Schritt in die Eigenständigkeit

Die 24jährige Suramira Vos aus Trogen schliesst demnächst ihr Masterstudium in Schauspiel und Theater an der Hochschule Bern ab. Als Abschlussarbeit hat sie ein Solostück erarbeitet und kommt damit auf Heimatbesuch.

Alessia Pagani
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Essen und die Gewohnheiten zu Tisch bieten für Suramira Vos dankbare Themen für ihr Solowerk. (Bild: pd)

Essen und die Gewohnheiten zu Tisch bieten für Suramira Vos dankbare Themen für ihr Solowerk. (Bild: pd)

TROGEN/BERN. Feinsinnig und ein wenig verrückt – diese zwei Charaktereigenschaften schreibt sich Suramira Vos selber zu. «Das hilft beim Theaterspielen. Freigeist braucht es», so die 24-Jährige. Ihre vergangenen Engagements geben ihrer Einschätzung recht: Vos hat schon in mehreren Inszenierungen mitgespielt, hat Stücke selbst erarbeitet und Stipendien und Preise gewonnen. Viele Bühnen der Schweiz hat sie schon bespielt, darunter solche in St. Gallen, Luzern, Basel und Zürich.

Geboren ist die aufstrebende Jung-Schauspielerin mit dem burschikosen Aussehen in Den Haag. Ihre Kindheit verbrachte sie in Trogen und lebt heute in Bern. Für ihr neuestes Solowerk «Ausbauchen» (siehe Zweittext) kommt Suramira Vos zurück in ihre Heimat. Das Stück ist ihre Abschlussarbeit an der Hochschule der Künste in Bern und ein erster Schritt in die Eigenständigkeit.

Am Anfang stand Kindertheater

Sprache, eine Eigenheit von Vos, ein Erkennungsmerkmal ihrer neuesten Arbeit. «Ich gehe sehr über die Sprache, will an den Worten knabbern, will die Sinnlichkeit der Sprache vermitteln.» Wenn Vos über ihre Arbeit spricht, spricht sie von kreativem Komponieren. Sie möchte in ihrem Stück alle Sinne ansprechen, sie bisweilen auch verrücken. Dies versucht sie mit einem feinen Blick für Details und einer starken Bildhaftigkeit zu erreichen, wie sie selbst beschreibt.

Mit dem Theatervirus infiziert hat sie sich bereits in frühen Jahren in der Kindertheatergruppe: «Ich, als böse Königin, durfte die Prinzessin mit Walnussöl übergiessen», erinnert sie sich. «Die Leidenschaft war endgültig geweckt.» Die Entscheidung, eines Tages nur noch auf das Theaterspielen zu setzen, kam in der Kantonsschule. 2010 schrieb und produzierte Vos im Alter von 18 Jahren selbständig ein Theaterstück – viel Arbeit für die Schülerin, aber eine, die Früchte getragen hat: «Danach wusste ich: Das ist, was ich machen möchte.»

Bern als Glücksgriff

Als riesiges Glück bezeichnet Suramira Vos, dass sie 2010 einen Studienplatz in Bern ergattern konnte: «Dort wird das klassische Handwerk vermittelt und zugleich die eigene Projektentwicklung gefördert.» Mittlerweile erarbeitet sie sich den Master und wird das Studium demnächst abschliessen. Für Vos bildet «Ausbauchen» gleichzeitig den Übergang in die freie Theaterszene. «Ich hoffe, ich kann sowohl eigene Projekte erarbeiten, wie auch in verschiedenen Kollaborationen mitwirken.»

Künstleragentur in Deutschland

Zuerst aber will das Theatertalent noch ein wenig reisen und ihren «Kopf durchlüften», wie sie selbst sagt. Wohin es sie verschlägt, weiss sie noch nicht. Aber zurückkommen will sie mit «frischem Pfupf». Und sich dann ins Haifischbecken der Theaterschaffenden begeben. Einem Sprung ins Ausland ist die 24-Jährige nicht abgeneigt, vielleicht spielt sie ja dereinst in Deutschland. In München ist sie bei einer Künstlervermittlung in die Kartei aufgenommen worden. Und dass sie 2013 in Pristina beim Skena-up-Festival bereits internationale Luft geschnuppert hat, wird ihr auf ihrem weiteren Weg nicht schaden – auch nicht, dass sie nebst Niederländisch und Deutsch auch Englisch, Französisch und Italienisch spricht.