Schwingen
Bless und Roth sensationell in den Kränzen: Erfolg für Appenzeller Schwinger am Eidgenössischen

Joel Wicki krönt sich in Pratteln zum König. Die Appenzeller Delegation zielte am Grossanlass unterschiedliche Resultate.

Thomas Mock
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Michael Bless (stehend) bejubelt den vierten eidgenössischen Kranz und beendet eine eindrückliche Karriere.

Michael Bless (stehend) bejubelt den vierten eidgenössischen Kranz und beendet eine eindrückliche Karriere.

Bild: Lorenz Reifler

Mit dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) ging in Pratteln ein denkwürdiges Fest am vergangenen Wochenende zu Ende. Ein würdiger neuer König wurde dem Schwingervolk nach intensiv geführtem Schlussgang beschert. Doch auch leidtragende Figuren konnten an diesem Fest beobachtet werden. Der Thurgauer Topfavorit Samuel Giger verpasste das angestrebte Ziel und auch die Appenzeller Delegation wird wohl mit gemischten Gefühlen nach Hause fahren.

Die Appenzeller hatten mit Michael Bless und Martin Roth gleich zweimal Grund zu jubeln. Der Gaiser Eidgenosse Bless startete mit einem Gestellten gegen den Schwyzer Eidgenossen Mike Müllestein, ehe er im vierten Gang gegen den Zuger Marcel Bieri das Nachsehen hatte. Am Sonntag gelang es ihm dann aber, noch einen Gang höher zu schalten.

Mit drei Siegen und einem gestellten Gang gegen den zähen Aargauer Eidgenossen David Schmid erkämpfte er sich souverän seinen vierten eidgenössischen Kranz. Mit dem Ende seines letzten und siegreichen Ganges gegen Sven Lang wurde der Gaiser vom Speaker und der gesamten Arena unter riesigem Applaus verabschiedet und für seine Karriere gewürdigt. Bless beendet seine eindrückliche Karriere am ESAF mit seinen nunmehr insgesamt
96. Kranz.

Roth nach durchzogener Saison mit Exploit

Dass der Herisauer Martin Roth vor drei Jahren zum Eidgenossen emporstieg, glich doch einer kleiner, wenngleich freudiger Überraschung. Nach mehreren Verletzungen im vergangenen und auch diesem Jahr, war eine Bestätigung des eidgenössischen Kranzes zwar zu hoffen, aber nicht unbedingt zu erwarten. Mit zwei Siegen und zwei Niederlagen war Roth bereits nach der ersten Wettkampfhälfte unter Druck.

Es kam am Sonntagmorgen noch ungünstiger, musste er sich doch gleich zu Beginn gegen den Berner Oberländer Wittwer Jan erneut geschlagen geben. Im Anschluss drehte der Herisauer dann aber gleich mehrere Gänge höher. Der Reihe nach bezwang er Stöckli Damian, Berger Lorenz und zum Abschluss den Berner Eidgenossen Simon Anderegg. Sein Kämpferherz wurde entsprechend mit dem zweiten eidgenössischen Kranz belohnt und die eher durchzogene Saison dürfte für ihn nach diesem Wochenende wohl kaum noch der Rede wert sein.

Einen ebenfalls gelungenen Auftritt zeigte der Schwellbrunner Roman Wittenwiler. Im Schatten der grossen Spitzenschwinger kämpfte sich der Sennenschwinger nach und nach in die Gruppe der möglichen Kranzanwärter. Mit einer abschliessenden Maximalnote wäre dieses Husarenstück gar gelungen, mit dem Berner Mittelländer Michael Ledermann die Aufgabe aber äusserst schwierig.

Dennoch zeigte Wittenwiler einen beherzten Gang und brachte den Gegner immer mehr zur Verzweiflung. Nach einer für ihn eher unglücklichen Situation war es am Ende zwar Ledermann, welcher den Gang zu seinen Gunsten entscheiden konnte, Wittenwiler dürfte aber seiner gezeigten Leistung dennoch einige positive Dinge abgewinnen können.

Auch der Hundwiler Dominik Schmid kämpfte sich durch alle acht Gänge, wenngleich für ihn der Kranz nach sieben Gängen nicht mehr zu realisieren war. Im Endeffekt dürfte er bei seiner Premiere aber dennoch zufrieden sein und die entsprechenden Erfahrungen für die nächsten drei Jahre mitnehmen.

Schmid und Kuster mit überraschender Leistung

Der Innerrhoder Patrick Schmid wie auch der Gaiser Thomas Kuster wussten insbesondere am Samstag zu überraschen. Mit je zwei Siegen qualifizierten sie sich souverän für den zweiten Wettkampftag. Allerdings konnten sie in der zweiten Wettkampfhälfte nicht an ihre Leistungen vom Vortag anknüpfen und verpassten im Endeffekt den zweiten Ausstich.

Weit weniger erfreulich erging es dem Innerrhoder Martin Hersche wie auch den weiteren Appenzeller um Andrin Poltera, Sepp Fuster und Naim Fejzaj, welche allesamt den ersten Ausstich nicht erreichten und der Wettkampf bereits nach vier Gängen vorüber war. Insbesondere für Hersche dürfte sein Auftritt enttäuschend gewesen sein, trat er doch trotz zahlreicher, in der laufenden Saison zugezogener Verletzungen zur Mission «3. Eidgenössischer Kranz» an.

Zudem hatten die Appenzeller mit Raphael Zwyssig, Reto Koch und Markus Schläpfer auch Verletzungspech zu beklagen. Koch, welcher erfolgreich in den Wettkampf starten konnte, verletzte sich im dritten Gang im Rippenbereich und musste den Wettkampf vorzeitig abbrechen. Ein praktisch identisches Leid hatte Markus Schläpfer zu beklagen und der Gaiser Eidgenosse Raphael Zwyssig musste trotz erfolgreicher Qualifikation für den ersten Ausstich ebenfalls verletzungsbedingt abbrechen.

Wicki im zweiten Anlauf zum König

Im Schlussgang duellierten sich der Innerschweizer Joel Wicki und der Berner Matthias Aeschbacher, nachdem es diese Paarung bereits im sechsten Gang gegeben hat. In der damaligen Begegnung war der Sieger mit Joel Wicki schnell gefunden. Aeschbacher wusste sich seinerseits aber bestens auf den Schlussgang einzustellen und diktierte das Geschehen über weite Strecken.

Im auf 16 Minuten angesetzten war es dann aber nach knapp 13 Minuten trotzdem wieder Wicki, welcher mit einer Kurz-Lätz-Kombination zum gültigen Resultat kam. Wicki krönt sich nach dem Titel des Erstgekrönten aus dem Jahr 2019 nun zum rechtmässigen Schwingerkönig. Für die Innerschweizer hat das Streben nach einem zweiten Königstitel (Harry Knüsel, 1986, Sion) nun ein Ende.

Topfavorit Samuel Giger geriet bereits am Samstag arg ins Hintertreffen, wenngleich ihm am Ende nur ein Viertelpunkt für eine mögliche Schlussgangqualifikation fehlte. Am Ende klassierte sich der Thurgauer auf dem fünften Schlussrang. Die Kranzstatistik führten dennoch die Berner mit 17 Exemplaren klar an, gefolgt von den Nordostschweizern (10), den Innerschweizern und Nordwestschweizern (je 7) sowie den Südwestschweizern mit drei Exemplaren.

Ranglistenauszug:

1. Wicki Joel, Sörenberg

5b. Bless Michael, Gais

5d. Giger Samuel, Ottoberg

9f. Roth Martin, Waldstatt