Heimatschutz
Kulturgut Horersjokelis in Appenzell bleibt ungenutzt – ein Bijou lottert vor sich hin

Horersjokelis, eine Liegenschaft im Lehn in Appenzell mit Bauernhaus und Stallscheune, einem Bach samt Wasserfall und früher einmal Apfelbäumen ist im Bundesinventar für geschützte Kulturgüter in der höchsten Klasse A aufgeführt. Das Haus ist seit Jahren unbewohnt, die Stallscheune ungenutzt.

Margrith Widmer Jetzt kommentieren
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Die Liegenschaft Horersjokelis ist heute unbewohnt.

Die Liegenschaft Horersjokelis ist heute unbewohnt.

Bild: wikimedia

Im Grundbuch ist vom früheren Eigentümer ein Servitut eingetragen worden: Heimatschutz, die Stiftung pro Innerrhoden und Pro Natura sollen den Schutz der Liegenschaft gewährleisten. Das Bauernhaus, erstmals 1535 erwähnt, ist in den Büchern «Bauernhäuser der Schweiz» und «Kunstdenkmäler der Schweiz» aufgelistet.

Der heutige Eigentümer, der die Liegenschaft von seinem Grossvater geschenkt erhielt, betrachtet das Anwesen wohl eher als Danaergeschenk, also als Last. Bisher bestehen zwar lediglich Projektideen. Ein erster Projektentwurf sei vom Heimatschutz zur Überarbeitung zurückgewiesen worden, sagt Hanspeter Koller, Sekretär der Feuerschaugemeinde Appenzell. Einiges am Haus musste bereits notdürftig repariert werden, so wurde etwa der Kamin «eingepackt», weil es hineinregnete. Die Stallscheune unterstehe nur einem privatrechtlichen Schutz, sagt Hanspeter Koller.

Stilmix mit klassischer Appenzeller Fassade

Wer online nach «Horersjokelis» sucht, findet beispielsweise einen englischsprachigen Eintrag: «Horersjokeli’s residential building, a mix of styles with a classic, board-paneled Appenzell facade, baroque plaster surrounds and small round shingles on the weather site, which are typical of Vorarlberg.» (Wohnhaus, eine Stilmischung mit klassischer Appenzeller Fassade, barockem Putz und kleinen, runden Schindeln auf der Wetterseite, die typisch für Vorarlberg sind.)

Die Liste der Kulturgüter in Appenzell enthält alle Objekte des Bezirks Appenzell im Kanton Appenzell Innerrhoden, die gemäss gesetzlichen Grundlagen zum Schutz der Kulturgüter bei bewaffneten Konflikten unter Schutz stehen.

Unbestritten historisch

Im Inventar des Bunds ist Horersjokelis Wohnhaus mit Stallscheune im Lehn, Appenzell, in der Schutzklasse A eingetragen. Auf kantonaler Ebene hingegen ist lediglich das Wohnhaus, nicht aber die Stallscheune, geschützt.

Dazu sagt Niklaus Ledergerber, Präsident der Fachkommission Denkmalpflege AI: «Es ist richtig, dass nur das Bauernhaus im Schutzplan der Feuerschaugemeinde klassiert ist. Der Grund liegt wohl darin, dass nur das Wohnhaus die für eine Klassierung notwendigen baukünstlerischen und denkmalpflegerischen Qualitäten aufweist. Die Stallscheune ist unbestritten ein historisches Gebäude, die Bausubstanz weist hingegen keinen besonderen speziellen baukulturellen Wert auf.»

Nicht unbewohnbar

Auf die Frage, warum auf Bundesebene Wohnhaus und Stallscheune geschützt seien, auf kantonaler Ebene aber nicht, antwortet Niklaus Ledergerber: «Die im Grundbuch eingetragene Erhaltungspflicht für das gesamte Ensemble ist privatrechtlicher Natur und kann somit ganz nach Gutdünken der Vertragsparteien erstellt werden. Sie unterliegt nicht den Bewertungskriterien, die für eine rechtliche Unterschutzstellung gesetzlich gefordert sind.» Und weiter: «Das Wohnhaus wird wohl schon mehrere Jahre nicht mehr bewohnt und entspricht nicht mehr in allen Bereichen den heutigen Wohnvorstellungen – unbewohnbar ist es hingegen nicht.»

Geschützte Bäume gefällt

Der frühere Eigentümer von Horersjokelis liess die Liegenschaft unter Schutz stellen. Die Geschäftsführerin von Pro Natura St.Gallen/Appenzell, Corina Del Fabro hält fest: «Auf dem Grundstück Horersjokelis lastet tatsächlich seit 1981 eine Dienstbarkeit zu Gunsten des Heimatschutzes AI sowie Pro Natura St.Gallen-Appenzell. Diese Dienstbarkeit wurde auf Wunsch des damaligen Eigentümers geschlossen und bezweckt den Erhalt der typisch appenzellischen Liegenschaft sowie des Bachs mit Wasserfall und der Bäume.» Die betreffenden Apfelbäume wurden allerdings bereits vor rund 20 Jahren gefällt. Der Schutzstatus hat nichts genützt.

Gefragt, ob sie die Eigentümer von Horersjokelis seien, sagt die Frau des heutigen Eigentümers: «Nein, das gehört dem Sohn.» Die Frau des Sohns hingegen antwortet: «Nein, das gehört den Schwiegereltern. Wir haben nur die Aussicht, dort einmal Landwirtschaft zu betreiben. Fix ist noch nichts.»

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