Putzen leicht gemacht

Es ist wieder Jahrmarktzeit. Der Duft von gebratenen Mandeln und Marroni liegt in der Luft. Zum Jahrmarkt gehören für mich auch die Marktfahrer, die für fast jedes Lebensproblem ein Mittelchen oder Gerätchen feilbieten. Wie jener Schnorri mit seinen Gemüsehobeln.

Karin Erni
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Bild: Martina Basista

Bild: Martina Basista

Es ist wieder Jahrmarktzeit. Der Duft von gebratenen Mandeln und Marroni liegt in der Luft. Zum Jahrmarkt gehören für mich auch die Marktfahrer, die für fast jedes Lebensproblem ein Mittelchen oder Gerätchen feilbieten. Wie jener Schnorri mit seinen Gemüsehobeln. Seit meiner Jugend verkauft er diese unsäglichen Plastikschaber. Stets am selben Standort. Und jedes Jahr habe ich aufs neue seine Fingerfertigkeit und sein loses Mundwerk bewundert. Doch gekauft habe ich nie etwas bei ihm. Instinktiv ahnte ich, dass dieses Werkzeug mit seinen rasiermesserscharfen Klingen in meinen Händen wohl nie zum gewünschten Resultat führen, sondern mir bestenfalls einen Kurzaufenthalt in der Notfallabteilung des Spitals bescheren würde. Etwas ganz anderes war das geniale Fensterputzgerät, das mich vor einigen Jahren faszinierte: Der Verkäufer bestrich eine Fensterscheibe grosszügig mit Rasierschaum und Lippenstift, tat alsdann einen Spritzer Spülmittel ins Wischwasser und reinigte das Glas in Sekundenschnelle blitzblank. Mein Interesse war geweckt. Fensterputzen gehört nämlich nicht gerade zu meinen favorisierten Tätigkeiten. Hilfe ist also höchst willkommen. Also kramte ich den geforderten Geldbetrag hervor und erstand dieses Wunderding. Zu Hause ging's dann gleich ans Ausprobieren. Meine Scheiben waren zwar nicht annähernd so verschmutzt wie jene des Verkäufers und doch liess das Resultat sehr zu wünschen übrig. Immer wieder blieben nach dem Putzen hässliche Streifen zurück, vor allem in den Ecken. Ich ging zurück zum Jahrmarkt, um der Vorführung noch einmal beizuwohnen und mir alles ganz genau zu merken. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich den Trick durchschaute. Der schlaue Verkäufer hatte eine Scheibe ohne Rahmen zum Vorführen. So ist es natürlich ein leichtes, streifenfrei abzuziehen! Seitdem fristet besagtes Fensterputzgerät ein unbeschäftigtes Dasein in meinem Putzschrank. Aber was soll's – heutzutage gibt es ja ohnehin für alles einen Roboter. Vielleicht auch bald für die Marktfahrer.