Von Frauen für Frauen

In anderen Ländern ist der Internationale Frauentag ein Feiertag. Im Appenzellerland wird er nur im Hotel Linde in Heiden gefeiert – dort allerdings mit prominenter Unterstützung.

Julia Nehmiz
Drucken

HEIDEN. «Es ist wichtig, dass Frauen eine Plattform haben, wo sie sich vernetzen können», sagt Edith Beeler. Deshalb tritt die höchste Ausserrhoderin am Internationalen Frauentag im Lindensaal Heiden als Gastrednerin auf. Die Ausserrhoder Kantonsratspräsidentin sagt zwar von sich, sie gehöre nicht zu den Leuten, die glauben, man müsse kämpfen. «Als Frau kann man die Rolle in der Gesellschaft heute anders ausleben, als das noch vor einigen Jahren der Fall war», sagt Beeler.

Doch Unterschiede zwischen Mann und Frau gebe es auch heute noch – und nicht nur biologischer Natur. «Die Rechte von Männern und Frauen sind immer noch nicht die gleichen.» Das mache sich in der Berufswelt wie in der Gesellschaft bemerkbar. «Wenn ich als Frau allein ein Kino oder eine Bar besuche, werde ich anders angeschaut als ein alleinstehender Mann», sagt Beeler. Frauen sollten ihr Selbstbewusstsein stärken und ihre Bedürfnisse leben, damit dies eines Tages Normalität werde.

Themen von 1911 und heute

In Heiden wird keine Frau schief angeschaut, die alleine in den Lindensaal kommt. In Heiden sind am Freitag nur Frauen zugelassen. «Wir erwarten an die hundert Besucherinnen», sagt Jaqueline Streule, eine der vier Organisatorinnen. Zum 14. Mal organisiert eine Gruppe Freiwilliger den Anlass in Heiden, der in dieser Art der einzige im Appenzellerland ist. «Wir glauben nicht, dass wir mit unserem Anlass etwas verändern», sagt Organisatorin Alexandra Breu. «Aber wir wollen den Frauentag und die Themen ins Bewusstsein rufen», sagt Streule.

Den Internationalen Frauentag gebe es seit 1911, die Themen seien immer noch dieselben: Bildungschancen, flexible Arbeitszeitmodelle, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mehr Frauen in Führungspositionen, Lohngleichheit. «Ich muss nicht auf die Strasse und für die Anliegen kämpfen», sagt Alexandra Breu, «aber die Frauenbewegung ist wichtig und hat schon viel erreicht, wovon heute Frauen profitieren.»

Diskussion und Performance

Lohnungleichheit ist ein Thema, das auch Edith Beeler beschäftigt. Einer der Gründe sei, dass viele junge Mütter sich ganz der Familie widmen müssen, da dies für Väter nicht möglich ist. «Es sollte Normalität werden, dass Väter das Arbeitspensum reduzieren können.» Es gelte, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die das ermöglichen. Die Politik könne dazu die öffentliche Diskussion anstossen.

Um Diskussion und Austausch geht es auch den Heidler Organisatorinnen. Man wolle eine Plattform bieten, damit Frauen sich vernetzen können. Und damit Frauen sich zeigen können. «Es gibt eine offene Bühne für Zwei-Minuten-Präsentationen», sagt Streule. Einige Auftritte stehen schon fest – die Bühne steht aber auch spontanen Performerinnen offen.

Frauentag im Hotel Linde Heiden, Samstag, 8. März. Griechisches Buffet ab 18 Uhr, Saalöffnung ab 19 Uhr, Programm ab 20 Uhr.