«Wir emotionalisieren weiterhin»

Markus Wolf ist der Mann an der Spitze von Swiss Ski. Er erzählt bei seinem Besuch im Appenzellerland von vielfältigen Erwartungen, effizienten Bewegungen, einem Highlight-Projekt, Einschaltquoten und Meinungsbildnern.

Lukas Pfiffner
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Der «höchste Schneesportler der Schweiz» am Lift Ebenalp-Horn in Schwende: Markus Wolf. (Bild: pf)

Der «höchste Schneesportler der Schweiz» am Lift Ebenalp-Horn in Schwende: Markus Wolf. (Bild: pf)

SKI ALPIN. Markus Wolf zeigt in der Schwende Richtung Slalomhang und sagt: «Die machen das super.» Dass der Technische Direktor und Vorsitzende der Geschäftsleitung von Swiss Ski während des Besuches des Nachtslaloms am Mittwoch der Label-Übergabe an die Sportschule Appenzellerland beiwohnt, ist Zufall. Er vertieft die Kontakte mit den lokalen Organisatoren. «Leider konnte ich vorher noch nie dabei sein.» Wolf spricht von einem Highlight-Projekt am Horn: Der Verband hilft bei der Realisierung einer neuen Beleuchtung der Anlage. «Hier können viele Leute rasch den Lift erreichen – seien es Anfänger oder Spitzenfahrer.» Die Wünsche, dass sich Wolf auch an regionalen Anlässen zeigt, sind vielfältig. «Es ist mir nicht möglich, alle zu erfüllen.» Auch wenn er sich effizient bewege und Destinationen verbinde. Sein Programm am Donnerstag: Flug ab Kloten nach Finnland zum Weltcup in Lahti.

Am Computer nur unterwegs

Elf Disziplinen hat der 42-Jährige unter sich. «Bezüglich Kulturen und Bedürfnisse ist dieser Punkt ein relevanter Faktor meiner Arbeit. Aber ich bin es von früheren Stellen gewöhnt, mit breiten Ansprüchen umgehen zu können.» Wolf ist einst beim Bündner Sportamt und anschliessend beim Bundesamt für Sport in Magglingen tätig gewesen. Welche Sparte übt er aktiv aus? «Ich war als Junger ein regionaler Skifahrer, die Freude am Ski alpin ist geblieben. Auch Langlauf betreibe ich, aber seltener.» Generell habe er für sich selber wenig Raum. «Ich bin oft unterwegs. In der Zeit, die bleibt, möchte ich für meine Familie mit zwei kleinen Kindern da sein.» Tage im Büro bedeuten für ihn nicht, am Computer zu sitzen. «Das mache ich unterwegs, im Hotel, auf Reisen.» Wenn er im Büro sei, nütze er die Zeit für Interaktionen, Meetings, Absprachen.

Essen mit Meinungsbildnern

Rund 300 Athletinnen und Athleten hat der «höchste Schneesportler des Landes» unter sich. Er zähle nicht, mit wie vielen er direkte Kontakte habe. «Schätzungsweise die Hälfte bis zwei Drittel habe ich schon näher gesehen und sie mich.» Mit einzelnen Meinungsbildnern pflege er einen engeren Austausch. Mit einem Dario Cologna, Simon Ammann oder Carla Janka trifft er sich nicht nur an Anlässen, sondern auch einmal zu einem Essen. «Es geht für mich dann darum, herauszuspüren: Wo stehen wir? Wie läuft es? Wohin wollen wir?» Allen Unkenrufen zum Trotz sei das Interesse am Schneesport in der Schweiz immer noch hoch. Zu diesem Schluss komme er, wenn er Parameter wie Interesse von Sponsoren oder Einschaltquoten am Fernsehen berücksichtige. «Wir emotionalisieren nach wie vor, mit guten oder schlechten Resultaten.» In einem Jahr findet die Alpine Ski-WM in St. Moritz statt. «Sie ist schon jetzt wöchentlich ein wichtiges Traktandum.» Man sei als Verband in die Organisation eingebunden, man wolle dem eigenen Team das Bestmögliche anbieten.

Politische Laufbahn …

Mit Adolf Ogi wurde einer von Wolfs Vorgängern Bundesrat. Strebt er eine ähnliche Karriere an? Seine Frau habe Angst vor solchen Ideen, schmunzelt er. «Ich habe noch nie ernsthaft einen Gedanken an eine politische Laufbahn gehabt.» Aber selbstverständlich und notwendigerweise komme er in seiner Arbeit immer wieder mit politischen Vertretern ins Gespräch. Bevor Wolf sein Amt im Oktober 2014 im Rahmen einer Führungsumstrukturierung angetreten hat, ist die Stelle an der Spitze von Swiss Ski in kurzer Zeit dreimal neu besetzt worden. «Die Arbeit ist anspruchsvoll, aber interessant. Es geht mir gut.»