Integration
«Es ist wichtig, Vorurteile abzubauen»: Der Flawiler Verein United Friends of Ghana bringt bei einem Essen Fremde zusammen

Der Verein United Friends of Ghana setzt sich nicht nur in Ghana für eine bessere Lebensqualität ein. Auch in der Region Flawil gibt es ein Projekt. Bei einem gemeinsamen Abendessen sollen sich die Leute aus verschiedenen Kulturen besser kennen lernen und Vorurteile abbauen.

Noémi Sutter
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Der Verein United Friends of Ghana hilft der Bevölkerung im westafrikanischen Land.

Der Verein United Friends of Ghana hilft der Bevölkerung im westafrikanischen Land.

Bild: PD

In Flawil wird regelmässig gemeinsam gekocht. Nicht in der Familie oder unter Freunden, sondern in einer Gruppe von Fremden. «Welcome to my Küche» ist ein kulinarisches Integrationsprojekt, mit dem der Flawiler Verein United Friends of Ghana auch in der Region etwas bewirken will.

Gegründet wurde der Verein vor 17 Jahren von Ellen Glatzl und ihrem Ehemann Christof. Doch wofür steht er und was hat es mit dem Projekt auf sich?

United Friends of Ghana bezwecke hauptsächlich die Förderung und Entwicklung der Lebensqualität in den ländlichen Gebieten der Republik Ghana, sagt Ellen Glatzl. «Wir helfen in der Zentral Region von Swedru, Agona Nsaba und Umgebung. Die Region liegt ungefähr 2,5 Stunden von der Hauptstadt Accra entfernt.» Dieses befinde sich in der Regenwaldzone. Durch gezielte Hilfe zur Selbsthilfe soll mit kleinen Projekten das alltägliche Leben verbessert werden.

Bis zum 40. Geburtstag ihres Mannes hätten sie in einem kleinen und familiären Rahmen nach ihren Möglichkeiten vor Ort geholfen. Glatzl sagt:

«Durch den Verzicht auf Geschenke zum 40. Geburtstag konnten wir mit dem gesammelten Geld einen ersten Brunnen in Agona Nsaba finanzieren.»

Nach diesem Meilenstein haben sie ihr Engagement vor Ort kontinuierlich mit der Gründung des Vereins United Friends of Ghana an ihrem Wohnort in Flawil ausgebaut. Mittlerweile hat dieser über 40 Mitglieder und konnte schon einige Projekte in Ghana umsetzen.

Einmal im Jahr treffe sich der Verein für eine Sitzung. «Wir suchen nach neuen Ideen und tauschen uns aus», sagt die Gründerin. In Zukunft würden weitere Projekte anstehen. Unter anderem der Ausbau des multikulturellen Begegnungszentrums und die Instandstellung der zahlreichen Brunnen in der Zentral Region in Ghana.

Ein Brunnen in der Zentral Region in Ghana.

Ein Brunnen in der Zentral Region in Ghana.

Bild: PD

Ihre Wurzeln habe sie nicht aus den Augen verloren

Aus eigener Erfahrung wisse Ellen Glatzl, was es heisse, im ländlichen Ghana aufzuwachsen. Mit 20 Jahren sei sie ihrer Liebe in die Schweiz gefolgt. Sie sagt:

«Meine Wurzeln und die schwierige Situation vor Ort habe ich aber nie aus den Augen verloren.»

Während unzähliger Reisen habe ihr Ehemann Christof Glatzl den afrikanischen Kontinent kennen und lieben gelernt. Durch die Heirat habe er neben der Sonnenseite des Lebens einen Einblick in die ghanaische Gesellschaft vor Ort erhalten.

Das Ehepaar Glatzl rief vor 17 Jahren den Verein United Friends of Ghana ins Leben. (Bilder: PD)

Momentan arbeitet Ellen Glatzl als Leiterin Integration und Frühe Förderung in der Gemeinde Uzwil. Sie hat Ausbildungen als Erwachsenenbildnerin, intertranskultureller Coach und Beraterin abgeschlossen. Nebst dem Engagement bei Caritas St.Gallen und der Aidshilfe Schweiz setzt sie sich für ihre Region in Ghana ein.

Der Mensch hat viele Facetten

Mit «Welcome to my Küche» lanciert der Verein in diesem Jahr ein neues Projekt in der Region Flawil. Ziel ist es, durch ein gemeinsames Essen das unbekannte Gegenüber kennen zu lernen. Der Projektstart sei bewusst auf den kantonalen Aktionstag gegen Rassismus im März gelegt worden.

Denn mit dem Motto «Gemeinsam im Zentrum – ich habe auch andere Facetten» setzt sich der Verein von Glatzl in der Schweiz dafür ein, Vorurteile abzubauen und die Wahrnehmung, dass Diversität eine Bereicherung ist, zu stärken. «Denn was wir besser kennen, nehmen wir automatisch anders wahr», sagt Glatzl.

Das unbekannte Gegenüber wird bei einem gemeinsamen Essen kennen gelernt.

Das unbekannte Gegenüber wird bei einem gemeinsamen Essen kennen gelernt.

Bild: PD

Beim kulinarischen Integrationsprojekt «Welcome to my Küche» geht es darum, dass sich Gruppen mit vier bis sechs Personen gegenseitig bei sich zu Hause zum Essen einladen. «Jeder der Gruppe ist einmal Gastgeber, sei es zum Abendessen oder Znüni. Ziel ist es, dass man sich besser kennenlernt.»

Und zwar nicht nur oberflächlich. Mit der Frage «Woher kommst du?» habe es sich nicht getan. «Der Mensch hat viel mehr Facetten und Hintergründe», sagt Glatzl. Viele Personen hätten durch dieses Projekt Vorurteile abgebaut und Freundschaften geschlossen.

Ellen Glatzl (2. v. l.) mit drei Teilnehmerinnen des Projekts «Welcome to my Küche».

Ellen Glatzl (2. v. l.) mit drei Teilnehmerinnen des Projekts «Welcome to my Küche».

Bild: PD

80 bis 100 Personen haben sich bisher für das Projekt angemeldet. Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder wollten dabei sein. Deshalb werde das Treffen im nächsten Jahr auch für Kinder angeboten. Es sei wichtig, schon früh Vorurteile abzubauen, sagt Glatzl.