Umstrittene zweite Gotthardröhre

Auch in der Region wird über einen zusätzlichen Tunnel am Gotthard debattiert. Am 28. Februar stimmt der Souverän darüber ab. Aus Sicherheitsgründen befürwortet der TCS AR die Vorlage. Der WWF ist gegen eine zweite Röhre.

Jesko Calderara
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Bis anhin herrscht im Gotthardtunnel Gegenverkehr. Ob sich dies ändert, entscheiden die Stimmberechtigten am 28. Februar an der Urne. (Bild: ky/Christian Beutler)

Bis anhin herrscht im Gotthardtunnel Gegenverkehr. Ob sich dies ändert, entscheiden die Stimmberechtigten am 28. Februar an der Urne. (Bild: ky/Christian Beutler)

APPENZELLERLAND. Am 28. Februar entscheiden die Stimmberechtigten, ob vor der Sanierung des 36jährigen Gotthardstrassentunnels eine zweite Röhre gebaut werden soll. Geteilt sind die Meinungen der Appenzeller Kantonalsektionen der Verkehrs- und Umweltverbände zu dieser Lösung. Zu den Befürwortern der Abstimmungsvorlage gehört der TCS Appenzell Ausserrhoden. Deren Präsident Heinz Jucker sagt: «Uns geht es vor allem um die Verkehrssicherheit.» Im Schnitt würden heute rund 17 000 Fahrzeuge täglich durch den 16,9 Kilometer langen Gotthardtunnel fahren. Darunter seien Lenker in unterschiedlicher physischer und psychischer Verfassung, so Jucker. «Weil es im Tunnel Gegenverkehr hat, besteht ein höheres Unfallrisiko.» Selbst die neuen Bahntunnels hätten aus Sicherheitsgründen eine Doppelröhre.

Verfassung wird nicht verletzt

Dass mit dem geplanten zweiten Gotthardtunnel der Alpenschutzartikel in der Verfassung, welcher die Erhöhung der Transitstrassen-Kapazitäten im Alpengebiet verbietet, ausgehebelt wird, befürchtet Heinz Jucker nicht. «Im Gesetz ist klar festgelegt, dass pro Tunnel nur eine Spur befahren werden darf.» Zu einer allfälligen Änderung des Alpenschutzartikels hätte das Volk das letzte Wort, sagt der Präsident des TCS Appenzell Ausserrhoden. Finanzielle Bedenken gegen das vorliegende Sanierungsprojekt am Gotthard hat er auch nicht. Die finanziellen Mittel dafür seien vorhanden, sagt Jucker. «Das Problem ist mehr, dass Strassenbauvorhaben jeweils durch Einsprachen blockiert werden.»

Die Nein-Parole zur Gotthard-Abstimmung hat hingegen der WWF Appenzell beschlossen. Die Vorlage ebene den Weg für mehr Schwerverkehr durch den Gotthardtunnel, schreibt der WWF-Vorstand in einer Medienmitteilung. Sie missachte zudem den Wunsch des Stimmvolkes, den Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern. Laut dem WWF werden die neu geschaffenen Kapazitäten trotz des Versprechens des Bundesrates, nach der Inbetriebnahme des neuen Strassentunnels nur eine Spur pro Tunnel zu betreiben, zusätzlichen Verkehr generieren. «Es ist nur eine Frage der Zeit und des Drucks aus dem EU-Raum, bis alle Spuren für den Verkehr geöffnet werden», sagt Martin Zimmermann, Geschäftsführer des WWF St. Gallen-Appenzell. Auch die Sicherheit als Argument für eine zweite Röhre lässt der WWF Appenzell nicht gelten. Oftmals seien Lastwagen in schwere Unfälle im Gotthardtunnel verwickelt, gibt Zimmermann zu bedenken. «Um die Sicherheit zu erhöhen, muss der Schwerverkehr auf die Schiene verlagert werden.» Der WWF Appenzell spricht sich für eine Sanierung mit Totalsperrung und Autoverlad aus. Jedoch sollen die Arbeiten nur im Winterhalbjahr vorgenommen werden. Während der Sommermonate wäre der Tunnel offen, sagt Zimmermann.

Mehr Sicherheit erhofft

Im Pro-Komitee für eine zweite Gotthardröhre engagieren sich die beiden Innerrhoder Bundesparlamentarier Daniel Fässler und Ivo Bischofberger. Mit «wenig Begeisterung» wird der Ausserrhoder Nationalrat David Zuberbühler am 28. Februar ein Ja in die Urne legen. «Eigentlich ist es ein Unsinn, dass die beiden Tunnels nach Fertigstellung nur einspurig befahren werden dürfen.» Zuberbühler erwartet, dass mit dem Bau einer zweiten Röhre der Druck zunehmen wird, alle vier Fahrspuren zu öffnen. Seine Position begründet er vor allem mit Sicherheitsüberlegungen. Am Gotthard gebe es regelmässig Unfälle. Ein Tunnel für jede Fahrrichtung erhöhe die Sicherheit, ist Zuberbühler überzeugt.