Gesundheitskampagne
Beim Kaffee Gedanken über die eigene Gesundheit machen: Ausserrhoden lanciert «Wie gehts dir?»-Kampagne

Die Ausserrhoder Abteilung für Gesundheitsförderung lanciert eine Kampagne zur Stärkung der psychischen Gesundheit. Während des Novembers liegen in verschiedenen Restaurants Schöggeli auf, die dazu anregen sollen, über das eigene Wohlbefinden nachzudenken.

Astrid Zysset
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Die Schöggeli liegen während des Monats November in den teilnehmenden Gastronomiebetrieben auf.

Die Schöggeli liegen während des Monats November in den teilnehmenden Gastronomiebetrieben auf.

Bild: PD

Während des Monats November liegen in 36 Gastronomiebetrieben in Appenzell Ausserrhoden spezielle Schöggeli auf. Darauf aufgedruckt: Eine Frage nach dem Wohlbefinden, wie auch verschiedene QR-Codes. Auf der dazugehörigen Website dann die Reflektionsfragen: Fühlen Sie sich gestresst? Was hilft Ihnen bei Müdigkeit? Was tun Sie gegen das Gefühl der Einsamkeit? «Wir möchten einen Impuls setzen, um sich ein paar Sekunden mit sich selbst auseinanderzusetzen», sagt Markus Meitz, Leiter Abteilung Gesundheitsförderung. Neben den Schöggeli finden sich in den Eingangs- und Toilettenbereichen der teilnehmenden Restaurants Kleber mit denselben QR-Codes angebracht.

Die Abteilung Gesundheitsförderung lanciert zusammen mit dem Gastrogewerbe die Kampagne zur Stärkung der psychischen Gesundheit. Sie ist Teil der nationalen «Wie geht’s dir?»-Kampagne, welche seit 2018 im Auftrag der Gesundheitsförderung Schweiz durchgeführt wird. Die teilnehmenden Kantone können individuelle Schwerpunkte setzen. Die Gastrokampagne in Appenzell Ausserrhoden ist ein solcher. Die Idee ist, dass auch andere Kantone die Kampagne übernehmen werden.

Die schwierigen Zeiten reissen nicht ab

Und die Vorzeichen stehen gut: Meitz zeigt sich mit der Anzahl teilnehmender Betriebe zufrieden. «Ab der 30. Anmeldung bekam ich langsam Gänsehaut.» 23'000 Schöggeli und 350 Kleber sind vorbestellt. «Beim Eingang der Anmeldungen waren auch Komplimente und viel positives Feedback dabei», so der Leiter der Abteilung Gesundheitsförderung weiter. Die Wichtigkeit, über das psychische Wohlbefinden zu sprechen, sei wichtiger denn je.

«Wir kommen von Corona in eine Zeit der Klima-, Ukraine- und Energiekrise. Die Belastungen und Sorgen werden nicht weniger.»

Hinzu kommt, dass im November langsam die Vorweihnachtszeit beginnt. Ein Jahresabschnitt, in welchem viele Menschen besonders emotional sind. Meitz rechnet alleine schon deswegen damit, dass die Kampagne auf reges Interesse stossen wird.

Stammtischgespräche wiederbeleben

Dass 36 Gastrobetriebe zugesagt haben, an der Kampagne teilzunehmen, hat auch Markus Strässle, Präsident des Verbandes Gastro AR, überrascht. «Ich habe mit einer guten Resonanz gerechnet, aber dass gleich so viele mitmachen, ist bemerkenswert.» Doch warum ist die Zustimmung dermassen gross? «Weil uns das Wohl unserer Gäste am Herzen liegt», fasst Strässle die Antwort knapp zusammen. Die Restaurants gelten als wichtiger Treffpunkt, um sich auszutauschen, um Gespräche über das individuelle Befinden zu führen. Zwar seien die Stammtische mittlerweile grösstenteils verschwunden, doch Strässle hofft auf ein Wiederaufleben der niederschwelligen Kommunikationskultur innerhalb der Gastronomie.

Bäckerei-Kampagne war «grosser Erfolg»

Im Mai vergangenen Jahres lancierte die Abteilung Gesundheitsförderung bereits eine ähnliche Kampagne. Damals wurden während zweier Tage den Kundinnen und Kunden beim Besuch in einer von 13 Bäckereien im Kanton ebenfalls Schöggeli überreicht. Auf der Tüte mit den gekauften Backwaren fand sich ein «Wie geht’s dir?»-Kleber, Prospekte und Plakate in den Verkaufsräumen lieferten die Adressen derjenigen Ansprechpersonen, welche bei psychischen Erkrankungen schnelle Hilfestellung bieten. Über 6’000 Personen wurden mit der Kampagne erreicht. Meitz spricht von einem grossen Erfolg, der damals erzielt wurde. Eine tatsächliche Messgrösse gab es allerdings nicht. Mit der Gastrokampagne wird das anders. Welche QR-Codes am meisten gescannt werden, wird erhoben, sodass am Schluss ein Stimmungsbild über den gesamten Kanton entstehen soll.

Markus Meitz, Leiter Abteilung Gesundheitsförderung.

Markus Meitz, Leiter Abteilung Gesundheitsförderung.

Bild: PD

Das ist aber nicht das Hauptziel der Kampagne. «Wir möchten dazu beitragen, über die eigene psychische Gesundheit zu sprechen.» Nach wie vor werde das gesellschaftlich als Tabu gewertet. Meitz hofft aber, dass eines Tages auf die Frage: «Wie gehts dir?» nicht ein lapidares «Gut» erfolgt, sondern kurz überlegt wird, wie es einem tatsächlich geht – und dann darüber sogar spricht.

Die teilnehmenden Betriebe sind unter www.ar.ch/mitmachbetriebe abrufbar; die Kampagnenwebsite findet sich unter https://gesundheit-gastro-ar.ch.