Reorganisation
Aufstockung des Gemeindepräsidiums, Gemeinderäte nur noch strategisch tätig: Trogen will sich neu aufstellen

Vier Sitze im Trogner Gemeinderat gilt es auf die Gesamterneuerungswahlen 2023 hin zu besetzen. Dass sich für diese genügend Kandidierende finden lassen, bezweifelt der bestehende Gemeinderat. Darum soll die Gemeinde neu organisiert werden.

Astrid Zysset
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Politikwissenschafter Maximilian Koch wird Trogen im Prozess zur möglichen Neuorganisation begleiten.

Politikwissenschafter Maximilian Koch wird Trogen im Prozess zur möglichen Neuorganisation begleiten.

Bild: Astrid Zysset

«Wir brauchen diese Beratung.» Mit diesen Worten stellte Trogens Gemeindepräsidentin Dorothea Altherr an der Orientierungsversammlung am Dienstagabend im Haus Vorderdorf Politikwissenschafter Maximilian Koch vor. Koch begleitet die Mittelländer Gemeinde in beratender Funktion bei der Frage nach einer möglichen Neustrukturierung der Gemeindeorganisation. Altherr betonte, dass noch nicht entschieden sei, welchen Weg man gehen wird. Verschiedene Organisationsmodelle wurden diskutiert, der Gemeinderat favorisiert aber das Geschäftsleitungsmodell.

Dieses sieht vor, dass die Gemeinderatsmitglieder nur noch strategisch tätig sind, das Gemeindepräsidium von 60 auf 80 Prozent aufgestockt wird und jenes, im Sinne einer Geschäftsleitung, zugleich die Schnittstelle zur Verwaltung darstellt. Koch stellte in Aussicht, dass bei diesem Modell die Arbeitslast der Gemeinderäte reduziert würde. Allerdings resultieren Mehrkosten von 42’000 Franken pro Jahr, da unter anderem die Entschädigung des Gemeindepräsidiums auf 120’000 Franken angehoben wird. Koch:

«Aber man darf sich die Frage stellen: Braucht es noch sechs Gemeinderäte?»

Pensumerhöhung im Voranschlag verankert

Das Modell ist grob skizziert. Die detaillierte Ausarbeitung obliegt dem neuen Gemeinderat: Vier neue Mitglieder werden auf die Gesamterneuerungswahlen hin gesucht. Der neue Rat wird die Reorganisation lancieren. Eine arbeitsintensive Aufgabe. Und eine, die zu Diskussionen führt. Am Dienstagabend wurden über zwei Stunden Vor- und Nachteile dieser Lösung erörtert und kritische Fragen gestellt. So stiess auf Unverständnis, dass die erhöhte Entschädigung für das Gemeindepräsidium bereits im Voranschlag 2023 verankert worden ist. Altherr versicherte, dass damit kein Präjudiz geschaffen werden sollte. «Wir wollten nur einen Anreiz schaffen, damit sich neue Leute für die Ämter finden lassen.» Das Präsidium in einem 60-Prozent-Pensum zu absolvieren, sei nämlich nicht möglich. Auch eine Pauschalentschädigung für die Reorganisationsarbeit von 3000 Franken pro Jahr und Gemeinderatsmitglied wurde in den Voranschlag aufgenommen.

Reorganisation soll auf 2026 umgesetzt werden

Warum man sich denn sicher sei, dass sich zu den aktuellen Voraussetzungen keine vier Interessenten für den Gemeinderat finden lassen, wollte ein Bürger wissen. Die Gemeindepräsidentin verwies auf eine Vorinformation zur Reorganisation mit den Parteien hin. Dort hätte sich die Vorahnung bestätigt. Ob man sich denn nicht Sorgen mache, wenn sich die Macht innerhalb einer Gemeinde so stark auf eine Person respektive auf das Gemeindepräsidium konzentriere, gab eine Votantin zu bedenken. Und Trogen wie eine Firma zu führen, sei der falsche Weg, doppelte ein weiterer Anwesender nach. Viele kritische Stimmen wurden an diesem Abend laut. Sie alle nahm der Gemeinderat auf. Er will sie in die Beurteilung über die Neuorganisation einfliessen lassen. Bereits auf die Gesamterneuerungswahlen 2026 soll sie umgesetzt sein – wenn denn der Willen besteht. Wie Koch deutlich machte, besteht die Option, dass der neue Gemeinderat an den bisherigen Strukturen festhalten kann.

Finanzlage spitzt sich weiter zu

Am 27. November wird über den Voranschlag 2023 abgestimmt. Vorgesehen ist bei einem Aufwand von 12,1 und einem Ertrag von 11,5 Millionen ein Aufwandüberschuss von rund 570’000 Franken. Die Investitionen betragen 2,7 Millionen Franken. Von einer Steuererhöhung wird abgesehen; der Steuerfuss soll bei 4,5 Einheiten bleiben. 2021 erfolgte die letzte Steuererhöhung. Trotz dieser und verschiedener Sparmassnahmen hat sich die finanzielle Situation der Gemeinde nicht verbessert. Nach wie vor ist die Pro-Kopf-Verschuldung hoch, der Nettoverschuldungsquotient steigt 2023 auf 189 Prozent. Altherr sieht keine Lösung für die angespannte Finanzlage. Sie ist sich nur sicher, dass die veranschlagten Investitionen dringend nötig sind. «Unsere Kennzahlen sehen zwar im Gemeinderating nicht schön aus», so die Gemeindepräsidentin. «Doch wir müssen schauen, was uns in Trogen weiterbringt.»