Verleiht Red Bull wirklich Flügel?

An der Kantonsschule Trogen stellten am Wochenende über 100 Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen ihre Maturaarbeiten vor. Die öffentliche Präsentation der Arbeiten war in diesem Jahr zum ersten Mal obligatorisch.

Patrick Baumann
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Nina Roosemalen präsentierte am vergangenen Samstag die Ergebnisse ihrer Maturaarbeit mit dem Titel «Verleiht Red Bull wirklich Flügel?». (Bild: pab)

Nina Roosemalen präsentierte am vergangenen Samstag die Ergebnisse ihrer Maturaarbeit mit dem Titel «Verleiht Red Bull wirklich Flügel?». (Bild: pab)

TROGEN. Zehn Minuten standen den Schülerinnen und Schülern des Abschlussjahrgangs der Kantonsschule Trogen zu Verfügung, um die Ergebnisse ihrer Maturaarbeiten zu präsentieren. Im Anschluss an die Präsentation stellten sie sich den Fragen der Experten und des Publikums. Die Themen der vorgestellten Arbeiten reichten von «Mentaltraining im Unihockey» über «Emotionen in der Kunst» bis hin zu der Frage, ob Red Bull wirklich Flügel verleihe. «An unserer Schule können die Schülerinnen und Schüler die Themen für ihre Arbeiten selbständig wählen», sagt Michael Zurwerra, Rektor der Kantonsschule Trogen. «Zulässig sind neben Untersuchungen auch Projekte, wie beispielsweise die Aufführung eines Musicals oder kreative Arbeiten.»

Versuch mit 40 Probanden

Am Morgen vor der Präsentation sei sie schon etwas nervös gewesen, sagt Nina Roosemalen, die im Rahmen ihrer Arbeit auf 30 Seiten den Einfluss von Energydrinks auf die körperliche Leistungsfähigkeit untersuchte. «Im Laufe der Präsentation hat sich die Nervosität dann aber gelegt.» Auf das Thema ihrer Arbeit sei sie gekommen, weil ihr das Sponsoring von Red Bull bei Sportanlässen aufgefallen sei. «Trotzdem habe ich noch nie einen Sportler gesehen, der vor einem Wettkampf tatsächlich ein Red Bull trinkt», sagt Roosemalen. Um eine Antwort auf ihre Forschungsfrage zu finden, führte sie neben theoretischen Untersuchungen auch einen Lauftest mit 40 Schülerinnen und Schülern durch. Die Probanden wurden dazu in vier gleich grosse Gruppen aufgeteilt. Vor dem ersten von zwei Läufen bekamen alle Probanden 250 ml Wasser. Zwei Wochen später, vor dem zweiten Lauf, erhielt die Hälfte der Gruppe jeweils 250 ml Red Bull, die andere Hälfte diente als Kontrollgruppe und bekam wiederum 250 ml Wasser. Anhand der Messung von unterschiedlichen Parametern wollte Roosemalen so herausfinden, ob eine Leistungssteigerung durch Energydrinks eintritt. Die Arbeit kam zum Ergebnis, dass die mentale Komponente, also die Einstellung gegenüber Energydrinks, wohl einen grösseren Einfluss auf die Leistungsfähigkeit habe als die Inhaltsstoffe selbst. «Für meine Arbeit habe ich stundenlang Excel-Tabellen ausgewertet», sagt die Walzenhauserin. «Ich habe das gerne gemacht. Schwierigkeiten hat mir hingegen der theoretische Teil der Arbeit bereitet.»

Vorbereitung auf Universität

Seit 1995 müssen in der Schweiz alle Maturandinnen und Maturanden eine Maturaarbeit schreiben. «Der Sinn der Maturaarbeiten besteht darin, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, eine grössere wissenschaftliche Arbeit zu verfassen.» sagt Zurwerra. «Bei der Benotung wird sowohl auf die formale Richtigkeit als auch auf den Inhalt geachtet.» Das Schreiben einer Maturaarbeit sei insbesondere im Hinblick auf die Universität sehr sinnvoll. «An der Kanti Trogen haben wir zusätzlich beschlossen, dass ab diesem Jahr alle Schülerinnen und Schüler ihre Arbeiten öffentlich präsentieren sollen. Wir finden, dass die Fähigkeit, die eigene Arbeit zu präsentieren und zu verteidigen, zu einer reifen Persönlichkeit gehört», so Zurwerra.