Wildhaus hat jetzt den Blues

Mit der Blues-Bar im Hotel Hirschen hat Hotelier Michael Müller offenbar ein Bedürfnis geweckt. Doch eigentlich hat er «Chrüter & Choller» für sich selber gebaut.

Michael Hug
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Wird als schräger Vogel bezeichnet: Dr. Will spielte am Samstag in der «Chrüter & Choller All Bourbon & Blues Bar» in Wildhaus. (Bild: Michael Hug)

Wird als schräger Vogel bezeichnet: Dr. Will spielte am Samstag in der «Chrüter & Choller All Bourbon & Blues Bar» in Wildhaus. (Bild: Michael Hug)

WILDHAUS. Regelmässig Blueskonzerte in die «Provinz» bringen – da braucht es schon viel Mut dazu. Doch Michael Müller, Hotelier im Wildhauser «Hirschen», spricht lieber von Leidenschaft: «Ich bin ein grosser Blues-Liebhaber, und schon als Gymnasiast war mir klar, irgendwann will ich einen Ort, wo Blues gespielt wird.» Die Inspiration dazu ereilte den angehenden Gastronomen in der Skihütte Oberwangen, wo während zweier Jahrzehnte regelmässig Blues-Konzerte stattfanden: «Ich fand das einfach grossartig, jedesmal war's voll und ein richtiges Gedränge, und der Blues war einfach sensationell.»

Jetzt hat er diesen Ort: Es ist die «Chrüter & Choller All Bourbon & Blues Bar» im Sous-Parterre des Hotel Hirschen in Wildhaus. Dabei sagt Müller klar: «Das ist kein Versuch, das ziehen wir jetzt durch.» Vielleicht kann sich das Obertoggenburg schon bald «Blues Valley» nennen. Ein Begriff, der unter Szenegängern dem Hinterthurgauer Weiler Oberwangen verliehen wurde.

Schnaps und Blues

Hinter der Blues-Bar steht ein Konzept, das schon in der Bezeichnung «Chrüter & Choller» zum Ausdruck kommt. Der Begriff steht für «Schnaps und Blues», so Müller: «Mit den Dialektausdrücken wollte ich den Bezug zum Toggenburg schaffen. Schnaps ist den Leuten hier ja nicht fremd, und ab und zu hat fast jeder auch mal einen Koller.» Er will damit nicht behaupten, dass das obere Toggenburg mehr als andere Gegenden den Blues hat (den Blues haben – mies drauf sein), eindeutig zweideutig meint er auch: «Es wird hier nichts anderes als Blues laufen, Punkt.» Bereits zur Eröffnung der komplett umgebauten Bar hat der Hotelier ein Winterprogramm mit sieben Konzerten bis Mitte März, die Wildhaus Blues Winter Session, aufgelegt. Doch streng konzertant sind diese Anlässe nicht. Vorne spielt die Band, davor sitzen die Fans in bequemen Lounge-Chairs. Für die – meist stehenden – Gäste an der Bar ist die Musik lüpfige Beschallung aus dem Hintergrund, ganz so wie in den Musik-Clubs Londons oder New Yorks.

Freier Eintritt – Kollekte

«An der Eröffnung mit Christina Jaccard hatten wir 300 Leute hier», auch an den zwei weiteren Konzerten (siehe Zweittext) sei es sehr gut gelaufen, sagt Müller. Hochkarätigen Blues bei freiem Eintritt – das zieht Einheimische wie Hotelgäste gleichermassen an. Müller: «Die Idee ist, eine Trägerschaft zu gründen, um die Gagen langfristig sichern zu können.» Bereits ist die Sommer Session in Planung, Müller, der das Programm selber gestaltet und die Musiker bucht, verspricht Hochstehendes aus den USA: «Im Sommer wird John Lee Hooker junior kommen, wenn alles klappt.» Natürlich wird auch das klappen, denn der Blues-Hotelier meint es ernst: «Bis Saisonschluss Ende März unterhält donnerstags bis samstags ein Blues-Solist die Gäste in der Bar.» An deren Theke es auch mindestens dreissig auserlesene Bourbon-Whiskeys aus den USA – eben die «Chrüter» – gibt. Noch eine Exklusivität nebst dem Umstand, die vermutlich einzige echte Blues-Bar der Schweiz zu sein.