Startschuss zur Initiative

Bewohner von Wald beschliessen, sofort die Initiative «…spar mit Zukunft» zu lancieren. Sie soll den Gemeinderat zwingen, für das Dorfzentrum nicht nur das teure Neubau-, sondern auch ein Sanierungsprojekt zu unterbreiten.

Monika Egli
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Mit dabei an der Versammlung: Kantonsratspräsidentin Edith Beeler, während einer Pause im Gespräch mit alt Gemeinderat Remo Eugster. (Bild: eg)

Mit dabei an der Versammlung: Kantonsratspräsidentin Edith Beeler, während einer Pause im Gespräch mit alt Gemeinderat Remo Eugster. (Bild: eg)

WALD. Es geht um viel Geld für eine Gemeinde, die mit gut 600 Stimmberechtigten (Einwohner rund 850) eine kritische Grösse aufweist: Der Gemeinderat forciert einen Neubau für mehr als sechs Millionen Franken, der das neue Dorfzentrum bilden soll. Dort fänden das Lebensmittelgeschäft Spar, vier Wohnungen, die Räume der Gemeindekanzlei und eine Tiefgarage Platz. Die Hälfte der Bevölkerung steht diesem Projekt vor allem aus finanziellen Erwägungen ablehnend gegenüber (s. Kasten und Bericht vom 8. März). Gut 40 von ihnen haben sich am Mittwoch versammelt, um über kostengünstigere Varianten zu diskutieren und zu beschliessen, welche von ihnen als Initiative lanciert werden soll. Der Entscheid war eindeutig: Der Gemeinderat soll seiner Bevölkerung auch eine Variante «Sanierung» zur Abstimmung unterbreiten. In Kürze heisst das: Das Gebäude Gemeindekanzlei soll verkauft und das Gebäude Spar saniert sowie mit einem Lift ausgestattet werden, die Büros der Gemeindekanzlei fänden alsdann im Gebäude Spar Platz.

Vier Varianten zum Neubau

An der Versammlung nicht anwesend war eine Vertretung aus dem Gemeinderat. «Leider» und «unverständlich», wie Teilnehmende am Rande der Versammlung sagten. Wer sein Interesse hingegen durch Anwesenheit bekundete, war die Wäldlerin und Kantonsratspräsidentin Edith Beeler. Die Versammlung wurde von Beat Bouquet geleitet. Er hatte vier Varianten berechnet (Sanierung Spar mit Gemeindekanzlei oder mit Mietwohnung in Kombination mit Kauf «Alte Post», Miete «Alte Post» sowie Miete «Hecht») und stellte diese dem Neubau gegenüber.

1,4 gegen 4,9 Millionen Franken

Die favorisierte Variante, «Sanierung Spar inklusive Gemeindekanzlei», sieht Investitionen von gut 1,5 Millionen Franken vor. Darin eingerechnet sind der Einbau eines Lifts, die Umzugskosten der Gemeindebüros, eine Reserve in der Höhe von 85 000 Franken sowie der Erlös aus dem Verkauf des Hauses «Gemeindekanzlei» in der geschätzten Höhe von 270 000 Franken. Zusammen mit dem Mietertrag des Spar, der nur unwesentlich höher berechnet wurde als heute, und unter Berücksichtigung einer Amortisationszeit von 35 Jahren samt Kapitalzinsen ergibt sich ein effektiver Geldabfluss von 1,4 Millionen Franken. Zum Vergleich: Die Variante Neubau, wie sie der Gemeinderat kommuniziert hat, würde zu einem Geldabfluss von gut 4,9 Millionen Franken führen. Rechne man hingegen – was der Gemeinderat laut Beat Bouquet unterliess – die Projektierungskosten und Abschreibung des Spar hinein, erhöhe sich der Geldabfluss auf 5,4 Millionen Franken.

«Rollender» Umbau

Es fand eine engagierte Diskussion statt. Auffallend war, dass die verschiedenen Varianten mehr als einmal auch im Hinblick auf mögliche Gemeindefusionen beleuchtet wurden. Es wurde zudem gefragt, ob der Spar während des Umbaus in ein Provisorium umziehen müsste. Nein, hiess es, der Umbau erfolgte «rollend», ohne Betriebsunterbruch, lediglich mit Einschränkungen. Ob wohl jemand das Gebäude «Kanzlei» kaufe? Davon wird ausgegangen, denn es sei ein attraktives Gebäude, da es auch Umschwung aufweise. Sollte die Stimmrechtsbeschwerde in Bälde abgewiesen werden, sei der Gemeinderat frei, über das bewilligte Geld zu verfügen und mit den hohen Ausgaben vollendete Tatsachen zu schaffen, gab jemand zu bedenken. Man war sich einig, dass es sich der Gemeinderat nicht leisten könne, auf diese Art gegen die Hälfte seiner Bevölkerung zu agieren.

Text, Vorprüfung, Sammlung

Als Nächstes wird nun sofort die Formulierung des Initiativtextes an die Hand genommen und dann dem Kanton zur Vorprüfung vorgelegt. Für das Zustandekommen der Initiative sind 30 Unterschriften nötig.