Von der WG auf den Weltmarkt

Christian von Burg aus Teufen hat mit zwei Studienkollegen das Start-up Sintratec gegründet. Die Jungunternehmer entwickelten den weltweit ersten 3D-Drucker mit Lasertechnik für den Heimgebrauch. Eine Hürde war die Finanzierung.

Jesko Calderara
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Mit ihrem Unternehmen Sintratec sind Joscha Zeltner, Dominik Solenicki und Christian von Burg in der 3D-Drucktechnologie tätig. (Bilder: pd)

Mit ihrem Unternehmen Sintratec sind Joscha Zeltner, Dominik Solenicki und Christian von Burg in der 3D-Drucktechnologie tätig. (Bilder: pd)

TEUFEN/BRUGG. Bereits während seines Elektro- und Informationstechnik-Studiums an der Hochschule für Technik FHNW in Brugg-Windisch hat sich Christian von Burg aus Teufen intensiv mit der 3D-Drucktechnologie beschäftigt. Damit lassen sich dreidimensionale Werkstücke computergesteuert aufbauen. Zusammen mit seinen Studienkollegen Dominik Solenicki und Joscha Zeltner probierte von Burg verschiedene 3D-Drucker aus, die beispielsweise Bastler, Designer, Ingenieure oder Künstler nutzen. «Wir waren über die Druckqualität enttäuscht», sagt von Burg rückblickend. Als Alternative waren nur professionelle Industriedrucker erhältlich, die mit der sogenannten selektiven Laser-sintering-Technologie (SLS) arbeiten. Allerdings sind solche Modelle relativ gross und kosten um die 200 000 Euro.

Technologischer Durchbruch

In diesem Mangel an qualitativ hochwertigen 3D-Druckern für den Heimgebrauch sahen die beiden FHNW-Studenten Christian von Burg und Dominik Solenicki sowie der ETH-Absolvent Joscha Zeltner eine Marktlücke. Ihre Idee war, einen bezahlbaren Laser-3D-Drucker im Desktop-Format zu bauen. Sie hätten vor ungefähr vier Jahren in der Studenten-WG begonnen, an einem Prototyp zu tüfteln, sagt von Burg. Den drei Jungingenieuren gelang ein technologischer Durchbruch: Sie entwickelten als erster Anbieter weltweit einen erschwinglichen und handlichen 3D-Drucker, der nach dem Lasersinter-Verfahren arbeitet. Dabei wird mit einem Laserstrahl pulverförmiger Kunststoff geschmolzen. Auf diese Weise könnten Objekte stabiler als mit einem gewöhnlichen Drucker hergestellt werden, sagt von Burg.

2014 gründete er zusammen mit seinen zwei Mitstreitern das Start-up-Unternehmen Sintratec GmbH, das später in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Heute hat die Firma ihren Sitz im Technopark in Brugg und beschäftigt nebst den drei Gründern noch vier Mitarbeiter. Mit seinen Produkten, die um die 5000 Franken kosten, will das Jungunternehmen vor allem Private und Kleinunternehmen als Kunden gewinnen. Die wichtigsten Absatzmärkte nebst der Schweiz sind Deutschland und die USA. Als Beispiel für den Einsatz der Drucker erwähnt von Burg den Architekt. Dieser könne die am Computer gezeichneten Pläne ausdrucken und habe so gleich ein dreidimensionales Kunststoffmodell eines Hauses in der Hand.

Erfolg mit Crowdfunding

Unterdessen stehen die ersten im Aargau gefertigten 3D-Drucker im Einsatz. Sie sind in zwei Ausführungen, eine davon als Bausatz, erhältlich. In einer ersten Runde hat Sintratec eine Crowdfunding-Aktion gestartet. 60 Personen beteiligten sich daran und finanzierten so die Produktion vor. Sie erhielten im Gegenzug einen Drucker zu einem vergünstigten Preis. Mehr als 200 000 Franken kamen zusammen. Unterdessen konnten die Jungunternehmer weitere Risikokapitalgeber von ihrem Vorhaben überzeugen. Für ein Start-up sei die Finanzierung eine der grössten Hürden, betont von Burg. «Interessierte Investoren konnten wird finden, allerdings nehmen die Gespräche jeweils viel Zeit in Anspruch.» Das notwendige betriebswirtschaftliche Wissen über Businesspläne oder Unternehmensführung haben sich die drei Ingenieure im Geschäftsalltag angeeignet und entsprechende Kurse besucht.

Freude an der Selbständigkeit

Christian von Burg ist in Teufen aufgewachsen und besuchte die Kantonsschule Trogen. Nach der Matura begann der 26-Jährige ein Studium an der ETH Zürich. Weil ihm der Unterricht zu theoretisch war, wechselte von Burg später an die Hochschule für Technik nach Brugg, wo er den Bachelor in Elektro- und Informationstechnik machte. An der Selbständigkeit gefalle ihm die Möglichkeit, eine Technologie vertieft kennenlernen und weiterentwickeln zu können. Ängste vor dem Scheitern hat der Jungunternehmer nicht. «Falls alle Stricke reissen, habe ich als Elektroingenieur auch sonst gute Berufschancen.»

Mit einem Laser-3D-Drucker lassen sich Kunststoffteile herstellen.

Mit einem Laser-3D-Drucker lassen sich Kunststoffteile herstellen.