Parlamentsbetrieb
Der fleissigste Politiker der Schweiz: Als einziger Nationalrat fehlte David Zuberbühler seit 2019 bei keiner Abstimmung

Trotz beruflicher Tätigkeit als Unternehmer war der Ausserrhoder
SVP-Nationalrat gemäss einer neuen Auswertung in den letzten drei Jahren bei allen Entscheidungen anwesend. Damit ist er in der grossen Kammer eine Ausnahme. Der Titel Absenzenzenkönig geht einmal mehr an Roger Köppel.

Jesko Calderara
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Kein Nationalrat war in dieser Legislatur bei Abstimmung so oft präsent wie David Zuberbühler.

Kein Nationalrat war in dieser Legislatur bei Abstimmung so oft präsent wie David Zuberbühler.

Bild: Anthony Anex/Keystone

Keine Abstimmung verpasst und an keinem Sessionstag unentschuldigt gefehlt: David Zuberbühler ist das gewissenhafteste Mitglied des Nationalrats. Dies zeigt eine kürzlich veröffentlichte Auswertung der Boulevardzeitung «Blick». Berücksichtigt wurden dabei die ordentlichen Sessionen der laufenden Legislatur, welche im Winter 2019 begann. Die vor kurzem zu Ende gegangene Wintersession konnte noch nicht miteinbezogen werden.

In den vergangenen drei Jahre war der Ausserrhoder SVP-Nationalrat bei allen 3925 Abstimmungen anwesend. Dies schaffte nebst Zuberbühler keiner der übrigen 199 Nationalrätinnen und Nationalräte. Auf Platz zwei folgt seine Parteikollegin, die Thurgauer Nationalrätin Diana Gutjahr. Ungekrönter Absenzenkönig ist wie schon in der Vergangenheit «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel. Der Zürcher SVP-Nationalrat verpasste im berücksichtigten Zeitraum jede fünfte Abstimmung.

Eine einzelne Stimme kann den Ausschlag geben

David Zuberbühler freut sich über sein gutes Abschneiden. «Ich führe meinen Job als Milizpolitiker mit voller Leidenschaft aus und nehme ihn sehr ernst.» Trotzdem ist Zuberbühler überrascht, dass er in dieser Legislatur bei allen Geschäften abgestimmt hat. Dies gehöre jedoch zu den wichtigsten Aufgaben eines Politikers. Manchmal könne bereits eine einzelne Stimme den Ausschlag geben, gibt Zuberbühler zu bedenken.

Bereits in seiner ersten Legislatur von 2015 bis 2019 verzeichnete der Herisauer kaum Absenzen. «Vielleicht hat man dies in Ausserrhoden wahrgenommen und mich deshalb für eine weitere Amtsperiode nach Bern gewählt.»

Schwierige Vereinbarkeit zwischen Beruf und Politik

Die Schweiz verfügt selbst auf Bundesebene über ein Milizparlament. Dies bedeutet, dass die meisten Parlamentarierinnen und Parlamentarier nebst der politischen Tätigkeit einem Beruf nachgehen. Mit Verweis auf die zeitliche Beanspruchung für seine «erfolgreiche Firma» verteidigte etwa Roger Köppel seine vielen Absenzen.

Auch für ihn als Unternehmer sei es nicht immer einfach, Beruf und Politik unter einen Hut zu bringen, so Zuberbühler. Umso mehr freue ihn diese Bilanz, wonach er in der laufenden Legislatur nie fehlte. Gemäss Zuberbühler ist dies vor allem eine Frage der Organisation. «Während der Sessionen bin ich beispielsweise immer auch für die Firma tätig.» Zudem sei er in der glücklichen Lage, dass sein Bruder Geschäftsführer des Familienunternehmens sei. «Ohne diese Entlastung könnte ich mir die notwendige Zeit für das politische Engagement nicht nehmen», sagt Zuberbühler.

Weniger Absenzen als früher

Die Abstimmungsergebnisse des Nationalrates werden seit 2007 veröffentlicht, wodurch solche Rankings erst möglich wurden. In den vergangenen Jahren habe sich die Situation gebessert und die Zahl der Absenzen im Parlament sei gesunken, sagte der Politologe Claude Longchamp gegenüber dem «Blick». Der Grund dafür ist seiner Ansicht nach der öffentliche Druck auf Parlamentarierinnen und Parlamentarier, seit die Medien Ranglisten mit den grössten Schwänzern publizieren.