Trogen
Wie eine Ausserrhoder Homöopathin kranke Tiere ohne Chemie behandelt

Die gelernte Drogistin Eva Schläpfer hat sich zur Tierhomöopathin weitergebildet und in Trogen eine eigene Praxis eröffnet.

Karin Erni
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Eva Schläpfer mit dem Bergamasker-Mischling Sancho.

Eva Schläpfer mit dem Bergamasker-Mischling Sancho.

Bild: Karin Erni

Wo die Schulmedizin nicht weiterkommt, hilft oft die Komplementärmedizin. Nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Tieren.

Eva Schläpfer aus Trogen hat im ehemaligen Cornelia-Gebäude ihre eigene Praxis für Tierhomöopathie eröffnet. «Ich arbeite seit 20 Jahren als Drogistin. Dort haben natürlichen Heilmethoden traditionell einen grossen Stellenwert», sagt Schläpfer. «Im Laufe der Jahre habe ich verschiedene Kurse und Weiterbildungen absolviert. Mich interessiert Vieles und ich lerne gerne Neues.»

Eigene Grenzen kennen

Sie sei schon als Kind eine grosse Tierliebhaberin gewesen, sagt Eva Schläpfer. «Tiere gehören zu meinem Leben.» Aus diesem Grund habe sie sich zuerst zur Tierheilpraktikerin ausbilden lassen. «Die Ausbildung schien mir aber zu wenig fundiert.»

Am Haus der Homöopathie SHI in Zug hat sie danach die vierjährige Ausbildung zur Tierhomöopathin absolviert. Das im 18. Jahrhundert von Samuel Hahnemann entwickelte System der Homöopathie geht davon aus, dass «Ähnliches durch Ähnliches geheilt werde». Für Tiere gelten dabei die gleichen Grundsätze wie für Menschen.

Konkret bedeutet dies: Gibt man einem gesunden Menschen oder einem Tier eine Substanz, die beispielsweise Übelkeit auslöst, soll dasselbe Mittel in potenzierter Form bei einem Erkrankten gegen Übelkeit helfen. Die Homöopathie kennt etwa 3500 Mittel. Die Kunst bestehe darin, das richtige für das jeweilige Krankheitsbild zu finden, weiss Schläpfer.

«Wenn das gelingt, passierten oft erstaunliche Dinge.»

Die Ausbildung in klassischer Homöopathie vermittle auch ein fundiertes Wissen in Anatomie und Pathologie, sagt Eva Schläpfer. «Wichtig ist, die eigenen Grenzen zu kennen und abschätzen zu können, wann der Tierarzt hinzugezogen werden muss.» Ideal wäre eine regelmässige Zusammenarbeit mit Schulmedizinern, man könnte gemeinsam viel mehr erreichen, ist sie überzeugt. «Bis jetzt ist eine solche leider nicht zu Stande gekommen.»

Zu ihr kämen meist austherapierte Fälle, bei denen die Schulmedizin am Ende des Lateins ist. Oft kämen die Tierbesitzer auch wegen Ekzemen und Allergien. Die ausführliche Anamnese, die Aufnahme von Symptomen, dauere eine bis eineinhalb Stunden. Nach Verabreichung des gewählten Mittels gebe es in der Regel nach vier bis sechs Wochen eine Nachkontrolle.

Richtige Ernährung hilft Tieren

Radikalität sei ihr fremd, sagt Schläpfer. «Ich bin es von der Beratung in der Drogerie gewöhnt, verschiedene Auffassungen bezüglich Heilmethoden zu akzeptieren. Jeder soll seine eigene Meinung haben. Ich missioniere nicht.» Umgekehrt lasse sie sich gar nicht mehr auf Diskussionen mit «Andersgläubigen» ein, für welche die Homöopathie eine Pseudomedizin ist, bei der die Heilung schlicht und einfach auf dem Placeboeffekt basiert.

«Gerade die oft beobachtete Wirkung der Homöopathie beim Tier zeigt ja, dass sie nicht auf einem Placeboeffekt beruht.»

Eva Schläpfer behandelt Klein- und Grosstiere. Auch bei kranken Nutz- und Hoftieren führt sie eine ausführliche Anamnese durch. «Ich staune immer wieder, wie gut die Bauern ihre Tiere kennen und beobachten.» Oft liessen sich bereits durch einfache Änderungen in der Haltung Verbesserungen beim Gesundheitszustand erzielen.

Nebst der Homöopathie befasst sie sich mit Pflanzenheilkunde und verfügt über Kenntnisse bei Vitalpilzen. «Die Mittel sind eine gute Ergänzung, kann gerade bei älteren Tieren viel erreichen», so die Homöopathin.

Auch mit Ernährungsberatung hat sie gute Erfahrungen gemacht. Oft sei eine Futterumstellung der Schlüssel zu einem besseren Gesundheitszustand oder Allergiefreiheit des Haustiers, so Schläpfer. «Zu viele Tiere werden ausschliesslich mit Fertignahrung gefüttert.» Sie plädiert für Futter, das so frisch und naturbelassen wie möglich ist.

«Jeder Mensch weiss, dass Fertigpizza und Dosennahrung auf Dauer ungesund sind. Also sollte man auch seinem Tier etwas Besseres gönnen.»

Eva Schläpfer möchte neben der Praxis die Tätigkeit in der Drogerie weiterhin ausüben. Aktuell arbeitet sie immer noch Teilzeit in einem Betrieb im Engadin. «Derzeit bin ich daran, mir einen Kundenstamm für die Praxis in Trogen aufzubauen. Mittelfristig möchte ich den Wohnsitz wieder ganz ins Appenzellerland verlegen.»