SRF-Serie «Hin und weg»
Mathias Manser aus Gais lebt in China: Das Schweizer Brot backt er in seiner Garage

Der Gaiser Mathias Manser ist der Liebe wegen nach China ausgewandert. Das Schweizer Fernsehen hat das Paar in seiner Heimat besucht. Zu sehen ist die Geschichte der Auswanderer fortan freitags um 21 Uhr.

Astrid Zysset
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Mathias Manser und Sharon sind seit 2018 verheiratet, vor 1,5 Jahren kam ihr gemeinsamer Sohn Jonathan auf die Welt.

Mathias Manser und Sharon sind seit 2018 verheiratet, vor 1,5 Jahren kam ihr gemeinsamer Sohn Jonathan auf die Welt.

Bild: SRF

Es ist eine Liebesgeschichte, die in der Ferne begann: Vor acht Jahren reiste der Gaiser Mathias Manser in die chinesische Millionen-Metropole Wuxi in der Nähe von Schanghai. Aus beruflichen Gründen – in einer Coachingfunktion arbeitete er damals für den Uzwiler Technologiekonzern Bühler, besuchte in dieser Funktion die Niederlassung in China. Während der kommenden Jahre war Manser stets acht Monate in der Schweiz, vier Monate in Wuxi. «Ich hatte anfangs nie den Plan, vollumfänglich auszuwandern. Aber ich war offen für neue Kulturen und Herausforderungen.» 2016 lernte er dann Sharon kennen, und alles änderte sich. 2018 heirateten die beiden, vor 1,5 Jahren kam der gemeinsame Sohn Jonathan auf die Welt.

Die Romanze begann mit einem Vertipper: Sharon stammte aus dem Norden Chinas, dort wo die grossen deutschen Autokonzerne angesiedelt sind und viele Deutsche leben. Eine neue Bekanntschaft namens Matthias wollte sie auf Facebook zum Kollegenkreis hinzufügen, tippte aus Versehen jedoch Mathias mit einem T ein. Dessen Profilbild gefiel ihr. Spontan schrieb sie ihn an. Bald darauf folgte das erste Treffen und ein halbes Jahr später zogen die beiden zusammen. Wie hat denn ihre Familie auf den Gaiser reagiert? «Sehr positiv», so Mathias Manser. Ihre Verwandtschaft habe sich sehr weltoffen gezeigt. Und Manser bemüht sich stets, die chinesische Kultur zu verstehen und zu akzeptieren. Das wird goutiert. Anfangs war es für den Schweizer jedoch nicht leicht. Viele der 1,4 Milliarden Chinesen haben ihr Land nie verlassen und, besonders in den ländlichen Gegenden, niemals einen Ausländer gesehen.

«Wenn die Kinder mit dem Finger auf einen zeigen, ist das irritierend. Aber mittlerweile nehme ich das nicht mehr persönlich.»
Heute lebt die kleine Familie am Stadtrand von Wuxi an einem See.

Heute lebt die kleine Familie am Stadtrand von Wuxi an einem See.

Bild: SRF

Mit der Schwiegermutter unter einem Dach

Heute lebt die kleine Familie am Stadtrand von Wuxi an einem See. In China ist vieles anders als in seiner alten Heimat. «Alleine an die Menschenmassen musste ich mich gewöhnen», so Manser. Alles war laut, unbekannt, anderen Sitten unterworfen und in Chinesisch angeschrieben. Mittlerweile klappt es mit der Landessprache aber ganz gut für den 36-Jährigen. «Ich schlage mich durch. In alltäglichen Situationen kann ich mich verständigen. Notfalls hilft Sharon beim Übersetzen.» Oder die Schwiegermutter. Jene wohnt mit der Familie unter einem Dach. In China nicht ungewöhnlich. Vielmehr bestehe gar eine Pflicht der Grosseltern, sich um ihre Enkel zu kümmern. Im Gegenzug obliegt es Sharon, einmal für ihre Mutter zu sorgen; das Konzept von Pflegeheimen ist kaum bekannt. Anfangs sei das Zusammenleben mit der Schwiegermutter eine Umstellung gewesen, gibt der Gaiser zu. Doch sie habe sich als tolerant und offen seiner Kultur gegenüber gezeigt. Das habe vieles erleichtert.

Bäckerei in der Garage

Mathias Manser arbeitet heute in der Qualitätssicherung bei der Bühler Group. Seine Frau Sharon ist im Management einer Gesundheitsberatungsfirma tätig. Damit nicht genug: Beide haben eine kleine Bäckerei eröffnet, welche sie samstags betreiben. Vor 2,5 Jahren fing alles an. Für einen Fondue-Plausch mit Kollegen hatte das Paar Schweizer Brot gebacken. Für Manser ein vertrautes Handwerk, hatte doch sein Onkel lange eine Bäckerei in Teufen betrieben. Das Schweizer Brot stiess in Wuxi auf Anklang, und bald kamen die ersten Anfragen rein. Mathias Manser und seine Frau besorgten sich professionelles Equipment und bauten die Garage kurzerhand zu einer Bäckerei um. Jeden Samstag backt hier Mathias Manser Brote auf Vorbestellung, Sharon kümmert sich um die Entgegennahme der Bestellungen und die Auslieferung. «Es läuft gut», sagt Manser zufrieden. Es sei zwar anstrengend, doch finanziell gebe es einen kleinen Zustupf für die Familie. Vor allem aber erfreut sich der 36-Jährige am Brot. Dieses habe er nämlich vermisst.

«Hier in China haben sie oftmals nur Baguettes, Toastbrot oder süssliches Brot. Kein Vergleich zu unserem Schweizer Brot.»

Sehnsucht nach der Schweizer Heimat

Was vermisst er denn sonst noch in seiner neuen Heimat? Mathias Manser hat die ersten 15 Jahre seines Lebens in Gais verbracht, zog später nach St.Gallen. Sein grösstes Hobby war Alpinwandern im Alpstein. In Wuxi und Umgebung ist das nicht möglich. «Es hat Hügel hier, keine Berge.» Auch seine Schweizer Freunde oder die Familie spontan zu treffen, ist nicht möglich. Ein Besuch in der Schweiz liegt – wegen Corona – mittlerweile drei Jahre zurück. Seine Schweizer Familie hat Jonathan noch nie gesehen. «Ein Besuch in der Schweiz ist zwar möglich, doch müssten wir bei der Rückkehr nach China vier Wochen in einem Hotel in Quarantäne. Und das lässt sich nicht so einfach bewerkstelligen.» Aber das Heimweh nach der Schweiz wird immer grösser. Ein Besuch ist eingeplant, sobald es die chinesischen Schutzmassnahmen zulassen, so Manser weiter. Und wie sieht es mit einer definitiven Rückkehr aus? «Wir werden die nächsten zwei, drei Jahre sicher noch in China bleiben. Danach geht Jonathan in den Kindergarten. Und wo er diesen besuchen wird, ist aktuell noch offen.»

SRF-Serie

Eine verfilmte Liebesgeschichte

Die fünfte Staffel von «Hin und weg» läuft immer freitags um 21 Uhr, auf SRF 1. Mathias Manser und seine Frau Sharon sind in allen Folgen zu sehen. (pd)