URNÄSCH: Holz als neues Hobby

Der pensionierte Unternehmer Robert Sager hat sich ganz dem Handel mit Olivenholz verschrieben. Mit dem erwirtschafteten Gewinn will er sich einen alten Lebenstraum erfüllen.

Karin Erni
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Robert Sager hat einen abgestorbenen 200jährigen Olivenbaum zum Werbeträger umfunktioniert. (Bild: ker)

Robert Sager hat einen abgestorbenen 200jährigen Olivenbaum zum Werbeträger umfunktioniert. (Bild: ker)

URNÄSCH. «Olivenholz zum Grillieren zu verkaufen». Wer Richtung Schwägalp fährt, sieht unweigerlich die Tafel, die an einem knorrigen Olivenbaum hängt. Seit wann, fragt sich die Betrachterin, wachsen im Appenzellerland Olivenbäume? Was es mit dem Angebot auf sich hat, klärt sich beim Anruf bei der Firma Sager Gartengalerie, der das Gelände gehört.

Firmengründer Robert Sager ist ein umtriebiger Mensch. Nach 15 Jahren Lehrertätigkeit in Gonten beschloss er, sich mit dem Handel von antiken Uhren und Möbeln selbständig zu machen. Später erweiterte er sein Geschäft um alte Steinbrunnen, die er im In- und Ausland zusammenkaufte. «Vier bis fünf Tage pro Woche bin ich jeweils unterwegs gewesen», sagt Sager. Weil sich das Gartengeschäft immer besser entwickelte, setzte er schliesslich ganz auf diese Karte. «Das war mein Glück. Mit Antiquitäten wäre ich wahrscheinlich pleitegegangen», so der Unternehmer. Der Handel gedieh und wurde sukzessive um Gartenpavillons und -möbel, Rosenbogen und zuletzt um Hochbeete erweitert. Immer wieder bewies Sager Mut zum Risiko. Einmal setzte er sein Pensionskassenkapital aufs Spiel, um einen besonderen Brunnen zu kaufen. Der Einsatz wurde belohnt. Eine Chinesin erstand den Wasserspender für eine halbe Million Franken. Doch das grosse Geschäft sei es nicht gewesen, relativiert Sager. «Der Gewinn entsprach einer Verzinsung von vier Prozent.»

Geheimnis des Geschmacks

Die Firma hat Robert Sager vor fünf Jahren seinem Sohn Marco übergeben, doch ganz ohne Arbeit hält es der ehemalige Patron doch nicht aus. So reist er immer noch im benachbarten Ausland herum, um Brunnen einzukaufen. Die Idee, mit Olivenholz zu grillieren, sei ihm beim Fischessen im italienischen Ventimiglia gekommen, erzählt Sager. «Ich habe noch nie im Leben so guten grillierten Fisch gehabt. Also habe ich mich beim Koch erkundigt, wie er den Fisch grilliere, und er verriet mir, dass er dazu Olivenholz verwende.» Dieses Grillerlebnis wollte Sager künftig auch bei sich zu Hause geniessen. Doch statt lediglich einer Kofferraumladung importierte er aus Spanien gleich einen ganzen Lastwagen voll Olivenholz. Dieses steht nun in Urnäsch in kleinen und grossen Säcken zum Verkauf bereit.

Blühendes Paradies

Wer mit Olivenholz grillieren will, braucht etwas Geduld. Das extrem harte Holz braucht einige Zeit bis es richtig glüht. Dafür halte die Glut auch für Stunden an und sie verleihe dem Grillgut einen feinen Olivengeschmack, verrät Robert Sager. «Olivenholz eignet sich übrigens nicht nur zum Grillen. Auch im Cheminée kommen die positiven Eigenschaften wie die lange Brenndauer gut zur Wirkung.» Mit dem Verdienst aus dem Olivenholzgeschäft möchte sich der 70-Jährige noch einen alten Lebenstraum verwirklichen. «Ich habe einst gesagt, das Firmenareal in Gonten soll ein blühendes Paradies werden. Jeden Franken, den ich mit dem Olivenholzhandel verdiene, investiere ich in die Verschönerung des Areals.»

Die Beschäftigung mit dem Olivenholz hat Robert Sager schon wieder auf eine Idee gebracht: Er hat gleich selbst einen neuartigen Grill entwickelt, mit dem sich Fisch besonders schonend und aromatisch zubereiten lässt. Das Gerät befindet sich derzeit in der Endphase der Entwicklung und soll nach erfolgtem Designschutz im nächsten Frühling an der Gartenmesse Giardina in Zürich vorgestellt werden.