Ortsplanungsrevision
Mit einem Leitfaden zu Fenstern, Dächern und Freiräumen: So will Rehetobel die Qualität seines Dorfbildes bewahren

An einer Infoveranstaltung haben Architekturstudierende der Fachhochschule Graubünden ihre Ideen zum Ortsbild der Vorderländer Gemeinde präsentiert. Am Schluss des Prozesses soll ein Arbeitswerkzeug für die Behörden und die Bauherren entstehen.

Jesko Calderara
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In Rehetobel wird zurzeit der kommunale Richtplan überarbeitet.

In Rehetobel wird zurzeit der kommunale Richtplan überarbeitet.

Bild: APZ

Wie viele Ausserrhoder Gemeinden beschäftigt sich zurzeit auch Rehetobel mit der Ortsplanungsrevision. Dabei muss unter anderem eine gesetzlich vorgeschriebene Innenentwicklungsstrategie erarbeitet werden. Dieses Thema ist konfliktträchtig, weil zwischen der baulichen Verdichtung und der Bewahrung der Identität sowie der Qualität des Dorfbildes ein Spagat besteht. Darauf wies am Mittwochabend Simon Aeschbacher, Mitglied der Ortsplanungskommission, an einer Informationsveranstaltung im Grossen Saal des Gemeindezentrums Rehetobel zum Thema Ortsbild hin.

Mit diesem haben sich in den vergangenen Monaten unter der Leitung von Christine Seidler, Professorin am Institut für Bauen im alpinen Raum an der Fachhochschule Graubünden (FHGR), Architekturstudierende auseinandergesetzt. Aus deren Überlegungen soll ein Leitfaden für identitätskonformes und dem Ortsbild Rechnung tragendes Bauen entstehen. Die Vorderländer Gemeinde will damit gemäss Aeschbacher neue Wege beschreiten, indem sie die Thematik proaktiv angeht. Es habe sich gezeigt, dass das bisherige Baumemorandum in der Praxis noch nicht wie gewünscht greife, sagte er.

Leitfaden zur Beurteilung von Bauprojekten

Die Studierenden präsentierten an der Veranstaltung ihr Projekt den rund 30 Anwesenden. Bei dessen Erarbeitung sind sie in vier Schritten vorgegangen. Als Erstes wurde Rehetobel in den Kontext seiner Vergangenheit, seiner Gegenwart und seiner Zukunft gestellt. Um ein Verständnis für den Ort zu erhalten, sind als Nächstes Daten analysiert und mittels Umfrage die Bevölkerung eingebunden worden. Darauf aufbauend, sind eine Wertestruktur und konkrete Leitsätze abgeleitet worden, die der Gemeinde in Zukunft helfen sollen, identitätsstiftende und dorfgerechte Bauprojekte zu entwickeln. Solche Leitsätze gibt es beispielsweise zur Gestaltung der Fassaden und der Fenster, zu dorfgerechten Dachformen, zur Farbgebung im Dorfkern oder zur Durchlässigkeit der Zwischenräume. Zum Schluss haben die angehenden Architektinnen und Architekten bestehende Häuser mit den Grundsätzen verglichen.

Sie raten den Behörden in Rehetobel, jene Elemente, welche den Ort prägen, weiterhin zu pflegen und zu nutzen. Dafür müssten allerdings institutionelle Rahmen und Gefässe geschaffen werden. Dies sei oftmals eine Gratwanderung und ein Abwägen, so das Fazit der Studierenden. Persönliche Erinnerungen und Emotionen müssten aber berücksichtigt werden, weil sie ebenfalls Teil der Identität des Dorfes sind.

Leitfaden soll bis 2023 entstehen

Zum Schluss des Abends diskutierte eine Expertenrunde, der nebst Seidler auch die Ausserrhoder Denkmalpflegerin Vreni Härdi und Tobias Widmer vom Büro ERR Raumplaner AG angehörten, die präsentierten Ergebnisse der FHGR-Studierenden. Die Fachleute bezeichneten diese als «spannend», «fundiert» und als «gute Grundlage». Es gibt ihrer Ansicht nach allerdings noch offene Fragen zur Umsetzung in der Praxis.

Die Rückmeldungen der Informationsveranstaltung sollen nun in den Bericht einfliessen, der als Nächstes verfasst wird. Den konkreten Leitfaden wird nun bis 2023 eine andere Klasse des Architekturlehrgangs in Chur schreiben. Derweil führt die Ortsplanungskommission ihre Arbeit fort. Vorgesehen ist, dass nun zuerst der kommunale Richtplan, anschliessend der Zonenplan und zuletzt das Baureglement überarbeitet werden.