Neues Gesicht für Bahnhofsquartier

Das Bauprojekt Bahnhof Süd in Wattwil wurde überarbeitet, am Montagabend wurde es vorgestellt. Gebaut werden könnte ab Frühling 2017.

Sabine Schmid
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Das Projekt Bahnhof Süd in Wattwil umfasst Gewerbefläche und Mietwohnungen. (Bild: Visualisierung: Architekturbüro Gonçalves-Hausheer)

Das Projekt Bahnhof Süd in Wattwil umfasst Gewerbefläche und Mietwohnungen. (Bild: Visualisierung: Architekturbüro Gonçalves-Hausheer)

Seit mehreren Jahren lassen Abschrankungen darauf schliessen, dass der südliche Teil des Wattwiler Bahnhofplatzes umgestaltet wird. Die Grundeigentümerin, die Südostbahn (SOB), plant, dort Wohnungen und Geschäftsräume zu erstellen. Ein erstes Projekt namens Corso wurde beim kantonalen Baudepartement zur Vorprüfung eingereicht. «Aufgrund der Rückmeldungen musste dieses überarbeitet werden. Daraus ist das Projekt Bahnhof Süd entstanden», erklärte Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner. Da das Bauprojekt nicht der Regelbauweise entspricht, muss ein Gestaltungsplan erlassen werden (siehe Zweittext). Dieser untersteht einer öffentlichen Auflage. Deren Beginn nahmen die Gemeinde und die Bauherrschaft zum Anlass, um über das Projekt zu informieren.

Beitrag zur Zentrumsentwicklung

«Wattwil braucht weiterhin neuen Wohnraum, um attraktiv zu sein», führte Alois Gunzenreiner aus. Er zeigte auf, dass die Bevölkerungszahl in den vergangenen zehn Jahren stetig zugenommen hat. Entsprechend gestiegen ist auch die Anzahl der Wohnungen. Der Gemeindepräsident schätzt, dass es in den kommenden fünf Jahren ein weiteres Wachstum von Personen und Wohnungen geben wird. Die Leerstandsquote ist nach wie vor unterdurchschnittlich. Für den Gemeinderat sei die zentrale, bahnhofnahe Lage der richtige Ort für eine verdichtete Bauweise, die durch ein ortsbaulich und architektonisch gutes Projekt gewährleistet werde, ergänzte er.

Dass Wattwil eine attraktive Wohngemeinde ist, findet auch die Bauherrschaft, die sich aus der SOB und der Asga-Pensionskasse-Genossenschaft zusammensetzt. «Wir wollen mit dem Projekt Bahnhof Süd einen Betrag leisten zur Zentrumsentwicklung von Wattwil», erklärte Bruno Baumgartner von der SOB. Gerade Wattwil sei gut gelegen für Personen, die zur Arbeit pendeln. Die 21/2- und 31/2-Zimmer-Mietwohnungen sollen aber auch ältere Personen ansprechen, die zentrumsnah ihren Lebensabend verbringen möchten. Kurt Geser von der Asga-Pensionskasse-Genossenschaft ist überzeugt, dass Wattwil bereits heute eine Zentrumsfunktion zukommt und dass Projekte wie das Bahnhof Süd helfen, diese zu stärken. «Es macht uns grosse Freude, diesen Bau zu realisieren.»

Die Architekten Ana Sofia Gonçalves und Stephan Hausheer stellten das überarbeitete Projekt vor. «Es wird Wattwil ein neues Gesicht geben», versprach Ana Sofia Gonçalves. Geplant ist ein langes Gebäude, das 2000m² Geschäftsfläche bietet. Darauf werden vier Gebäude – zwei Kopfbauten und zwei Längsbauten – mit insgesamt 75 Wohnungen erstellt. Der nördliche Kopfbau wird den Bahnhofplatz architektonisch abschliessen. Im südlichen Kopfbau soll ein Café eingerichtet werden. Dieses geht auf einen Platz hinaus, der beispielsweise fürs Boulespielen genutzt werden kann. Die Architekten legen grossen Wert auf den Wohnkomfort, unter anderem erhält jede Wohnung einen grosszügigen Balkon.

Auf eine Frage aus dem Publikum hin erklärte die Bauherrschaft, dass der Bau in einer Etappe gebaut werden soll. Falls es während des Bewilligungsverfahrens keine Verzögerungen durch Einsprachen gibt, könnte der Spatenstich im Frühjahr 2017 erfolgen. Eine weitere Frage drehte sich um die Parkierung. Es sei vorgesehen, die bestehende Parkgarage durch einen abgesonderten Bereich zu erweitern. Die Zu- und die Ausfahrt werden über die bestehende öffentliche Parkgarage erfolgen. Die Personenunterführung im südlichen Teil wird in die Überbauung integriert.

Strassenprojekte jetzt vorantreiben

Alois Gunzenreiner erwähnte zudem, dass im südlichen Bereich des Bahnhofsquartiers noch zwei Strassenprojekte offen sind. Zum einen soll die Kantonsstrasse zwischen dem Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg und der Rietsteinbrücke saniert werden, zum anderen muss der Einlenker der Austrasse neu gestaltet werden. «Beide Projekte wurden bewusst zurückgehalten, bis klar ist, was auf dem Gebiet Bahnhof Süd realisiert wird. Nun ist die Zeit reif, um die konkrete Planung vorzunehmen.» Idealerweise, sagte Alois Gunzenreiner, werden sowohl das Bauprojekt Bahnhof Süd als auch die beiden Strassenprojekte gleichzeitig dem Kanton zur Genehmigung vorgelegt.

An der Informationsveranstaltung der Gemeinde wurde ebenfalls ein Projekt für eine Sportanlage in der Rietwis vorgestellt. Die Berichterstattung zu diesem Thema erfolgt in der morgigen Zeitung.