Seitenblick zum Güterbahnhof

Mit einem Tunnel könnte das Appenzeller Mittelland besser an die Autobahn in St. Gallen angeschlossen werden. Die Güterbahnhof-Initiative will diese Lösung verhindern. Am 28. Februar wird in der Stadt abgestimmt.

Patrik Kobler
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Unter dem alten Güterbahnhofareal in St. Gallen ist ein doppelstöckiger Kreisel mit Ein- und Ausfahrten geplant. (Bild: Ralph Ribi)

Unter dem alten Güterbahnhofareal in St. Gallen ist ein doppelstöckiger Kreisel mit Ein- und Ausfahrten geplant. (Bild: Ralph Ribi)

Wenn am Sonntag in einer Woche in der Stadt St. Gallen über die Güterbahnhof-Initiative abgestimmt wird, dürfte das Ergebnis auch im Appenzellerland mit Interesse verfolgt werden. Denn die Befürworter der Initiative wollen dem Stadtrat mit einem Ja zum Volksbegehren den Auftrag geben, sich gegen die sogenannte Teilspange von der Autobahn in die Liebegg zu wehren. Bund, Kanton und Stadt wollen mit einem Tunnel den Autobahnanschluss mit der Umfahrungsstrasse Teufen verbinden. Beim alten Güterbahnhof ist ein zweistöckiger unterirdischer Kreisel mit Ein- und Ausfahrten vorgesehen. Das Vorhaben polarisiert. «Die Fronten bei der Güterbahnhof-Initiative verlaufen stark im Links-Rechts-Schema», schreiben die Kollegen von der Stadtausgabe des Tagblatts.

Ressentiments

Die Befürworter warnen vor einer «falschen stadtplanerischen Massnahme». Das Güterbahnhofareal sei eines der letzten Entwicklungsgebiete in der Stadt St. Gallen. Niemand wolle neben einer Ein- und Ausfahrtsrampe wohnen. Als Argument wird unter anderen auch die Förderung des privaten Verkehrs aus dem Appenzellerland ins Feld geführt, der zu einem Kollaps in der Stadt führe. «Ressentiments gegen Ausserrhoder wären eine verlockende Strategie, um die Abstimmung zu gewinnen», schreibt die «Wochenzeitung» in ihrer aktuellen Ausgabe. Schliesslich seien viele in der Stadt nicht gut auf die Steuerflüchtlinge in Teufen und Umgebung zu sprechen – darunter die Ex-Banker Konrad Hummler und Pierin Vinzenz – «die dort oben sonnig wohnen und doch wie Stadtbewohner von St. Gallens Angebot profitieren», so die WoZ.

Quartier entlasten

Auf die Aussagen in der WoZ angesprochen, sagt der Teufner Gemeinderat Markus Bänziger: «Es geht um ein Miteinander und nicht um ein Gegeneinander.» Als Bürgerlicher und Vorstandsmitglied der IG Engpassbeseitigung streicht er die Vorteile der Teilspange hervor, die seiner Ansicht nach eine massive Verbesserung in den Quartieren Riethüsli, Oberstrasse und Leonhardbrücke bringt. Bereits vor sechs Jahren hat der Quartierverein Riethüsli eine Petition lanciert und sich für den Tunnel eingesetzt. Heute sei die Verkehrssituation noch prekärer, sagt Bänziger. «Auf der Teufner Strasse gehört der Stau im Morgenverkehr mittlerweile zur Tagesordnung.» Deshalb hält er den Tunnel für eine «exzellente Lösung». Die Teufner Strasse würde vom Verkehr entlastet. Stadträtin Patrizia Adam geht von einer Reduktion um rund die Hälfte aus. «Dadurch wäre es auch wieder attraktiver, die Teufner Strasse mit dem Velo zu befahren», so Markus Bänziger, der glaubt, dass der Individualverkehr seine hohe Bedeutung behalten wird. Offen ist, ob sich Ausserrhoden an den Kosten für den Tunnel beteiligt. Alt Baudirektor Jakob Brunnschweiler schätzte die Kosten an einer Veranstaltung im vergangenen Sommer auf 300 Millionen Franken. Für Markus Bänziger, Präsident der Teufner Finanzkommission, steht ausser Frage, dass Ausserrhoden einen Beitrag leisten müsste. Inwieweit der Kanton die Gemeinden beteilige, sei im politischen Prozess zu klären. «Was nützt es, wenn unsere Strassen alle top sind, wir aber nicht mehr aus dem Kanton rauskommen?» Aufgrund der topographischen Lage des Appenzellerlandes sei es schwierig, einen Zubringer zu realisieren. Es gehe nur mit einem guten Nachbarschaftsverhältnis, sagt Bänziger. «So wie die St. Galler die Appenzeller Bahnen unterstützen, müssen wir Appenzeller einen Beitrag an die Verkehrsinfrastruktur zwischen St. Gallen und Ausserrhoden leisten.»