Rehetobel
Widerstand gegen Gupf-Projekt: WWF Appenzell legte Einsprache ein

Aus dem ehemaligen Altersheim «Ob dem Holz» in Rehetobel soll ein Personalhaus für Mitarbeitende des Gourmetrestaurants Gupf werden. Gegen den Umbau der Liegenschaft wehrte sich der WWF. Das Baugesuch wurde Ende Juni zurückgezogen.

Margrith Widmer
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So soll die Liegenschaft «Ob dem Holz» nach der Sanierung aussehen.

So soll die Liegenschaft «Ob dem Holz» nach der Sanierung aussehen.

Visualisierung: PD

Erst eine Sportklinik zweier Investoren, jetzt ein Personal- und Gästehaus, geplant vom Gupfeigentümer Migg Eberle: Das ehemalige Gemeinde-Altersheim «Ob dem Holz» in Rehetobel ist ein begehrtes Grundstück. Nur blöd, dass es sich in der Landwirtschaftszone befindet und überlagert ist von einer kantonalen Landschaftsschutzzone. Der WWF Appenzell erhob deshalb Einsprache gegen den Umbau, die Renovation und die Umnutzung des früheren Bürgerheims.

Präzisierung

Baugesuch zur Überarbeitung bereits Ende Juni zurückgezogen

Das ehemalige Altersheim «Ob dem Holz» in Rehetobel soll umgenutzt werden. Geplant ist ein Personal- und Gästehaus. Bauherrin ist die Gupf AG, deren Hauptaktionär Walter Klose ist. Migg Eberle ist ebenfalls beteiligt. Ende November hatte die Bevölkerung der Vorderländer der Gemeinde dem Verkauf der Liegenschaft mit grossem Mehr zugestimmt. 649 Personen sagten Ja, 228 Nein. Wie die «Appenzeller Zeitung» im vorliegenden Artikel berichtete, hat der WWF das «Gupf»-Projekt bekämpft. Die Umweltorganisation erhob Einsprache gegen den Umbau, Renovation und Umnutzung des früheren Bürgerheims. Bemängelt wurde etwa das rudimentäre Baugesuch. Der Artikel war allerdings unvollständig und entsprach nicht dem aktuellen Stand. Wie die Gemeinde mitteilt, hat die Bauherrin das Baugesuch bereits Ende Juni zur Überarbeitung zurückgezogen. Unter anderem sollen die Angaben zur Nutzung präzisiert werden. Das neue Gesuch wird danach erneut eingereicht. (dsc)

Die Umweltschutzorganisation beantragte, das Baugesuch abzuweisen und die Baubewilligung zu verweigern. Das Projekt verstösst nach Auffassung des WWF gegen den Grundsatz der Trennung von Bau- und Nichtbaugebiet. Zudem grenze die Parzelle unmittelbar an eine geschützte Weilerzone, sagt der Co-Präsident des WWF Appenzell, der Trogner Jurist Dieter Bürgi. Ein solches Vorhaben werde Mehrverkehr auf der schmalen Bürgerheimstrasse mit ihrem sehr unübersichtlichen Einlenker auslösen. Gleichzeitig führe ein Wanderweg über die Bürgerheimstrassse. Ein Verkehrskonzept wäre von entscheidender Bedeutung, sagt Bürgi. Die geplanten Bauten liegen in unmittelbarer Nähe eines geologischen Gebiets der Gefahrenart «Rutschung». Deshalb sei keine Ausnahmebewilligung nach Raumplanungsgesetz möglich, so Bürgi.

WWF bemängelt rudimentäres Baugesuch

Das Gebiet «Ob dem Holz» ist zudem richtplanerisch ein touristisches Interessengebiet und dient vor allem der Einwohnerschaft Rehetobels als Naherholungsgebiet. Bis im Juli 2014 wurde das Gebäude als Altersheim genutzt. Jetzt ist eine gewerbliche Nutzung vorgesehen. Aber die Angaben zur neuen Nutzung seien höchst rudimentär, sagt Dieter Bürgi. Die bestehende Küche soll für das Gasthaus Gupf genutzt werden. «Die bestehenden Wohnungen sollen in sechs Wohnungen und drei Personalzimmer umgebaut werden. Letztere sollen, nach Möglichkeit, für das Personal des Restaurants Gupf zur Verfügung stehen. Unerwähnt bleibt die konkret vorgesehene Nutzung des Untergeschosses. Laut dem eingereichten Grundrissplan sind neben einer Grossküche, einer Wäscherei und einem Trockenraum auch ein Sitzungszimmer und eine Lounge vorgesehen. Wofür, durch wen und in welcher Intensität diese Räumlichkeiten genutzt werden sollen, ist den eingereichten Baugesuchsunterlagen nicht zu entnehmen», so der WWF in seiner Einsprache.

Das ehemalige Alters- und Bürgerheim steht sei Jahren leer.

Das ehemalige Alters- und Bürgerheim steht sei Jahren leer.

Bild: Urs Bucher

Das Baugesuch sei in verschiedener Hinsicht unvollständig und weise formale Fehler auf. Deswegen könne es in materieller Sicht nicht umfassend geprüft werden, kritisiert der WWF. Es sei unklar, wozu die Grossküche dienen solle, eventuell für Catering. Ebenso schleierhaft sei, wozu die Wohnungen und Personalzimmer dienen sollten, ob eine Nutzung als Businessappartements vorgesehen sei, oder als Airbnb, bleibe unerwähnt. Selbst mit einer Ausnahmebewilligung könne nicht daraus geschlossen werden, eine Gewerbebaute könne zu beliebigen anderen Zwecken umgenutzt werden, gibt der WWF zu bedenken.

Initianten der Rehabilitationsklinik blitzten ab

Bereits zuvor hatte der WWF mit einer Einsprache gegen das Neubauprojekt «Sportsclinic» und gegen den Abbruch des Altersheims Erfolg. Der Kanton lehnte das Baugesuch der AF Immo AG ab. Geplant war damals eine Rehabilitationsklinik, ein Therapie- und Regenerationszentrum, mit einem öffentlich zugänglichen Gastronomiebetrieb. Vorgesehen waren maximal 25 Zimmer. Der Schopf sollte durch ein «Botanikum» ersetzt werden. Auf dem Gemeindegrundstück sollte zudem eine neue Remise erstellt werden.