in einer Einschätzung des Brokers Baader Helvea. Die Zürcher Kantonalbank bewertet das Ergebnis als Kursneutral. Anders die Bank Vontobel, die erklärt, dass das Konzernergebnis Ebit bereinigt um die Einmaleffekte aus der Akquisition von Hoffmann deutlich über den Erwartungen gelegen habe. Das gute Ergebnis sei getrieben worden einerseits durch das unerwartet hohe Volumenwachstum und andererseits durch die starke Entwicklung der Sparte Befestigungssysteme. Zum Ende des Tages drehte die Akte dann allerdings wieder leicht ins Minus.