NECKERTAL: 50 Kilogramm Abfall pro Woche

Abfall gehört nicht in die Toilette – das ist jedem klar. Dennoch fischen Balz Rohrer und Samuel Zwingli wöchentlich 50 Kilogramm aus dem Pumpwerk Brunnadern. Dazu gehören Putztücher und Hygieneartikel, aber auch Küchenabfälle.

Urs M. Hemm
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Abfall von nur zwei Tagen verstopfte vor wenigen Tagen die Pumpe.

Abfall von nur zwei Tagen verstopfte vor wenigen Tagen die Pumpe.

NECKERTAL. Spass mache es beileibe nicht, aber es gehöre einfach zu ihrer Arbeit, sind sich Balz Rohrer und Samuel Zwingli einig. Beide knien am Boden und zerren mit behandschuhten Händen reissfeste Hygienetücher und Einmalputztücher aus Faserstoff, Gummihandschuhe, gebrauchte Binden und Tampons aus der völlig verstopften Pumpe. «Würden sich die Leute an die Regeln halten und solche Dinge in den Abfall anstatt in die Toilette werfen, könnten wir uns diese unangenehme Arbeit sparen», sagt Balz Rohrer, Bauamtsmitarbeiter bei der Gemeinde Neckertal und seit Januar dieses Jahres Klärwärter der Abwasserreinigungsanlage Neckertal-Rennen.

Zu Klumpen verdreht

Das Sorgenkind der insgesamt neun Pumpwerke in ihrem Verantwortungsbereich sei jenes in Brunnadern, sagt Balz Rohrer. «Mittlerweile müssen wir hier dreimal pro Woche den Abfall aus dem Abwassersammelschacht fischen, sonst verstopfen die Pumpen», erläutert Bauamtsmitarbeiter Samuel Zwingli. In einer Woche kommen gut 50 Kilogramm Abfall zusammen, sagt er.

Das Verstopfen einer oder gar beider Pumpen kann aber auch so nicht immer verhindert werden. «Normales Toilettenpapier zerfällt im Wasser. Einmalputztücher jedoch nicht. Vielmehr verdrehen sich diese ineinander und bilden zopfartige Gebilde, die dann von der Pumpe angesaugt werden. Dort werden diese Zöpfe zu betonharten Klumpen verdreht, bis die Pumpe schliesslich ausfällt», sagt Balz Rohrer. Normalerweise könne die anfallende Abwassermenge von einer Pumpe bewältigt werden. Bei dieser Menge an Feststoffen jedoch sei die Gefahr gross, dass auch noch die zweite Pumpe verstopft und ausfällt. «In diesem Fall läuft dann das ganze Abwasser ins Überlaufbecken, das hinter dem Pumpwerk ist», erläutert Balz Rohrer. Von dort aus könne es aber nicht einfach ungeklärt in den Necker geleitet werden. Es muss vom Überlaufbecken zurück in den Abwassersammelbehälter gepumpt werden, damit es der Abwasserreinigungsanlage Neckertal-Rennen zugeführt werden kann. «Ein Vorgang, der bei vollem Becken rund zehn Stunden dauert.» Jedoch nicht nur das, vor allem die Reparatur und Reinigung der Pumpen kostet Geld. «Aus Sicherheitsgründen dürfen wir die Pumpen nur zu zweit ausbauen. Die ganze Prozedur mit Ausbau, Reinigung und Einbau dauert ungefähr eine Stunde pro Pumpe, was jedesmal zu unnötigen Mehrkosten von mehreren hundert Franken führt», rechnet Zwingli vor. Diese zusätzlichen Kosten müssen dann über die Abfallgebühren von allen getragen werden.

Herkunftsermittlung möglich

Doch nicht nur im Neckertal ist Abfall in den Pumpwerken ein Ärgernis. Auch andere Gemeinden werden mit dieser Problematik konfrontiert. «Wir kämpfen auch mit diesem Problem, auch wenn nicht so massiv, wie es in Brunnadern offenbar der Fall ist», sagt etwa Michael Palecek, Klärmeister für die Gemeinde Kirchberg. Dass sie mit weniger Pumpenausfällen zu kämpfen hätten, liege vermutlich daran, dass ihre Pumpwerke grösser seien und daher die Menge an Fremdstoffen besser bewältigen könnten. «Grundsätzlich aber ist das WC kein Abfallkübel», betont Palecek. Nehme das Problem aber dennoch überhand, sei es mittlerweile möglich, die Quelle des Abfalls mittels einer Analyse der Sielhaut in der Kanalisation zu eruieren, sagt Michael Palecek (siehe Kasten).

Rolf Salzmann, Klärmeister von Wattwil und Lichtensteig, kennt das Problem seiner Neckertaler Kollegen gut. «Bis zur Erneuerung der Pumpen hatten wir im Pumpwerk Ricken mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen», erinnert er sich. Mit den neuen Pumpen sei das Problem jetzt aber gelöst. Die Menge an Abfall, die in seinem Einzugsgebiet insgesamt wöchentlich anfalle, sei mit derjenigen in Brunnadern durchaus vergleichbar. Der Unterschied sei jedoch, dass die Anzahl an Haushalten ungleich grösser sei. «Bis zu einem gewissen Grad müssen wir die Abfallentsorgung über die Toilette hinnehmen», sagt Matthias Gabathuler, Klärwärter der Gemeinde Nesslau. Dennoch: Würden alle ihren Abfall richtig entsorgen, würde viel Arbeit für die Bauamtsmitarbeiter und Geld für die Allgemeinheit eingespart.

Klärwärter Balz Rohrer (links) und Bauamtsmitarbeiter Samuel «Sämi» Zwingli stehen dreimal pro Woche vor einem solchen Abfallhaufen. (Bild: Urs M. Hemm)

Klärwärter Balz Rohrer (links) und Bauamtsmitarbeiter Samuel «Sämi» Zwingli stehen dreimal pro Woche vor einem solchen Abfallhaufen. (Bild: Urs M. Hemm)