Unihockey
Die Falken zerzaust: Herisau mit Kantersieg

Einen Tag nach der Enttäuschung gegen den Tabellenletzten Frauenfeld überfordert der UHC Herisau Glattal gleich mit 11:2.

Lukas Pfiffner
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Herisauer Durchsetzungsvermögen, Glattaler Leiden: Manuel Rüegg enteilt Pascal Grin – rechts Dreifachtorschütze Joel Conzett.

Herisauer Durchsetzungsvermögen, Glattaler Leiden: Manuel Rüegg enteilt Pascal Grin – rechts Dreifachtorschütze Joel Conzett.

Bild: PD

Dem Erstligisten UHC Herisau war es ganz recht, dass diese Möglichkeit schnell kam. «Der Fokus war nach dem Samstag-Spiel schon in der Garderobe in Frauenfeld eindeutig auf Rehabilitation ausgerichtet», sagte Joel Conzett, der Dreifachtorschütze vom Sonntag gegen die Glattal Falcons.

Nach dem «Absacker» im Thurgau (so bezeichnete der 24-jährige Flügelstürmer die 3:4-Niederlage beim Tabellenletzten) waren die Leistung und Stimmung am Tag darauf um Längen besser. «Stängeli hoa-hoa» – mit der volkstümlichen Melodie von «Sennele hoa-hoa» – sangen ein paar der 80 Zuschauerinnen und Zuschauer nach 53 Minuten. Ledergerber hatte eben das 10:1 erzielt – und wird dies mit einer Getränkerunde an die Kollegen bezahlen müssen.

Migräne und Kopfball

So einseitig das Geschehen war, so vielfältig waren die Ansätze für interessante Geschichten. Zum Beispiel verliess Herisaus Torhüter Jud zur Hälfte der Partie ohne Gegentor das Feld und wurde durch Nüssli ersetzt. Was auf den ersten Moment wie eine Szene aus einem beliebigen Testspiel aussah, hatte einen medizinischen Hintergrund: Jud erlitt einen Migräneanfall. Bemerkenswert war auch die Art, wie Germann zu seinem Tor (9:1) kam: Der Ball prallte an seinen Kopf und von dort auf die Stockschaufel. Es ging gegen Glattal eben vieles scheinbar leicht und fast selbstverständlich von der Hand – Herisau überforderte die Zürcher immer wieder in jeder Zone und in jedem Drittel (3:0, 4:1, 4:1), mit Verlagerungen, Direktabschlüssen, Tempovorstössen. Neben Conzett, Ledergerber und Germann trafen Patrick Mittelholzer (zwei), Thomas Mittelholzer, Schwarz, Rüegg sowie Silas Stucki.

«So genussvoll kann es sein»

Als überragend war der Auftritt der ersten Linie zu bezeichnen, in der mit Thomas Mittelholzer, Manuel Rüegg, Joel Conzett, Noel Possag und Stefan Meier fünf ehemalige NLA-Spieler von Wasa vereint sind. «Wir verstehen uns sehr gut und versuchen, Feuer ins Team zu geben», meinte Conzett. Und natürlich werde man auch an Toren gemessen. Er sprach im Wochenendrückblick das Mentale an. «Wenn es bei uns im Kopf stimmt, stimmt es auch auf dem Feld.» Auf Seite der Zürcher entstand nur Torgefahr, wenn Captain Fabian Zolliker im Einsatz war. Bleibt einzig noch die Frage, weshalb Herisaus Coach und Assistenztrainer Raphael Nüesch 49 Sekunden vor der Sirene ein Time-out nahm – was bei eindeutigem Spielstand im Prinzip verpönt ist. Man habe sich damit wohl keinen Pluspunkt beim Gegner geholt, meinte Trainer Nico Raschle. «Aber es ging darum, dass wir uns bewusst machten: So sollen wir spielen, so schön und genussvoll kann es sein, wenn wir unser Potenzial abrufen.»

Sieben Punkte vor Platz neun

Am Vortag hatte Herisau durch Possag und Conzett in Frauenfeld zwar zweimal geführt, aber im letzten Drittel drei Gegentore entgegennehmen müssen. Mehr als der Anschluss durch Silas Stucki gelang an einem enttäuschenden Abend nicht mehr. Für die Ausserrhoder war der Sieg am Sonntag im Hinblick auf die Qualifikation für die Playoffs umso wichtiger. Sie übertrafen die eigene Resultat-Höchstmarke dieser Saison (9:1 im Hinspiel bei den Glattal Falcons) und vermochten als Siebtplatzierte den Abstand zu Platz neun (Jona-Uznach Flames) wieder auf sieben Punkte auszubauen. Die nächste Runde steht erst am 8. Januar auf dem Programm. Herisau spielt dann auswärts gegen Bassersdorf Nürensdorf.