Reisen mit Sibylle

Herbst ist Hochsaison für Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt, Herbst ist die Zeit der Frankfurter Buchmesse. Nicht dass ich als Leiterin der Bibliothek Herisau dorthin reisen muss. Aber, und das ist Berufsehre, Neuerscheinungen sollen, wenn auch in kleinster Auswahl, präsent sein.

Gabriele Barbey
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Herbst ist Hochsaison für Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt, Herbst ist die Zeit der Frankfurter Buchmesse. Nicht dass ich als Leiterin der Bibliothek Herisau dorthin reisen muss. Aber, und das ist Berufsehre, Neuerscheinungen sollen, wenn auch in kleinster Auswahl, präsent sein. Ich pflücke also ein Beispiel heraus und rede von einem Buch der Autorin und Reisenden Sibylle Berg. Nun ja, reisen tun sie alle. Aber Berg, mit Wohnsitz in Zürich und Tel Aviv, schreibt besonders pointiert, so auch in ihrem Buch «Wunderbare Jahre». Das tönt hübsch trivial, lässt an Palmen denken oder an ein Weingut in Südafrika. Wer Sibylle Berg schon mal gesehen hat, ahnt, dass aus diesem Kopf (sehr schmal), mit diesen Augen (eisblau), mit dieser Frisur (hochgesteckt, gespinstig) in solcher Farbe (weizen- bis feuerblond) keine Rezepte für Wohlfühlferien kommen können.

Hier geht's taffer zu. Hier geht's um Realitäten, wie sie Berg als Journalistin in Kosovo 1999 oder in Thailand 2009 erlebt und notiert hat. Da sie vor kaum einer Destination zurückschreckt, schreibt sie auch über Weimar und das Wallis. Alles nehme ich ihr nicht ab, sie tönt manchmal salopp, sie posiert gerne, sie nervt. Diese Kombination macht den Reiz ihrer Texte aus: Sie heizen Hirn und Herz an. Der Untertitel des Buches heisst: «Als wir noch die Welt bereisten». Wie ist das gemeint? Lesen Sie selber nach, es ist eine Sammlung von kurzen Reportagen auf 185 Seiten, soeben im Hanser-Verlag erschienen.