Wenn Innovation belohnt wird

Nach der Liberalisierung des Käsemarktes im Jahre 1999 waren Ideen gefragt, um sich erfolgreich am Markt behaupten zu können. Der Tufertschwiler Käsermeister Walter Räss hat mit dem Chällerhocker einen Halbhartkäse geschaffen, der im In- und Ausland eine grosse Fangemeinde gefunden hat.

Beat Lanzendorfer
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«Chällerhocker» aus Tufertschwil: Beliebt im In- und Ausland. (Bild: pd)

«Chällerhocker» aus Tufertschwil: Beliebt im In- und Ausland. (Bild: pd)

Nach der Liberalisierung des Käsemarktes im Jahre 1999 waren Ideen gefragt, um sich erfolgreich am Markt behaupten zu können. Der Tufertschwiler Käsermeister Walter Räss hat mit dem Chällerhocker einen Halbhartkäse geschaffen, der im In- und Ausland eine grosse Fangemeinde gefunden hat.

Auf die Frage: «Warum Chällerhocker?», antwortet Walter Räss: Mit acht bis zehn Monaten Lagerzeit verbringt der Chällerhocker als Halbhartkäse viel Zeit im Käsekeller, daher der Name. Die Anfänge gehen auf das Jahr 1999 zurück, als Schwager Urs Huser die ersten Jersey-Kühe nach Dietschwil importierte. Mit der Milch von 30 bis 40 Kühen begann Walter Räss 2001 zu experimentieren. Zwei Jahre später war er zufrieden. «Anfangs habe ich festgestellt, dass der Käse nach vier Monaten zu trocken ist. Nach mindestens acht Monaten ist er dann perfekt.» Entstanden ist ein Halbhartkäse, der 2003 Aufnahme im Sortiment der Firma Fuchs aus Rorschach fand. Der weitere Verlauf der 120 Jahre alten Käserei Tufertschwil gleicht einer Erfolgsgeschichte. Die nächste Sprosse der Erfolgsleiter erklommen Walter Räss und Ehefrau Annelies 2007, als der Kontakt mit Käsehändler Konrad Heusser zustande kam. Die amerikanischen Käseliebhaber konnten den würzig-cremigen Chällerhocker im selben Jahr erstmals an der Fancy Food Show in San Francisco probieren und waren begeistert. Seither hat der Export in die USA stetig zugenommen.

Rund 40 Prozent ihrer 85 Tonnen Gesamtproduktion, was rund 1200 Käselaiben im Monat entspricht, exportiert Familie Räss über den grossen Teich. «Alle 14 Tage verlässt ein Schiff mit Zielhafen New York Europa und liefert den Käse aus Tufertschwil in die Millionenmetropole», ergänzt Walter Räss. Von dort erfolgt die Verteilung über das ganze Land.

Der Chällerhocker hat nicht nur in der Fremde viele Anhänger. Auf den Publikumspreis an den Käsetagen Toggenburg (2007) ist Walter Räss speziell stolz, zeigt er doch, «dass wir den Geschmack der Konsumenten getroffen haben». Nebst dem Chällerhocker wird passend zum Weiler hoch über Lütisburg auch ein milder und rezenter Tufertschwiler hergestellt.

Weil die Mengen beider Spezialkäse stetig gewachsen sind, musste der Käsermeister die Produktion von Appenzellerkäse aufgeben. «Wir konnten die von der Sortenorganisation zugeteilte Menge nicht mehr erfüllen und konzentrieren uns daher seit 2014 auf unsere zwei Eigenmarken», ergänzt Walter Räss.

Nicht nur die USA und die Konsumenten des Heimmarkts lieben die Spezialität aus Tufertschwil.

Auch die Länder Europas, unter anderen Deutschland, Norwegen, Frankreich und Luxemburg, sind auf den «Chällerhocker-Geschmack» gekommen. Ein gutes Beispiel, dass Konsumenten durchaus bereit sind, einen höheren Preis zu bezahlen, wenn die Qualität stimmt.

Käserei Tufertschwil Annelies und Walter Räss-Huser Tufertschwil 63 9604 Lütisburg T 071 931 30 77 aw.raess@bluewin.ch