Ökologie
Bio-Blumenkohl aus der Nähe: Teufen erhält eigene Gemüseproduktion

In Niederteufen ist ein Projekt der solidarischen Landwirtschaft entstanden. Auf dem neu gegründeten Battenhof können Konsumenten selber miterleben, wie ihr umweltfreundlich produziertes Gemüse wächst.

Karin Erni
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Anne Rosochatius und Thomas Roth mit den ersten Kulturen.

Anne Rosochatius und Thomas Roth mit den ersten Kulturen.

Bild: Karin Erni

Aufmerksamen Autofahrern dürften die Gemüsefelder nahe der Umfahrungsstrasse von Teufen aufgefallen sein, die in den letzten Tagen und Wochen entstanden sind. Unter Vlies oder im unbeheizten Folientunnel wachsen hier die ersten jungen Fenchel, Kohlräbli oder Broccoli der wärmenden Frühlingssonne entgegen. Die Beete gehören zum Battenhof. Der neu gegründete Betrieb will die Bevölkerung der näheren Umgebung mit biologisch produzierten Produkten versorgen. Nach dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft beteiligen sich Konsumentinnen und Konsumenten dabei an den Betriebskosten, indem sie Gemüseabonnements lösen.

Seltene Schafrasse als Fleischlieferanten

Der in Schwellbrunn aufgewachsene Thomas Roth konnte Haus und Eigenland aus dem Besitz der Familie übernehmen sowie weitere Landflächen in Niederteufen pachten. Der gelernte Landwirt hat seine Meisterprüfung mit Modulen zu Spezialkulturen wie Gemüse und Beeren ergänzt. Zudem hat er Ausbildungen im sozialen Bereich und im Management absolviert. Geschäftspartnerin Anne Rosochatius stammt ursprünglich aus Berlin. Sie hat ihre Lehre zur Landwirtin im Kanton Graubünden absolviert und im Anschluss daran Agronomie studiert. Durch die Arbeit auf Bergbauernhöfen ist sie auf Tierhaltung spezialisiert.

Die beiden haben sich in der gemeinnützigen Stiftung zur Palme in Pfäffikon kennen gelernt und für den Betrieb des Battenhofs eine Gesellschaft gegründet. Als Erstes musste der alte Stall zu einem modernen Offenstall für die Schafhaltung erweitert werden. Auf dem Hof leben heute rund 160 Mutterschafe der Schweizer Pro-Specie-Rara-Rasse Spiegelschaf. Bereits wurden die ersten Lämmer geboren. Die Schafhaltung sei bewusst gewählt, erklärt Anne Rosochatius. «Die Tiere sind bodenschonender als Kühe und leben den grössten Teil des Jahres im Freien. Sie werden ausschliesslich mit betriebseigenem Futter ernährt. Es handelt sich also um eine sehr umweltbewusste Art der Fleischproduktion.»

Bereicherung des Landschaftsbildes

Auf dem Battenhof werden die Prinzipien der Permakultur gelebt, die eine nachhaltige Bodenfruchtbarkeit zum Ziel hat. So werden die Beete so weit wie möglich zwischen die frisch gepflanzten oder bestehenden Hochstammobstbäume gelegt. «Dies entspricht dem Prinzip des Agroforsts», erklärt Thomas Roth.

«Im Gegensatz zu einem flachen Acker handelt es sich um ein dreidimensionales System, in welchem auf verschiedenen Ebenen Lebensmittel produziert werden.»

Diese Produktionsform wirkt bodenschonend und werde zum Biotop für verschiedene Lebensformen, erklärt Anne Rosochatius. «Zudem gestaltet der Hof damit ein reiches Landschaftsbild.» Vögel sollen sich in dieser Landschaft genauso wohlfühlen wie ihr Futter, die Insekten.

Ab Mai gibt's Gemüse vom Battenhof

An sogenannten Aktionstagen sind die Kundinnen und Kunden eingeladen, den Betrieb zu besichtigen, ihre Wünsche einzubringen oder sich auch mal praktisch zu betätigen. Dies sei aber freiwillig, betont Thomas Roth.

«Wir möchten den Leuten an den Anlässen vor allem Gelegenheit bieten, zu erleben, wie ihre Nahrungsmittel produziert werden.»

Dass Laien regelmässig in der Landwirtschaft mithelfen, sei zwar möglich, gestalte sich aber erfahrungsgemäss in der Praxis eher schwierig, so Roth. «Es geht bei der Beteiligung eher darum, den Konsumenten bewusst zu machen, was es heisst, saisonal zu produzieren.» Er hievt eine Kiste mit Erdbeersetzlingen hoch. «Während in den Läden schon die ersten Beeren aus Spanien stehen, beginnen wir hier erst mit deren Pflanzung.»

Thomas Roth rechnet damit, dass ab Anfang Mai das erste Battenhof-Gemüse erntereif sein wird. Lammfleisch-Mischpakete sind ab Herbst erhältlich. 20 Abos wurden bis jetzt abgeschlossen, das Ziel der Jungunternehmer sind im ersten Jahr 50 Abos. Die Gemüsebox, die es in zwei Grössen gibt, kann jeweils donnerstags ab 10.30 Uhr beim Battenhof abgeholt werden. Mit der Post existiert ein Abkommen, dank welchem das Gemüse zum Preis von fünf Franken pro Box, vorerst im Appenzeller Hinterland und Mittelland, gleichentags nach Hause geliefert wird.

Mehr Infos unter www.battenhof.ch