TOGGENBURG: « Jugendarbeit wirkt präventiv»

Jugendarbeit ist eine Aufgabe, die der Kanton an die Gemeinden delegiert, ohne viele Vorgaben zu machen. In Wattwil hat die Jugendarbeit einen hohen Stellenwert. Ein Engagement, das sich später auszahlen kann.

Sabine Schmid
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Der Jugendtreff in Wattwil ist einer von vier Pfeilern, auf welchen die Jugendarbeit in der Gemeinde Wattwil basiert. (Bild: Sabine Schmid)

Der Jugendtreff in Wattwil ist einer von vier Pfeilern, auf welchen die Jugendarbeit in der Gemeinde Wattwil basiert. (Bild: Sabine Schmid)

TOGGENBURG. Die Gemeinden sind angehalten, Jugendarbeit zu machen. Im Einführungsgesetz zum Zivilgesetzbuch wird aufgeführt, dass die Politische Gemeinde für eine ganzheitliche Jugendhilfe sorgt. Diese umfasst Jugendarbeit, Jugendschutz und Jugendberatung. Sie stellt den Zusammenhang in der Jugendhilfe nach den Bestimmungen des Schweizerischen Zivilgesetzbuches sicher (gemäss Art. 58bis EGzZGB). In der Ausgestaltung der Jugendarbeit haben die Gemeinden einen gewissen Spielraum. Dies zeigt ein Blick in die Toggenburger Gemeinden. Während Wattwil und Kirchberg Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter engagiert haben, delegiert Neckertal die Aufgabe seit diesem Jahr an eine Firma. In Ebnat-Kappel sind die Kirchen stark beim Thema Jugendarbeit eingebunden, Wildhaus-Alt St. Johann zählt dabei vor allem auf die Vereine.

Jugendarbeit lohne sich aber, findet Ruedi Sterzing. Er ist im Gemeinderat Wattwil für die Jugend verantwortlich, steht der Jugendkommission vor und sieht im Alltag als Reallehrer konkret die Auswirkungen der Jugendarbeit. «Sie hat vor allem präventiven Charakter», erklärt Ruedi Sterzing. Was ohne Jugendarbeit passieren kann, habe sich in Wattwil vor einigen Jahren gezeigt: Die Jugendlichen lungerten im öffentlichen Raum herum, einige kamen sogar in schlechte Kreise. Die Gemeinde Wattwil lässt sich die offene Jugendarbeit jährlich rund 200 000 Franken kosten. Dazu kommen noch Beiträge an Vereine, die mit ihrer Tätigkeit im Nachwuchsbereich ebenfalls wichtige und nachhaltige Jugendarbeit leisten. «Es ist unseren Bürgern hoch anzurechnen, dass sie einen solch grossen Betrag für die jungen Menschen zur Verfügung stellen», sagt Ruedi Sterzing.

Auf vier Pfeilern aufgebaut

Die Jugendarbeit in der Gemeinde Wattwil fusst auf vier Säulen: der Jugendberatung, der Projektarbeit, dem Jugendtreff und der mobilen oder aufsuchenden Jugendarbeit. In der Jugendberatung können die jungen Menschen niederschwellig Antworten auf die Fragen finden, die sie betreffen. Hier arbeiten die Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter, die oftmals Ansprechpartner der Jugendlichen sind, als Schnittstelle zwischen den Heranwachsenden und Fachstellen. Bei der Projektarbeit stellen die Jugendlichen zusammen mit den Jugendarbeitern über einen beschränkten Zeitraum ein Projekt auf die Beine. Dies kann zum Beispiel die Organisation eines Events von und für Jugendliche sein. Der Jugendtreff ist ein Raum, der für alle Jugendlichen offen ist. Sie treffen sich dort zum Diskutieren, zum Spielen oder zum Herumhängen. Es habe Platz für Jugendliche mit unterschiedlichen Interessen, sagt Jugendarbeiter Samuel Roth. Er und sein Team – zu dritt teilen sie sich 130 Stellenprozente, dazu kommt jeweils eine Ausbildungsstelle in Form eines Praktikums zu 60 Stellenprozenten – verfolgen schliesslich auch die aufsuchende Jugendarbeit. Das heisst, sie suchen die jungen Menschen an ihren Treffpunkten im öffentlichen Raum auf, treten mit ihnen in Kontakt und machen sie auf ihre Angebote aufmerksam. «Das Wichtigste in unserem Alltag ist die Beziehungsarbeit mit Jugendlichen. Wenn diese gut aufgebaut ist, kann man viel bei den Jugendlichen erreichen», sagt Samuel Roth. Aus diesem Grund kommuniziert er auch über die sozialen Medien mit den Jugendlichen. Diese Niederschwelligkeit sei eine der Stärken der Jugendarbeit, wie sie in Wattwil gemacht wird, glaubt Ruedi Sterzing. Die meisten Aktivitäten für Jugendliche können zudem kostenlos durchgeführt werden.

Nach Bedürfnissen fragen

Der Erstkontakt von den Jugendarbeitern zu den Jugendlichen erfolgt in der Schule. «Nach den Sommerferien stellen wir uns und unser Angebot bei den neuen Oberstufenschülern vor. Dabei fragen wir sie auch jeweils nach ihren Bedürfnissen», sagt Samuel Roth. Für Ruedi Sterzing ist die Zielgruppe der Jugendarbeit, in Wattwil sind es die Oberstufenschüler, ideal. Er ist sich aber bewusst, dass die Konzepte der Jugendkommission für alle unter 18-Jährigen gelten sollten. Jugendarbeit wirke besser, wenn sie früh beginne, ist er überzeugt. «Dies ist mit ein Grund, warum wir seit vier Jahren das Projekt Kinderbaustelle erfolgreich durchführen.»

Samuel Roth Leiter Offene Jugendarbeit der Gemeinde Wattwil (Bild: Timon Kobelt)

Samuel Roth Leiter Offene Jugendarbeit der Gemeinde Wattwil (Bild: Timon Kobelt)