St.Gallen
Kehrtwende im Mumienstreit: Katholischer Konfessionsteil prüft Rückführung von Schepenese nach Ägypten

Der Administrationsrat des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St.Gallen hat beschlossen, eine mögliche Rückführung von Schepenese in ihr Herkunftsland zu prüfen. Dazu will man mit den zuständigen ägyptischen Behörden zusammenarbeiten und mit diesen Kontakt aufnehmen.

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Die Mumie Schepenese in der Stiftsbibliothek in St.Gallen.

Die Mumie Schepenese in der Stiftsbibliothek in St.Gallen.

Bild: Keystone
«Hauptsächlich ist es Spektakel und Provokation.»
«Was mich daran stört, ist, dass Milo Rau die Debatte unsachlich aufzieht. Andere Themen wären aus meiner Sicht wichtiger, auch für Ägypten.»
«Wenn es ernsthafte sachliche Anliegen gibt, dann bestehen dafür ordentliche Prozesse. Man kann an die Stiftsbibliothek und die zuständigen Behörden einen Antrag stellen, der angemessen geprüft würde. Uns eine Pistole auf die Brust zu setzen und als selbst ernannte ‹Zivilgesellschaft› empört Druck auszuüben, ist sicher nicht richtig.»

Mit diesen Worten liess sich Stiftsbibliothekar Cornel Dora vor rund drei Wochen zur Forderung des St.Galler Kulturschaffenden Milo Rau zitieren, die Stiftsbibliothek müsse Mumie Schepenese an Ägypten zurückgeben. Richtiggehend verärgert äusserte sich der Katholische Konfessionsteil vor wenigen Tagen zu einer Interpellation des SP-Stadtpolitikers Peter Olibet zum selben Thema. Durch die Mumie Schepenese drohe der Stadt St.Gallen ganz sicher kein Reputationsschaden, wurde betont; gewisse Aussagen Olibets lösten bei der Stiftsbibliothek und beim Katholischen Konfessionsteil gar Kopfschütteln aus.

Mittlerweile hat der Administrationsrat des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St.Gallen, Eigentümer sämtlicher Bestände der Stiftsbibliothek, eine Gesamtbeurteilung vorgenommen. Das geht aus einem Communiqué hervor. Darin wird mitgeteilt, dass eine Übergabe von Schepenese an Ägypten seriös geprüft werde. Diesen Entscheid fällte die Exekutive der St.Galler Katholikinnen und Katholiken an einer Sitzung vom 6. Dezember. «In seinen Überlegungen liess sich der Administrationsrat von Kultur- und Rechtsexperten beraten», heisst es in der Mitteilung.

«In gegenseitigem Respekt»

Dem Administrationsrat sei die seriöse Bearbeitung des Themas «in gegenseitigem Respekt und mit entsprechender Wertschätzung zwischen der Schweiz und Ägypten» ein grosses Anliegen, steht im Communiqué. Der Administrationsrat anerkenne im Sinne der Unesco-Konventionen von 1970 und 1972 den einzigartigen Charakter der Altertümer jedes Landes. Gleichzeitig habe der Katholische Konfessionsteil des Kantons St.Gallen mit dem neuen Kulturgüterdekret auch eine Rechtsgrundlage, um klar zu bestimmen, was zum klösterlichen Erbe gehöre und was nicht.

«Allfällige Überführung würdevoll gestalten»

Raphael Kühne, Präsident des Katholischen Administrationsrates.

Raphael Kühne, Präsident des Katholischen Administrationsrates.

Bild: Michel Canonica

«Dem Administrationsrat ist wichtig, dass eine allfällige Überführung der menschlichen Überreste von Schepenese würdevoll gestaltet wird», teilt er weiter mit. Gleichzeitig sei man sich bewusst, dass es viele Menschen gebe, die den Verbleib der Mumie in der schönsten Bibliothek der Schweiz schätzen würden. Administrationspräsident Raphael Kühne lässt sich im Communiqué wie folgt zitieren:

«Es ist mir ein Anliegen, dass mit Schepenese seriös und differenziert umgegangen wird, auch mit Bezug zu ihrem Herkunftsland.»

Der nun eingeleitete Prozess soll gemäss der Mitteilung zeitnah erfolgen. Sobald Entscheide dazu und zum weiteren Vorgehen kommuniziert werden können, soll die Öffentlichkeit wieder orientiert werden. (pd/red.)

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Martin Brühwiler

Schön, dass man Zeit hat, sich mit solchem Schwachsinn zu befassen! Milo Rau hat ja, wenn ich ihn als vernunftbegabt betrachten wollte, nur einen verfrühten Aprilscherz machen wollen. Wenn der Administrationsrat ihn jetzt tatsächlich ernst nimmt, qualifiziert er sich selbst...