Von «frönt» zu integriert

Nicht nur Ausländer, die in der Schweiz ihren Wohnsitz aufbauen wollen, müssen sich integrieren. Nein, auch Appenzeller, die für einige Zeit das schöne Fleckchen Land zwischen Bodensee und Alpstein verlassen haben und wieder zurückkehren. So auch ich. Ich war nie wirklich weg.

Alessia Pagani
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Nicht nur Ausländer, die in der Schweiz ihren Wohnsitz aufbauen wollen, müssen sich integrieren. Nein, auch Appenzeller, die für einige Zeit das schöne Fleckchen Land zwischen Bodensee und Alpstein verlassen haben und wieder zurückkehren. So auch ich. Ich war nie wirklich weg. Vielmehr war ich während fast dreier Jahre im Nachbarkanton St. Gallen angestellt. Nun könnte man denken, das sei ja ganz nah und der Alltag dementsprechend identisch. Von wegen…

Integration fängt bei der Sprache an. Das musste ich, zurück in Herisau, schmerzlich erfahren. Hier bin ich aufgewachsen, hier habe ich meine wohlbehütete Kindheit verbracht und so manche Nächte durchlebt. Hier wähnte ich mich wohl und geborgen. Hier fühlte ich mich immer integriert. So dachte ich zumindest immer. In meinem Beruf habe ich oft mit regionalen Persönlichkeiten zu tun. Metzger erklären mir ihre Arbeit, Landwirte das Prämierungsverfahren an den Viehschauen und Beizer von den Eigenheiten ihres Betriebes. Ein sprachliches Verständnis zwischen beiden Parteien wäre keinesfalls von Nachteil. Nur: ich verstand die Einheimischen schlicht nicht mehr. Bei jedem Telefongespräch in den vergangenen zwei Monaten kam von mir mindestens einmal der Satz: «Entschuldigung, aber ich habe das nicht verstanden. Können sie mir das erklären?» Ich kam mir zuweilen vor wie ein Zentralafrikaner in Nordkorea. Dass mich jemand vor Monatsfrist in Appenzell als «Frönti» betitelt hat, machte die Sache nun auch nicht wirklich besser…

Jetzt, zwei Monate nach meinem Einstand in Herisau sieht die Sache ein wenig anders aus. Kürzlich fahre ich bei der Redaktion aus dem Parkplatz und vernehme ein knirschendes Geräusch. Ich lasse das Fenster hinunter und frage einen jungen Herrn, der dort auf jemanden zu warten scheint: «Het jetzt mis Auto so <gchiidet>?» Sein verwirrter Blick sagt mir, dass er nichts verstanden hat. Wird wohl ein Auswärtiger sein, denke ich mir und muss unweigerlich schmunzeln. Es scheint, als wäre ich wieder im Appenzellerland angekommen – zumindest sprachlich.