Verantwortung auf mehr Schultern

TOGGENBURG. In rund acht Wochen wird die Seelsorgeeinheit oberes Toggenburg von Bischof Markus Büchel in einem feierlichen Gottesdienst offiziell errichtet. Bevor dies geschehen kann, mussten die Verantwortlichkeiten festgelegt und auf die entsprechenden Schultern verteilt werden.

Beatrice Bollhalder
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Früher war es einfacher. In praktisch jedem Dorf gab es eine Kirche. Und in jeder Kirche gab es einen Pfarrer, der für seine Schäfchen zuständig war. Wer also etwas auf dem Herzen hatte, klopfte an der Tür des Pfarrhauses an und konnte dort seine Sorgen deponieren. Heute findet man längst nicht mehr in jedem Dorf einen Pfarrer. Im Bistum St. Gallen werden bis zum Jahr 2015 alle 142 Pfarreien in rund 33 Seelsorgeeinheiten integriert. Einer solchen stehen ein verantwortlicher Priester und ein Teamkoordinator vor. Im oberen Toggenburg wird dies Pfarrer Thomas Thalmann in einer Doppelfunktion sein. Bei ihm laufen in Zukunft alle Fäden zusammen. Bisher war Thomas Thalmann in den Pfarreien Ebnat-Kappel und Neu St. Johann als Pfarrer gewählt, in den Pfarreien Stein, Alt St. Johann und Wildhaus aber war er als Administrator ad interim tätig. Diese drei Pfarreien werden Thomas Thalmann an den – in diesen Tagen stattfindenden – Kirchbürgerversammlungen zu ihrem Pfarrer wählen können.

Ein Haus mit offenen Zimmern

In jeder Kirchgemeinde ist in Zukunft eine Pfarreibeauftragte oder ein Pfarreibeauftragter als Ansprechperson eingesetzt. Diese haben eine bischöfliche Sendung erhalten. Sie sorgen dafür, dass das «Gewachsene» in den Gemeinden in Zukunft nicht vernachlässigt wird. «Die Seelsorgeeinheit kann man sich wie ein Haus, in dem verschiedene Zimmer untergebracht sind, vorstellen. Die Zimmertüren sind aber weit offen. Und in der Stube treffen sich alle zum gemeinsamen Austausch», erklärt Pfarrer Thomas Thalmann. Und tatsächlich findet dieser Austausch der Verantwortlichen in wöchentlichen Teamsitzungen in Alt St. Johann statt. So behält das Pastoralteam zusammen mit Pfarrer Thomas Thalmann die Übersicht und weiss, was in der gesamten Seelsorgeeinheit aktuell geschieht.

Pastoralassistent Marco Süess ist als Pfarreibeauftragter für Ebnat-Kappel zuständig, in Neu St. Johann ist diese Aufgabe an Katechetin Ida Näf übertragen worden. Kaplan Peter Maier ist die Ansprechperson in Stein. Pastoralassistent Michael Nolle wurde vom Pastoralteam und der Kirchenverwaltung zum Pfarreibeauftragten von Alt St. Johann und Wildhaus bestimmt.

Ressorts aufgeteilt

In der Seelsorgeeinheit wurden die Aufgaben nach Ressorts verteilt. Pfarrer Thomas Thalmann kümmert sich um die Personalfragen und ist Teamkoordinator. Marco Süess hat sich der Fragen, die Kinder in der Kirche betreffen, angenommen. Er ist also Ansprechperson für Begehren, die mit Kinderfeiern oder -gottesdiensten zusammenhängen. Ausserdem sind auch Anliegen betreffend Asylanten an ihn zu richten. Seine Frau, Pastoralassistentin Verena Süess – die sich derzeit im Mutterschaftsurlaub befindet – kümmert sich um die Anliegen der Ministranten. Michael Nolle hat seine Ausbildung im Bistum Chur absolviert und lernt derzeit in einer zweijährigen Pastoral-Einführung die Strukturen des Bistums St. Gallen näher kennen. Zu seinen Aufgaben zählt zukünftig die Betreuung sämtlicher Firmlinge der Seelsorgeeinheit. Kaplan Peter Maier kümmert sich um die Spital- und Heim-Seelsorge. Er ist also auch zuständig für Gottesdienste in Alters- und Pflegeheimen.

Gut ausgebildetes Team

Das Ressort Senioren gehört zu den Aufgaben von Katechetin Ida Näf. Eine Katechetin verfügt im Übrigen über eine Ausbildung auf theologischer Grundlage und ist als Religionspädagogin im Einsatz. Meist gehören auch die Erwachsenenbildung und die Jugendarbeit dazu. Die Religionspädagogin Eva Sutter ist für die Erwachsenenbildung zuständig. Sie hat eine vierjährige Ausbildung, in der sie während zwei Tagen pro Woche in Luzern die Schulbank gedrückt hat, absolviert. Erst seit einem Monat gehört auch Michaela Bauer dem Team an. Sie vertieft sich gegenwärtig in verschiedenen Modulen in der kirchlichen Jugendarbeit und wird ihre Ausbildung nach zwei Jahren mit einer Diplomarbeit abschliessen. Michaela Bauer bringt viel Erfahrung mit Jugendlichen aus ihrem Engagement mit Blauring und Jungwacht mit und kann diese bei ihrem Einsatz als Religionslehrerin auf der Oberstufe sicher gut nutzen.

Aufgaben der Kirchgemeinden

Jede Kirchgemeinde behält aber vorerst ihre Behörde, die sich um den Erhalt der Gebäude kümmert. Aber auch die Anstellung des Mesmers sowie dessen Entschädigung oder die Gestaltung von Kirchenraum und Umgebung gehören zum Aufgabengebiet. Da und dort werden derzeit aber Fusionsgespräche aufgenommen.

Die Kosten für die Einsätze der Mitglieder der Seelsorgeeinheit werden unter den fünf dazugehörigen Pfarreien nach einem speziellen Schlüssel aufgeteilt. Dazu wurde ein Sockelbeitrag pro Kirchgemeinde festgelegt sowie die Anzahl Katholiken berücksichtigt.

Im Mai wird im Forum eine Umfrage zur Seelsorgeeinheit gestartet. Am 17. Juni finden in Alt St. Johann und am 19. Juni in Ebnat-Kappel jeweils ein «Resonanzabend» statt. Bei diesen Anlässen geht es darum, die Öffentlichkeit zu Wort kommen zu lassen. Was hat sich in den letzten Wochen und Monaten bewährt? Welche Anregungen hat das Volk an das Pastoralteam?