SCHWINGSPORT: «Das Kampfrichten ist ein Ehrendienst»

Der 37jährige Bau- und Projektleiter Hansruedi Näf ist in seiner Freizeit als Kampfrichter beim Schwingclub Wattwil tätig, ein ehrenamtliches Hobby, das er bereits seit 15 Jahren ausübt.

Miranda Diggelmann
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Hansruedi Näf Bauleiter und Projektleiter Oberhelfenschwil Bild: Miranda Diggelmann

Hansruedi Näf Bauleiter und Projektleiter Oberhelfenschwil Bild: Miranda Diggelmann

Kampfrichter Hansruedi Näf aus Oberhelfenschwil erzählt im Interview von seiner langjährigen Tätigkeit, wie er zu diesem Amt kam und auf was man bei dieser Arbeit in der Schwingerszene besonders achten sollte.

Herr Näf, wie kamen Sie zur Funktion als Kampfrichter?

Ich habe selbst schon als kleiner Junge geschwungen. Das machte ich, bis ich 19 Jahre alt war. So wurde ich vom Schwingclub Wattwil angefragt, als Kampfrichter weiter tätig zu sein. Angefangen habe ich 2001.

Was braucht es denn für eine Ausbildung, um Kampfrichter werden zu können?

Wichtig finde ich, dass man selbst schon einmal geschwungen hat, damit man alle Techniken und die Schwünge bereits kennt. Auf kantonaler und Teilverbands-Ebene gibt es jedoch alljährlich Kurse für Kampfrichter, die jeweils an einem Abend stattfinden.

Hansruedi Näf Bauleiter und Projektleiter Oberhelfenschwil Bild: Miranda Diggelmann

Hansruedi Näf Bauleiter und Projektleiter Oberhelfenschwil Bild: Miranda Diggelmann

Und wie lernt man, so genau hinzusehen und zu bewerten?

Ein Kampfrichter muss immerzu wachsam sein, weil die Situation sich jederzeit ändern kann. Auf einmal steht der Verlierende auf der Gewinnerseite, das kann innert Sekunden ändern. Mit viel Konzentration und Aufmerksamkeit lernt man aber schnell, eine solche Situation zu bewerten. Es ist auch eine Frage der Routine.

Hilft Ihnen jemand bei der Bewertung oder macht das der Kampfrichter alleine?

Das Platzkampfgericht besteht jeweils aus drei Männern. Zwei Kampfrichter sitzen am Tisch und der Dritte steht gegenüber davon auf dem Sägemehlplatz. Vor Beginn jedes Festes wird festgelegt, wer bei welchem Gang auf dem Platz und wer am Tisch sein wird. Der Platzkampfrichter ist also nicht ganz alleine, was das Bewerten anbelangt, aber er ist derjenige, der nach jedem Kampfende die Note bekanntgibt.

Sie werden an diversen Schwingfesten wie beispielsweise dem Eidgenössischen als Kampfrichter aufgeboten. Kommen Sie da auch zum Einsatz, wenn ein Ostschweizer Schwinger im Kampf steht?

Ja, eigentlich komme ich sogar an Schwingfesten wie dem Eidgenössischen zum Einsatz bei Ostschweizer Schwingern. Da die Neutralität aber im Vordergrund steht, wird schon darauf geachtet, dass ich nicht immer bei Ostschweizer Schwingern zum Einsatz komme. Es wird also immer schön abgewechselt. Ansonsten gibt es da keine Probleme.

Hat schon einmal ein Schwinger nach einem Entscheid von Ihnen reklamiert?

Es kommt tatsächlich nur sehr selten vor, dass es Meinungsverschiedenheiten gibt. Die Reklamationen an Kampfrichter halten sich beim Schwingsport generell im kleinen Rahmen.

Haben Sie sich als Kampfrichter schon einmal verletzt?

Nein, das habe ich noch nie. Ich denke, dass dies eigentlich fast unmöglich ist. Kampfrichter und Schwinger kommen sich grundsätzlich nie in die Quere, da sich der Kampfrichter bei Beginn des Kampfes ausserhalb des Sägemehlplatzes aufhält.

Bekommen Sie für Ihre Funktion als Kampfrichter ein Entgelt oder läuft das Ganze auf einer freiwilligen Basis ab?

Meine Tätigkeit als Kampfrichter ist für mich ein Hobby und ich führe es mit Freude aus. Der Spass an der Arbeit ist für mich Lohn genug. Die Reisespesen inklusive Verpflegung werden vom Organisator übernommen. Kampfrichter zu sein ist jedoch ein Ehrendienst.

Wie sehen Sie zukünftig die Chancen für die Toggenburger Schwinger?

Natürlich ist dies ein ständiges Auf und Ab. Trotzdem wird der Toggenburger Schwingverband alles daran setzen, stets an der Spitze mitzuschwingen. Es gibt einige Knaben und Jungschwinger im Toggenburg, von denen ich denke, dass sie das Potenzial besitzen, einmal ganz vorne dabei zu sein. Was die Zukunft der Toggenburger Schwinger anbelangt, bin ich also zuversichtlich.

Und wer war am diesjährigen eidgenössischen Schwingfest ihr persönlicher Favorit?

Gute Chancen sah ich für die beiden Schwinger Matthias Sempach und Matthias Glarner. Mein persönlicher Favorit war aber Armon Orlik, der im Schlussgang gegen Matthias Glarner verlor.

Waren Sie auch schon bei einem Frauenschwingen Kampfrichter?

Nein, das war ich noch nie. Das muss für mich persönlich aber auch nicht unbedingt sein. Heutzutage ist man zwar offener, was das Frauenschwingen anbelangt. Trotzdem denke ich, dass das Schwingen traditionell ein Männersport ist, weshalb er bei Frauen wohl allgemein noch etwas weniger akzeptiert ist.

Matthias Glarner (links) und Armon Orlik im Schlussgang des diesjährigen Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests. Bild: Urs Flüeler/KEY (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))

Matthias Glarner (links) und Armon Orlik im Schlussgang des diesjährigen Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests. Bild: Urs Flüeler/KEY (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))