Sexual- dimorphismus im Alltag

In einem Buch über die Geschichte der Kartographie lese ich, dass Geographie die vom Sexualdimorphismus kognitiver Fähigkeiten am meisten betroffene Wissenschaft sei. Einfacher gesagt: «Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht Karten lesen können.

Peter Abegglen
Drucken
Bild: Peter Abegglen

Bild: Peter Abegglen

In einem Buch über die Geschichte der Kartographie lese ich, dass Geographie die vom Sexualdimorphismus kognitiver Fähigkeiten am meisten betroffene Wissenschaft sei. Einfacher gesagt: «Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht Karten lesen können.» Das interessiert mich natürlich, war doch Geographie ein Fach, das ich gerne unterrichtete, wobei mir, ehrlich gesagt, diesbezüglich nie ein Unterschied zwischen Schülerinnen und Schülern aufgefallen wäre. Gemäss dem Buch schienen Studien zu bestätigen, dass Männer den Frauen in Bereichen wie räumliches Vorstellungsvermögen, Navigation und eben Kartenlesen überlegen wären. Allerdings gab es auch die Vermutung, dass Männer nur deshalb besser Karten lesen können, weil Karten von Männern für Männer gemacht werden. Das würde aber heissen, dass Frauen wohl ebenso gut Karten lesen könnten, wenn denn die Karten ihre Fähigkeiten ansprechen würden. Auch das wurde untersucht und siehe da: Männer orientieren sich eher an weitläufigen Anhaltspunkten wie grossen Flächen oder Linien, während sich Frauen mehr auf Orientierungspunkte wie auffällige Gebäude, Landschaftsformen oder markante Details konzentrieren. Dies erklärt auf einfache Weise das Phänomen, dass bei Paaren, die zum Einkaufen fahren, der Mann zielsicher den Supermarkt ansteuert, wenn er aber losgeschickt wird, Zopfmehl vom Gestell zu holen, hilflos zwischen den Regalen steht.

Bezogen auf das eingangs erwähnte Zitat ist mir jetzt auch klar, warum ein Navigationsgerät neben der Kartendarstellung – Frauen können nicht Karten lesen, Männer schon – auch noch die Stimme von Yannick respektive Susi hat, die fortlaufend den Weg erklärt: Männer können nicht zuhören, Frauen schon. Beim Ausfall des Navis tritt also das absolute Worst-Case-Szenario dann ein, wenn die Liebste mit der Karte auf dem Schoss ihrem Liebsten erklärt, wo's langgeht. Ein Wunder, dass wir nicht immer noch auf der Hochzeitsreise sind!

Bild: Peter Abegglen

Bild: Peter Abegglen