«Overtourism»
Massenansturm im Sängli Altreu führt zu hitzigen Debatten: Selzacher Gemeinderat sucht nach Lösungen

Um der Situation in Altreu Herr zu werden, ruft Selzach den Kanton um Hilfe. So soll etwa ein Ranger eingesetzt werden.

Patric Schild
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Überfüllte Parkplätze und zu viele Besucher in Altreu.

Überfüllte Parkplätze und zu viele Besucher in Altreu.

Hansjörg Sahli

Die Arbeitsgruppe für Massnahmen im Altreuer Sängli hat zuhanden der Gemeindeversammlung Selzach eine Reihe an Empfehlungen ausgearbeitet, um dem «Overtourism» vor Ort Herr zu werden. Die Diskussion führte im Gemeinderat teils zu hitzigen Debatten. So schlägt die Arbeitsgruppe vor, weiterhin eine Aufsichtsperson einzusetzen, um die Gäste über die Sängli-Vorschriften aufzuklären und die Anwohnerschaft abzulösen.

Hier wird von Beatrice Nützi Müller kritisiert, dass diese zwar beobachte, nicht aber eingreifen würde. «Es ist kein Polizist», entgegnet Beat Kohler. Thomas Studer schlug vor, auf einen Rangerdienst hinzuwirken. Die Region zwischen Bettlerank und Sängli werde sich künftig zu einem Hotspot entwickeln.

Analog zum Dienst auf dem Weissenstein, müsse auch hier der Kanton aktiv werden, fordert der Vizegemeindepräsident. Dann könne der Kanton zudem gleich mithelfen, die Parkplatzsituation zu verbessern.

Strassenbeleuchtung komplett umrüsten

Selzach plant eine Umrüstung der Strassenbeleuchtung auf intelligente LED-Leuchten mit dynamischer Lichtsteuerung. Auf dem gesamten Gemeindegebiet sind 574 Beleuchtungskörper registriert. Diese verfügen aktuell über keine Nachtabsenkung und leuchten immer mit einer vollen Lichtstärke von 100 Prozent.

Aus diesem Grund belief sich der Selzacher Energiebedarf 2021 auf 192'483 Kilowattstunden. Dies entspricht Stromkosten in der Höhe von 36600 Franken. Hinzu kommen Unterhaltskosten von gut 43'300 Franken pro Jahr. Allein bei einer vollständigen Umrüstung auf LED mit Nachtabsenkung kann die Gemeinde rund 72 Prozent der Stromleistung einsparen. Mit einer zusätzlichen dynamischen Lichtsteuerung pro Leuchte kann die Gesamteinsparung auf bis zu 85 Prozent erhöht werden.

1,33 Millionen Verlust budgetiert

Das Budget für das kommende Jahr schneidet, im Vergleich zur Rechnung 2021, um rund 1,7 Millionen Franken schlechter ab. Resultierte 2021 noch ein Ertragsüberschuss von rund 340000 Franken, so rechnet Selzach 2023 mit einem Aufwandüberschuss von 1,33 Millionen Franken. Das schlechte Ergebnis sei hauptsächlich durch die nicht direkt beeinflussbaren Kostensteigerungen im Transferaufwand sowie durch Nachholeffektive im Betriebs- und Sachaufwand verursacht worden.

«Mit diesem Modell spart die Gemeinde im Jahr über 31'000 Franken», erklärt Oliver Salzmann von der BKW. Dynamisch bedeutet, die Strassenlaternen sind mit Bewegungssensoren ausgestattet und die höhere Beleuchtungsstärke wird nur beansprucht, wenn Verkehrsteilnehmende auf der Strasse sind. Anschliessend reduziert sich die Helligkeit automatisch wieder. Zusätzlich spart Selzach auch jährliche Unterhaltskosten von gut 10'000 Franken.

Die Kosten für die Gesamtumrüstung auf LED inklusive Zusatzausrüstung der dynamischen Lichtsteuerung sowie mit der Ausrüstung der Fernverwaltung belaufen sich auf rund 680'000 Franken. Weitere 100'000 Franken sind für eine neue Beleuchtung der Industriestrasse reserviert. Die Ausführung soll in zwei Etappen erfolgen. Das Projekt in der dynamischen Variante war im Rat unbestritten.

Uneinigkeit herrschte bei der Finanzierung. Der Vorschlag der Umweltkommission sah vor, dass rund die Hälfte der Kosten aus dem Nachhaltigkeitsfond bezahlt werden soll. Beanstandet wird, dass dieser Topf, aufgrund der momentanen Finanzlage, nicht so schnell wieder gefüllt werden kann. Andere Projekte hätten das Nachsehen.

Thomas Studer zweifelt gar daran, ob das Projekt den Namen nachhaltig verdiene. Denn spätestens 2027 muss die Gemeinde ohnehin umrüsten, weil dann Schluss mit den jetzigen Leuchtbirnen ist. Letztlich wurde auf Antrag von Simon Hugi entschieden, den gesamten Betrag über das Budget laufen zu lassen.