Vorhang soll nicht fallen

Die von zwei jungen Frauen gegründete Theatergruppe St. Otmar feiert ihr 30jähriges Bestehen. Heute spielen Theaterbegeisterte unterschiedlichen Alters in den Produktionen mit.

Claudia Schmid
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Auf der Suche nach einem neuen Aufführungsort: Die jubilierende Theatergruppe St. Otmar. (Bild: PD)

Auf der Suche nach einem neuen Aufführungsort: Die jubilierende Theatergruppe St. Otmar. (Bild: PD)

Die ersten Gehversuche auf den Bühnenbrettern unternahm die Theatergruppe St. Otmar 1986 mit dem Stück «Der böse Geist Lumpazivagabundus» von Johann Nestroy. «Aufführungsort war der Pfarrsaal St. Otmar», erinnert sich Clara Weibel, die seit den Anfängen mitwirkt. Ihre Tochter habe damals zusammen mit einer Freundin die Theatergruppe gegründet und bei den ersten drei Produktionen gleich auch Regie geführt. «Freunde und Verwandte hatten gar keine andere Wahl, als die beiden enthusiastischen Freundinnen bei ihrem Theaterprojekt zu unterstützen», erzählt Clara Weibel schmunzelnd aus der Entstehungszeit der Gruppe.

Heute sind die beiden Gründerinnen längst neue Wege gegangen, die Theatergruppe St. Otmar aber ist auch nach 30 Jahren noch immer «den Brettern, die die Welt bedeuten», verfallen. Nur ganz selten fiel in einem Jahr eine Produktion aus, und so blickt die theaterbegeisterte Gruppe in ihrem Jubiläumsjahr auf 27 aufgeführte Werke aus den Sparten Krimi, Komödie, Klassiker und Märchen zurück. Der Pfarrsaal St. Otmar beherbergte die Theatergruppe nur im ersten Jahr ihres Bestehens. «Wir waren eine Art Wanderbühne, da wir an wechselnden Orten spielten», sagt Clara Weibel. 1996 änderte sich dies. «Wir führten ein Stück mehrmals an nur einem Ort auf. Seither suchten wir für jedes Bühnenwerk ein passendes Lokal, welches uns dann für die gesamte Spieldauer zur Verfügung steht», ergänzt Erwin Hitz, der nicht nur auf der Bühne mitwirkt, sondern auch das Ressort Marketing betreut. Aufführungsorte waren beispielsweise der Gewölbekeller im Stadthaus der Ortsbürgergemeinde St. Gallen, der Saal der Militärkantine, die alte Konservenfabrik Winkeln, das alte Lagerhaus an der Davidstrasse, die alte Schokoladenfabrik Maestrani oder die ehemalige Schreinerei Hörler.

Ab 2006 fand die Theatergruppe St. Otmar in der Curlinghalle im Lerchenfeld ein neues, langjähriges Domizil. «Sie war für uns ein absoluter Glücksfall», betonen Clara Weibel und Erwin Hitz übereinstimmend. Mit dem Abbruch der alten und dem Neubau der neuen Halle endete jedoch die Zeit, in der sich die Gruppe nicht immer wieder aufs Neue auf die Suche nach einem geeigneten Aufführungsort machen musste. «Der Neubau erwies sich für unsere Produktionen als nicht ideal. Aus feuerpolizeilichen Gründen mussten wir die Publikumszahl beschränken. Zudem gestaltete sich der Aufbau der Kulissen sehr aufwendig», erklärt Erwin Hitz.

Just fürs Jubiläumsjahr fand sich auf Stadtgebiet kein Lokal, in der die Theatergruppe St. Otmar das Lustspiel «Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung» frei nach Christian Dietrich Grabbe hätte aufführen können. So wich sie in die alte Stuhlfabrik in Herisau aus. «Wir hatten dieses Jahr weniger Zuschauerinnen und Zuschauer als gewohnt. Dies haben wir aber aufgrund des Aufführungsortes ausserhalb der Stadt erwartet», zieht Erwin Hitz Bilanz.

Leidenschaft und Freude

Auch wenn der Theatergruppe die Suche nach einer neuen Lokalität Sorgen bereitet, will sie die Flinte noch lange nicht ins Korn werfen. «Nach 30 Jahren soll keineswegs Schluss sein», betonen Clara Weibel und Erwin Hitz. Die Gruppe bestehe heute aus rund 35 Personen jeglichen Alters, die sich dem Theater mit Leib und Seele verschrieben hätten. Jedes Talent zähle und werde auch eingesetzt – sei es beim Bühnenbau, bei der Raumausstattung, bei der Technik, bei den Kostümen und der Maske, bei der Werbung und Grafik, bei der Gastronomie, beim Transport und selbstverständlich beim Agieren auf der Bühne. Neue Mitglieder sind bei der Theatergruppe St. Otmar daher auch jederzeit herzlich willkommen.