Umstrittene Entlassung von Teufen vor Gericht

TROGEN. Eine ehemalige Mitarbeiterin der Gemeinde Teufen verlangt nach ihrer umstrittenen Entlassung im Jahr 2008 Schadenersatz. Am Mittwoch befasste sich das Verwaltungsgericht mit der Klage. In der Kritik stand auch Polizeikommandant Hansjörg Ritter.

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Die Klägerin durchlebte Ende 2006 eine private Krise, wie ihre Anwältin vor Gericht erklärte. Dabei kam es zu Interventionen der Polizei. Ihre Arbeit auf der Gemeindeverwaltung habe die Frau aber stets zur vollen Zufriedenheit der Vorgesetzten geleistet, betonte die Anwältin.


Um so schockierter war die Klägerin, als sie Mitte 2007 erfuhr, dass der Ausserrhoder Polizeikommandant die Gemeinde über ihre persönlichen Probleme informiert hatte. Die Gemeinde stellte die Mitarbeiterin frei. Als Bedingung für ihre Weiterbeschäftigung verlangte die Gemeinde ein psychiatrisches Gutachten.

Persönlichkeitsverletzend
Darin sah die Frau einen unzumutbaren Eingriff in ihre Privatsphäre. Sie weigerte sich, wurde krankgeschrieben und erhielt später die Kündigung. Ihre Anwältin bezeichnete das Vorgehen der Gemeinde als «absolut unverhältnismässig» und als persönlichkeitsverletzend. Die Kündigung sei missbräuchlich.

Die Klägerin fordert von der Gemeinde vier Monatslöhne sowie Schadenersatz, insgesamt rund 30'000 Franken. Kritik übte ihre Anwältin auch am Polizeikommandanten Hansjörg Ritter. Dieser hatte beim Departement Sicherheit und Justiz eine Ermächtigung eingeholt, um die Gemeinde über Vorkommnisse bei der Klägerin Ende 2006 zu informieren.

Anzeige wegen Amtsgeheimnisverletzung
Der Polizeichef habe diese Ermächtigung aber «komplett missachtet» und unnötigerweise auch Privates über die Frau an die Teufener Behörden weitergegeben. Dies trug Ritter eine Anzeige wegen Amtsgeheimnisverletzung ein. Dieser Fall liegt zurzeit beim Verhöramt (Untersuchungsamt) in Trogen.

Die Entlassung sei für ihre Mandantin, die immer mit grossem Engagement gearbeitet habe, ein schwerer Schlag gewesen, betonte die Anwältin. Zur Gerichtsverhandlung erschien die Klägerin nicht persönlich, weil dies für sie gesundheitlich zu belastend gewesen wäre.

Gemeinde rechtfertigt sich
Die Sicht der Gemeinde Teufen vertrat vor Gericht die damals verantwortliche Gemeinderätin. Sie beantragte die Abweisung der Klage. Die Behörden seien aus allen Wolken gefallen, als sie vom Polizeikommandanten über die Vorfälle im Zusammenhang mit der Klägerin informiert worden seien.

Die Entlassung der Mitarbeiterin sei die letzte Möglichkeit gewesen, weil die Frau nicht bereit gewesen sei, auf die Forderungen der Behörden einzugehen, sagte die ehemalige Gemeinderätin. Sie beschränkte sich auf eine eher kurze Stellungnahme. Das Urteil des Verwaltungsgerichts wird voraussichtlich am Freitag bekannt. (sda)