Nomen est Omen

Mich packt jedesmal das Mitleid, wenn ich höre, wie Eltern namens Meier, Fässler oder Nef ihre Kinder auf exotische Namen wie Shakira, Ronaldo oder Cheyenne taufen.

Karin Erni
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Bild: Karin Erni

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Mich packt jedesmal das Mitleid, wenn ich höre, wie Eltern namens Meier, Fässler oder Nef ihre Kinder auf exotische Namen wie Shakira, Ronaldo oder Cheyenne taufen. Wissen diese Leute, was sie ihren Sprösslingen damit antun? Nebst Hänseleien müssen sie später im Leben mit verminderten Karrierechancen rechnen. Gemäss einer deutschen Studie sind Lehrpersonen voreingenommen, wenn sie bestimmte Namen hören. Kinder mit den Namen Kevin, Justin, Chantal oder Mandy werden überdurchschnittlich oft als verhaltensauffällig oder leistungsschwach eingeschätzt. Da bin ich meiner Mutter dankbar. Oberste Priorität bei der Entscheidungsfindung hatte bei ihr, dass man den Namen nicht «verhunzen» könne. Auch bei der Wahl ihres Ehemannes ist sie offenbar nach ähnlichen Kriterien vorgegangen. So kam es, dass ich, Vor- und Nachnamen zusammengerechnet, mit spartanischen vier Silben gesegnet bin. Eigentlich ganz praktisch, der Name ist schnell buchstabiert. Das änderte sich, als ich einen Mann mit griechischer Abstammung ehelichen wollte; im Jahr 1988 noch ein ziemlich exotisches Vorhaben. Kaum jemand konnte den ungewohnten Namen aussprechen. Am Telefon etwas zu bestellen oder einen Platz im Restaurant zu reservieren, wurde zur Geduldsprobe. Der Anblick der Adressetikette oder der Tischkarte führte anschliessend – je nach Resultat – zu einem Lach- oder Wutanfall. Glücklicherweise wurde im Jahr meiner Hochzeit gerade die neue Namensregelung eingeführt. Ich durfte meinen ledigen Namen behalten und voranstellen. Tempi passati. Ich bin mittlerweile geschieden und die Kinder haben – wie konservativ – den Namen ihrer Ehepartner angenommen. Also wurde es auch für mich Zeit, mich des unpraktischen Doppelnamens zu entledigen.

Was ich dabei aber nicht bedachte ist, dass mein kurzer und bündiger Nachname auf Reisen nicht immer ideal ist. In manchen Ländern ist er nämlich als Vorname gebräuchlich. Man denke nur an die Kinderserie Sesamstrasse mit ihrem bekannten Protagonisten Ernie. Werde ich im Ausland nach meinem Namen gefragt, passiert regelmässig, folgendes: Auf die Antwort «Erni» folgt die unwirsche Aufforderung: «Ihr Nachname bitte!» «ERNI-GOTTFRIEDSTUTZ!» Womit wir dann wieder beim guten alten Doppelnamen wären…