Natur
Über Stock und Stein: Barfussweg beim PZA in Herisau soll den Austausch zwischen Patienten und Bevölkerung fördern

Am Mittwoch wurde auf dem Areal des Psychiatrischen Zentrums Appenzell Ausserrhoden in Herisau ein Barfussweg eröffnet. Dieser ist öffentlich zugänglich und bleibt bis im September bestehen.

Ramona Koller
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Jürgen Kaesler ist der Initiant des Herisauer Barfusswegs.

Jürgen Kaesler ist der Initiant des Herisauer Barfusswegs.

Bild: rak

«Die Balance halten», «das Ziel im Blick», «der Weg ist das Ziel» – so sind die drei Abschnitte des neuen Barfusswegs beim Spielplatz des Psychiatrischen Zentrums Appenzell Ausserrhoden (PZA) in Herisau benannt worden. Initiant des Angebots ist der Klinikseelsorger Jürgen Kaesler. «Der Barfussweg ist im Areal integriert und soll auch den Austausch zwischen unseren Patienten und der Bevölkerung fördern», so Kaesler.

Kisten mit Tannenzapfen, Sand, Rasenschnitt, Heu oder Ästen sind entlang des bereits bestehenden Spielplatzes aufgestellt. Verbunden durch einen Weg, ausgelegt mit Holzwolle und Holzschnitzeln. Neben den Kisten mit den verschiedenen Naturgegenständen finden sich jeweils Tafeln mit Sprüchen und Denkanstössen. Vergangenen Sommer erhielt Kaesler eine Dankespostkarte, auf der geschrieben stand: «Im Herzen barfuss.» Die Idee für einen Barfussweg auf dem PZA-Areal war geboren. Umgesetzt wurde das Angebot von der Gärtnerei des PZA.

Im Beisein von Bewohnenden, Betreuerinnen und Betreuern sowie Interessierten eröffnete Kaesler am Mittwoch den Barfussweg. Umrahmt wurde der Anlass von Hans Sturzenegger am Hackbrett. Die Küche des PZA kümmerte sich um das leibliche Wohl der Anwesenden. Finanziert wird der Barfussweg durch den Appenzellischen Hilfsverein für Psychischkranke, dem Kaesler vorsteht.

Die Erdverbundenheit spüren

«Manchmal reisst es uns im Alltag den Boden unter den Füssen weg», erklärte Kaesler. Mit dem Begehen des Barfusswegs sollen die Leute die Erdverbundenheit spüren und erkennen können, was der Körper für ein Wunder ist. «Wenn man barfuss läuft, merkt man erst, wie viele Muskeln wir zum Gehen brauchen und wie empfindlich wir mit den Füssen fühlen können», so Kaesler. Mit dem neuen Angebot des Barfusswegs wolle man den Patienten im PZA auch eine Alternative zu ausgefallenen Therapien oder zur Langeweile bieten.

Nach der Ansprache Kaeslers nahmen bereits die ersten Patientinnen und Patienten des PZA den Weg unter die nackten Füsse. Das Feedback war durchwegs positiv. Bei den zehn Stationen stehen jeweils Stelen mit Tafeln, auf denen Denkanstösse und Sprüche zu lesen sind. Bei den runden Steinen beispielsweise steht: «Manchmal ist es gut, sich anzupassen.» Sie hätten absichtlich auf Gegenstände mit unterschiedlichen Eigenschaften gesetzt, erklärt Kaesler. Und weiter: «Es ist wie im Alltag. Manches ist anschmiegsam, während wir in anderen Situation auf Widerstand stossen oder uns anpassen müssen.»