«Zweite Röhre ist die sicherste Lösung»

Am kommenden Sonntag entscheiden die Stimmberechtigten über die Sanierung des Gotthardtunnels inklusive dem Bau einer zweiten Röhre. Im Interview erklärt alt Landammann und Baudirektor Jakob Brunnschweiler seine Meinung zur Vorlage.

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Herr Brunnschweiler, wie ist Ihre Position zur Abstimmung über die zweite Gotthardröhre?

Jakob Brunnschweiler: Ob wir wollen oder nicht, der Gotthard-Strassentunnel muss saniert werden. Die Variante mit dem Bau einer zweiten Röhre ist dafür die beste, sicherste und in einer langfristigen Betrachtung gesehen, die nachhaltigste Lösung.

Sind die Kosten von 2,8 Milliarden Franken nicht ein sehr hoher Preis?

Brunnschweiler: Sicher ist dies viel Geld. Vergleicht man den Betrag aber mit den totalen Kosten der Neat von 23,5 Milliarden Franken sind die 2,8 Milliarden Franken für den Strassenverkehr sicher vertretbar. Ausserdem bezahlen die Strassenbenützer diese Kosten selber, dies im Gegensatz zu den Benützern des öffentlichen Verkehrs. Die Tunnelsanierung mit Verladestationen kostet je nach Dauer über zwei Milliarden Franken. Für die Differenz von 0,8 Milliarden gibt es mit dem Bau der zweiten Röhre einen deutlichen Mehrwert.

Warum sollte die Ostschweiz für die zweite Röhre sein?

Brunnschweiler: Bei eine Sanierung und Teilsperrung wird sich ein bedeutender Mehrverkehr auf der Walensee-, Rheintal- und San-Bernardino-Route einstellen. Die beiden längsten Sperrungen in den Jahren 2001 und 2006 haben aufgezeigt, dass der Verkehr während dieser Zeit massiv zugenommen hat.

Sind die Engpässe in der Agglomeration und in der Ostschweiz nicht deutlich höher als am Gotthard?

Brunnschweiler: Die Verkehrsmenge ist im Raum Zürich und St. Gallen sicher bedeutend grösser als am Gotthard. Wir haben aber nun die Chance, mit dem NAF (Nationalstrassen- und Agglomerations-Fonds) diese Probleme zu lösen und diesen Fonds auszustatten, dass er den Ansprüchen genügt. Gelder für Betrieb und Unterhalt, Engpassbeseitigung und Netzerweiterung müssen bereitgestellt werden.

Wird der in der Verfassung verankerte Alpenschutzartikel mit dieser Vorlage gewahrt?

Brunnschweiler: Mit dem einspurigen Betrieb je Röhre wird der Alpenschutzartikel sicher eingehalten. Unsere Welt und unser Klima hängen aber sicher nicht von einer zweiten Gotthardröhre ab. Die Klimaveränderungen, das Abschmelzen der Gletscher und die Einflüsse auf unsere Umwelt bedürfen einer viel umfassenderen Betrachtungsweise.

Der Arlbergtunnel in Österreich wurde viel günstiger und einfacher saniert, sollten wir dies nicht berücksichtigen?

Brunnschweiler: Diese beiden Tunnel sind nicht vergleichbar und der Sanierungsbedarf ist auch ganz verschieden. Ausserdem ist der Verkehr auf der Arlbergstrecke rund um die Hälfte kleiner als am Gotthard. Der Pass ist das ganze Jahr offen. Man könnte auch über Tunnelgebühren nachdenken.

Wäre eine während der Nacht durchgeführte Sanierung des Gotthardtunnels nicht möglich?

Brunnschweiler: Für diese Variante der Sanierung des Gotthard-tunnels braucht es aber auch teilweise eine Vollsperrung, da für Ausweitungen auch Sprengungen notwendig sind. Dann ist für diese Vorgehensweise Spezialbeton mit viel Chemie notwendig.

Für die Arbeiter ist der Neubau einer zweiten Röhre und die anschliessende Sanierung der alten Gotthardröhre die bedeutend sichere Lösung. Ausserdem ist die Qualität der Bauwerke bedeutend höher. (pd)