Neuer Kreislauf des Lebens beginnt mit dem Frühjahr

«Weit wie Meer ist Gottes grosse Liebe, wie Wind und Wiesen, ewiges Daheim.» Die erste Zeile des bekannten Liedes ist für mich ein Bild für das mit dem Monat Mai definitiv beginnenden Frühjahr.

Bettina Wissert
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In der wieder erwachten Schöpfung lassen sich Gott und sein Wirken erkennen. (Bild: pd)

In der wieder erwachten Schöpfung lassen sich Gott und sein Wirken erkennen. (Bild: pd)

«Weit wie Meer ist Gottes grosse Liebe, wie Wind und Wiesen, ewiges Daheim.» Die erste Zeile des bekannten Liedes ist für mich ein Bild für das mit dem Monat Mai definitiv beginnenden Frühjahr. Bäume und Blumen grünen und blühen, die Vögel singen aus voller Kraft und die ersten Jungvögel sind schon geschlüpft. Ein neuer Kreislauf des Lebens hat begonnen.

Neue Energie und Vitalität hat auch viele Menschen erfasst. Immer wieder können wir die Schönheit und in den letzten Wochen auch die Bedrohung der Schöpfung und von uns Menschen, beispielsweise durch zu viel Wasser, erleben.

Diese Liedzeile und auch die anderen Strophen des Liedes haben für mich noch einen anderen Aspekt. In der wieder erwachten Schöpfung kann ich Gott und sein Wirken erkennen. Auf ihn geht – ohne die Evolutionstheorie und damit die wissenschaftliche Erklärung von der Entstehung der Erde in Frage zu stellen – letztlich alles Leben zurück. Er ist es, durch dessen schöpferisches Wirken alles Leben reift, gedeiht und vergeht. Immer wieder werden wir in unserem Leben daran erinnert und damit konfrontiert. Und so liegt es auf der Hand, dass am gestrigen Feiertag, Christi Himmelfahrt oder Auffahrt, wie wir kurz sagen, der Segen für Menschen, Wälder, Felder, Tiere und das Leben als solches im Zentrum vieler katholischer Gottesdienste und der daran anschliessenden Prozession über die Felder und Wiesen stand. Als Glaubende wird uns immer wieder bewusst, dass ohne Gottes Segen und seinen Beistand nichts im wörtlichen und übertragenen Sinn reifen und wachsen kann: weder Tiere noch Pflanzen und auch nicht wir Menschen. Der Gedanke, dass Jesus am Ende seiner Begegnungen mit vielen Menschen als Auferstandener zu seinem Vater in den Himmel zurückkehrt und ihm so wieder ganz nahe ist, lässt auch in uns die Hoffnung leben, dass wir am Ende unseres irdischen Lebens einst Gott schauen werden und dann ihn und seine Liebe auf eine ganz neue und jetzt für uns unvorstellbare Art und Weise erfahren können. Wie das sein wird, davon können wir uns letztlich nur beschenken lassen. Es wird auf jeden Fall ganz anders sein, als wir es uns vorstellen und ersehnen. Und vielleicht ist das auch das grösste und wichtigste Geschenk, das Gott uns in unserem Leben je machen kann und wird: ihn als den immer ganz anderen und unendlich Liebenden erfahren, der uns auch während unseres irdischen Lebens immer so will, wie wir sind: mit all unseren Fähigkeiten, Begabungen, Talenten sowie unseren Schwächen und Fehlern.

Bettina Wissert Pastoralassistentin Seelsorgeeinheit Unteres Toggenburg (Bild: pd)

Bettina Wissert Pastoralassistentin Seelsorgeeinheit Unteres Toggenburg (Bild: pd)