Prävention
Mit Networking gegen Suizide: Appenzeller Fachpersonen sollen sich vermehrt austauschen

Am Freitag findet in Appenzell der erste Suizidrapport statt. Hier sollen sich Fachpersonen informell austauschen können. Damit sollen Wege verkürzt und Betroffenen besser geholfen werden können.

Selina Schmid
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Die Suizidraten sinken generell, steigen jedoch bei Kindern und Jugendlichen.

Die Suizidraten sinken generell, steigen jedoch bei Kindern und Jugendlichen.

Bild: Valentin Hehli

Täglich sterben in der Schweiz zwei bis drei Personen durch Suizid. Im Appenzellerland sind die Zahlen besonders hoch. Corina Bandelli sagt: «Jede Appenzellerin und jeder Appenzeller kennt jemanden, der Suizid begangen hat.»

Sie hilft als Leiterin des Care-Teams beider Appenzell und als Fachperson für psychologische Nothilfe bei der Krisenintervention Schweiz Betroffenen und Hinterbliebenen. Sie sagt, dass die Suizidrate zwar generell sinkt. Aber:

«Die psychische Belastung bei jungen Erwachsenen hat deutlich zugenommen. Bei den Jungen steigt die Suizidrate teilweise: Bei jungen Männern bleibt sie gleich, bei jungen Frauen hat sie zugenommen.»
Corina Bandelli, Organisatorin des Appenzeller Suizidrapports

Corina Bandelli, Organisatorin des Appenzeller Suizidrapports

Bild: PD

Das Thema Suizid betrifft viele Menschen in ihrem Beruf oder ihrer Organisation, von der Prävention über die Beratung zur Angehörigenbetreuung. Bandelli ist überzeugt: «Bei einem so umfassenden Thema müssen die Fachleute sich gegenseitig und die bestehenden Angebote kennen.»

Darum organisiert sie gemeinsam mit Andrea Stamm, Psychologin in Ausbildung bei der Krisenintervention Schweiz, den ersten Appenzeller Suizidrapport, ein Networking-Event für Fachpersonen. Am Freitag findet der erste Anlass statt.

Die Wege verkürzen

Die Idee des Suizidrapports stammt von der Dargebotenen Hand St.Gallen. Auch in anderen Städten treffen sich zweimal jährlich Fachleute von Blaulicht- oder Selbsthilfeorganisationen oder aus der Psychiatrie, um sich informell auszutauschen. Bandelli sagt, dass es in erster Linie darum gehe, die Wege zu verkürzen und die anderen Fachleute im Kanton kennen zu lernen.

Auch sie hatte in der Vergangenheit an Suizidrapporten in Winterthur teilgenommen. Dort hatte sie beispielsweise von neu lancierten Angeboten erfahren oder sich über Erfahrungen mit andern Fachpersonen ausgetauscht. Diese Möglichkeit sei gerade im Appenzellerland angesichts der hohen Fallzahlen wichtig. Sie sagt: «Vielleicht kommen wir damit auch dem Grund für die hohen Zahlen näher und neue Angebote finden, die es hier braucht.»

Bedenken direkt und ehrlich ansprechen

Der Suizidrapport richtet sich explizit an Fachpersonen. Bandelli sagt, dass auch Laie intervenieren können, wenn sie besorgniserregende Anzeichen bei Menschen in ihrem Umfeld erkennen.

«Es ist wichtig, dass man den Menschen dann ehrlich direkt anspricht. Etwa, dass man sich Sorgen mache und ob sich die Person überlege, Suizid zu begehen.»

Oft entlaste das direkte Ansprechen die Betroffenen bereits, da sie die Gelegenheit haben, darüber zu sprechen, so Bandelli. «In der Regel wollen die Betroffenen die Unterstützung und brauchen Leute im Umfeld, die sie anbieten.» Danach könne man gemeinsam bei Fachpersonen wie der Hausärztin oder dem Hausarzt Hilfe suchen.

Kick-off im Gymnasium St.Antonius

Der Appenzeller Suizidrapport soll jeweils über Mittag zweimal jährlich im Mai und November stattfinden. Am Freitag findet zwischen 15 und 17 der Kick-off im Gymnasium St.Antonius in Appenzell statt. Es sei ein erstes Kennenlernen, sagt Bandelli.

So wird, anders als an einem regulären Suizidrapport, Gregor Harbauer, Psychologe und Experte der Suizidprävention, ein Referat halten. Danach stellen das Gymnasium St.Antonius und der gemeinnützige Verein Psychosoziale Notfallversorgung Appenzellerland einen Apéro bereit. Corina Bandelli sagt, dass sich bisher 70 Fachleute angemeldet haben. Bei den regulären Suizidrapporten rechnet sie mit 10 bis 15 Personen.

Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldungen von Fachpersonen werden bis Donnerstag um 14 Uhr unter sg@kriseninterventionschweiz.ch entgegengenommen.