Versuchsbetrieb für «Be-in-be-out»

Der enge Fahrplan ist immer wieder ein Thema für den Busbetrieb Lichtensteig–Wattwil–Ebnat-Kappel (BLWE). Verwaltungsratspräsident Felix Brander erklärt, wie der Busbetrieb darauf reagiert und welche weiteren Neuerungen es gibt.

Martin Knoepfel
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Felix Brander Verwaltungsratspräsident Busbetrieb Lichtensteig-Wattwil-Ebnat-Kappel (BLWE) (Bild: Lucas Lüdi)

Felix Brander Verwaltungsratspräsident Busbetrieb Lichtensteig-Wattwil-Ebnat-Kappel (BLWE) (Bild: Lucas Lüdi)

Herr Brander, der Fahrplan der Busse zwischen Ebnat-Kappel und Wattwil ist eng. Zugleich kaufen viele Passagiere ihre Billette im Bus, was Verzögerungen nach sich zieht. Ist es ein Thema für den BLWE, Billettautomaten in den Bussen zu montieren wie in St. Gallen oder Winterthur?

Felix Brander: Wir haben das Thema gerade an der Verwaltungsratssitzung vor der Generalversammlung wieder diskutiert. Automaten haben Vor- und Nachteile.

Welche Nachteile sehen Sie?

Brander: Wenn der Bus voll ist und der Billettautomat wegen anderer stehender Fahrgäste nicht zugänglich ist, kann man trotzdem kein Billett am Automaten lösen. Zudem ist der Unterhalt der Automaten beachtlich. Wir müssten also weiterhin den Verkauf im Bus durch den Chauffeur anbieten. Wir haben uns für einen anderen Weg entschieden. Die Südostbahn bringt ein elektronisches System «Be-in-be-out» (Bibo) auf den Markt. Wir werden uns bei dieser innovativen Lösung als Versuchsbetrieb engagieren und so unseren Kunden den berührungslosen einfachen Billettkauf ermöglichen. Wenn jemand den Bus besteigt und wenn er ihn wieder verlässt wird das via Smartphone registriert. Automatisch wird dann der günstigste Tarif abgebucht. Die Busse werden an den Türen mit entsprechenden Empfängern ausgerüstet.

Gibt es weitere Neuerungen für die Passagiere?

Brander: Weil wir auf der Linie Wattwil–Ebnat-Kappel einen engen Fahrplan haben, haben wir in den letzten Monaten die verschiedenen Fahrplanmöglichkeiten analysiert. Ziel dabei ist es unter anderem, dass unsere Fahrgäste den Voralpen-Express ab Wattwil in alle Richtungen erreichen. Wir werden daher die Verdichtung am Morgen und am Nachmittag zu einem Viertelstundentakt den kommunalen und kantonalen Behörden unterbreiten. Die mögliche Einführung würde per Fahrplanwechsel im Dezember 2017 erfolgen.

Werden in nächster Zeit weitere Haltestellen mit 16 Zentimeter hohen Haltestellenkanten dazukommen?

Brander: Bis 2024 sollten gemäss eidg. Behindertengesetz die Haltestellen umgerüstet sein. Als bisher letzte erhielt die Haltestelle Schmidenbach in Fahrtrichtung Lichtensteig 16-Zentimeter-Haltekanten. Die Gemeinde Wattwil stellt dort in den nächsten Wochen noch ein neues Wartehäuschen auf. Wir haben schon einige Haltestellen mit erhöhten Haltekanten, etwa Lichtensteig Obertor und Loreto oder der Bahnhof Wattwil und Ebnat-Kappel. Diese baulichen Anpassungen erfolgen jeweils bei einer Strassensanierung.

Weshalb kauft der BLWE keinen Hybridbus? In Frauenfeld bewähren sich solche seit einigen Jahren.

Brander: Aus Gründen des einfachen Unterhaltes haben wir uns entschieden, den Busbetrieb mit der gleichen Fahrzeugmarke zu betreiben. Der Hybridbus wird durch Mercedes nicht mehr hergestellt. Mercedes sieht zwar ein grosses Potenzial für Elektrobusse, doch geht der Hersteller davon aus, dass solche Fahrzeuge nicht vor 2021 auf dem Markt sind. Mercedes entwickelt derzeit auch den Bus mit Brennstoffzelle weiter. Hier würde eine Tankstelle mit Wasserstoff benötigt. Aber auch dieser Bus wird nicht vor 2021 auf dem Markt sein. Gasbetriebene Busse hat man im Fürstentum Liechtenstein ausgiebig getestet. Das Fürstentum und auch zum Beispiel Bernmobil kaufen keine Gasbusse mehr. Gasbusse haben sich bei starken Steigungen, etwa hinauf zum Triesenberg, nicht bewährt. Im Frühjahr 2017 geht der neue zwölf Meter lange Normalbus in den Linienbetrieb. Dieser Dieselbus mit der neuesten Abgastechnologie Euro VI, mit Partikelfilter, Ed Blue und Rekuperationssystem schont die Umwelt sehr und bringt trotzdem die geforderte Leistung auf der Strasse. Durch das eingebaute Rekuperationssystem sparen wir zwei bis drei Liter Diesel auf 100 km ein.