Rückkehr auf den Berg

Im «Wienerberg» bei der Uni wirten seit Anfang Monat Andrea Schirmer und ihr Lebenspartner Rüdiger W. Claus. Für die Vollblutgastronomin gab es ein Wiedersehen mit früheren Stammgästen.

Beda Hanimann
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Stimmungsvolles Ambiente, engagierte Gastgeber: Andrea Schirmer und Rüdiger W. Claus im «Wienerberg». (Bild: Samuel Schalch)

Stimmungsvolles Ambiente, engagierte Gastgeber: Andrea Schirmer und Rüdiger W. Claus im «Wienerberg». (Bild: Samuel Schalch)

Andrea Schirmer und Rüdiger W. Claus brauchten keine Bedenkzeit. Im Februar hatte der «Wienerberg»-Besitzer Christoph Loosli sie gefragt, ob sie Interesse hätten, das Lokal zu übernehmen. «Da gab es nichts zu überlegen. Wir haben in der gleichen Sekunde Ja gesagt», blickt Andrea Schirmer zurück. Seit Anfang dieses Monats nun empfangen die beiden mit ihrem Team im stimmungsvollen Lokal die Gäste.

Für Andrea Schirmer war es eine Rückkehr. Als Geschäftsführerin der Peter-Schildknecht-Gastronomie (PSG) war sie bereits von 1998 bis 2003 Wirtin im «Wienerberg». Die Appenzellerin hat die Gastronomie im Blut. Die Tochter des legendären Trogner «Hirschen»-Wirts Emil Schirmer absolvierte eine Lehre im «Sternen» in Niederteufen und wurde nach Wanderjahren Chef de Service im «Walhalla». 2006 übernahm sie das «Bäumli» in der Schmiedgasse. Seit einigen Jahren betrieb sie parallel dazu mit ihrem Lebenspartner Rüdiger W. Claus die «Frohburg» in Heiden. Diesen Betrieb haben die beiden mit dem Einstieg im «Wienerberg» verkauft. «Drei Restaurants, die so viel persönlichen Einsatz verlangen, das wäre nebeneinander nicht machbar gewesen», sagt Claus.

Das Cachet des historischen Lokals bleibt erhalten

Das «Wienerberg» ist ein Lokal mit spürbarer Geschichte. In Patentbüchern ist es bereits 1909 als Wirtshaus dokumentiert. Einer der Wirte in der langen Geschichte war in den 80er-Jahren Charly Coray, der spätere Gründer der August-Bar. Er hatte das Lokal mit Jazzkonzerten belebt, auf ihn sollen die Wandmalereien mit Ostschweizer Dorf- und Stadtansichten zurückgehen, welche den Jugendstilcharme des Lokals ergänzen.

Das Cachet mit Spiegeln, Holzboden, grünem Täfer, Leuchtern und einer Fülle von Dekorationsgegenständen ist beim jüngsten Wechsel erhalten geblieben. «Warum sollten wir auch etwas ändern?», hatte Loosli schon im Juli gegenüber unserer Zeitung gesagt. Es gab daher lediglich eine sanfte Renovation, Schirmer und Claus stellten wieder Pflanzen auf und gestalteten die prächtige Gartenwirtschaft neu.

Die Küche führt weiter österreichisch angehauchte Speisen wie Wiener Schnitzel und Backhendlsalat. Dazu kommen neu leichtere, mediterrane Gerichte, etwa Tagliatelle mit Zucchetti und Eierschwämmen oder Fischgerichte. «Dafür haben wir mit Frank Mitzenheim und Alexander Tamas zwei ausgewiesene Profis in der Küche», sagt Andrea Schirmer.

Die Preise haben Schirmer und Claus nach unten angepasst. Ausserdem ist das Lokal neu auch am Samstagabend geöffnet, der Sonntag bleibt weiterhin Ruhetag. «Mittags haben wir vor allem Businessgäste von der Uni oder der Helvetia, am Abend ist das Publikum sehr durchmischt», sagt Andrea Schirmer. Dem neuen Wirtepaar ist es ein Anliegen, auch ein Restaurant für das Quartier zu sein. «Es ist dieser Mix aus Businessleuten, Vereinen und Stammtischen, welche das Lokal erst zu einer richtigen Beiz machen», sagt Claus. «Viele Stammgäste kenne ich von früher – wir sind einfach alle 13 Jahre älter geworden», fügt Schirmer lachend hinzu.

Das «Wienerberg» und das «Bäumli» passten sehr gut zusammen, sie ergänzten sich gut, findet die Wirtin. Und für sie steht fest: «Das sind die zwei schönsten Restaurants der Stadt.»

www.wienerberg.info