Sonderausstellung
Land zwischen Vergangenheit und Zukunft: Was das Appenzellerland und Afghanistan verbindet

Die neue Sonderausstellung des Appenzeller Volkskundemuseums Stein zeigt Bilder von Herbert Maeder. Nach Zentralasien gelangte der Ausserrhoder eher zufällig. Dort fotografierte er auch sein Appenzellerland.

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Herbert Maeder war leidenschaftlicher Fotograf und Alpinist.

Herbert Maeder war leidenschaftlicher Fotograf und Alpinist.

Im Zentrum der neuen Sonderausstellung des Appenzeller Volkskundemuseum Stein stehen die Afghanistan-Bilder des Ausserrhoder Fotojournalisten, Nationalrats und Landschaftsschützers Herbert Maeder (1930–2017). Er hat das Land, damals ein Königreich, erstmals 1967 und danach im Rahmen zweier ausgedehnter Reisen in den Jahren 1968 und 1969/70 nochmals bereist. Maeder war leidenschaftlicher Fotograf und Alpinist. Fotografieren hiess für ihn, visuell zu dokumentieren, was er unterwegs erlebt und gesehen hatte.

Fotografisches Werk letztmals 2010 ausgestellt

Maeder veröffentlichte mehrere erfolgreiche Bildbände, die ihn national bekannt machten. Sein fotografisches Werk wurde letztmals 2010 ausgestellt. Anlässlich seines 80. Geburtstages präsentierten vier Museen in Appenzell Ausserrhoden eine Gesamtschau zu seinem Schaffen.

Nach Zentralasien gelangte Maeder eher zufällig. Nachdem er 1967 sein Buch «Die Berge der Schweiz» fertiggestellt hatte, lud ihn eine Gruppe deutscher Wissenschafter, die als Gastdozenten an der Universität Kabul tätig waren, nach Afghanistan ein. Als erfahrener Bergsteiger sollte Maeder die Gruppe auf eine alpinistische Expedition in den Hindukusch begleiten. Völlig fasziniert vom damals schwer zugänglichen Land, nutzte Maeder die während seines ersten Aufenthaltes geknüpften Beziehungen – vor allem auch zu einem einheimischen Studenten und Dolmetscher –, um die zwei anschliessenden Reisen zu unternehmen.

Mit Unterstützung der beiden St.Galler Konrad Widmer und Emilio Pagani, die eine afghanisch-schweizerische Handelsfirma aufgebaut hatten, konnte Herbert Maeder seine Reisen in einem Bildband dokumentieren. 1972 erschien sein Fotoband «Berge, Pferde und Bazare – Afghanistan, das Land am Hindukusch» im Walter-Verlag, Olten. 1980, nach dem Einmarsch der Sowjets, publizierte der Verlag das Buch in einer erweiterten und neu bearbeiteten Auflage unter dem schlichten Titel «Afghanistan».

Ein Land zwischen Vergangenheit und Zukunft

Maeder fotografierte in Afghanistan vor allem sein Appenzellerland. Er zeigt ein Land zwischen Vergangenheit und Zukunft: unberührte Natur, karge, ockerfarbene Landschaften, Menschen unterwegs mit ihren Tieren, Karawanen, Lehmdörfer, archaisches Brauchtum, traditionelles Handwerk, die lokale Esskultur und Menschen verschiedenster ethnischer Zugehörigkeit. Zugleich fotografierte er auch das urbane Kabul der 60er-Jahre mit modernen Infrastrukturbauten, westlich gekleideten Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohnern, Industrie und Forschungslaboren. Im Vorwort zum Fotoband schrieb Maeder: «Ich suchte Berge und fand Menschen.»

Die Ausstellung lädt ein, anhand der Maeders eindrücklichen Bilder ein anderes Afghanistan zu entdecken: das Afghanistan vor den verheerenden Kriegen. Und sich dabei auch zu fragen, welche Heimat fotografiere ich selber eigentlich, wenn ich unterwegs bin.

Ein Begleitprogramm, das laufend kommuniziert wird, vertieft die vielfältigen Bezüge zwischen Afghanistan und dem Appenzellerland. (pd)

Hinweis

«Appenzell in Afghanistan. Unterwegs mit dem Fotografen Herbert Maeder 1967–1970». 12. Dezember bis 30. April, Appenzeller Volkskundemuseum.