Nachruf
Ingenieur, Kantonsrat, Weltenbummler: Erwin Sonderegger zum Gedenken

Am 18. September verstarb Erwin Sonderegger. Der 1955 geborene Oberegger engagierte sich unter anderem im Ausserrhoder Kantonsrat. Beruflich war Sonderegger international tätig.

Peter Eggenberger
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Erwin Sonderegger, 28.12.1955–18.9.2022.

Erwin Sonderegger, 28.12.1955–18.9.2022.

Bild: PD

Ein ansteckendes Lachen ist verstummt, eine starke Persönlichkeit aus dem Ortsbild verschwunden: Am 18. September verstarb mit Alt-Kantonsrat Erwin Sonderegger, Oberegg, ein vielseitig engagierter Mitbürger.

Sonderegger hinterlässt bleibende Spuren: 1997 wurde er von seiner damaligen Wohngemeinde Rehetobel in den Kantonsrat delegiert, wo er sich als Parteiunabhängiger mit markigen Voten Gehör verschaffte. In der Politik kamen seine in der Westschweiz und in Deutschland gemachten Erfahrungen als versierter Berufsmann und gewiefter Brückenbauer voll zum Tragen.

Sein Wort hatte Gewicht, und in Rehetobel wurde die 2007 erfolgte Rückkehr in sein geliebtes Jugenddorf Oberegg bedauert. Hier wurde er bereits in frühester Jugend mit dem Virus «Politik» angesteckt, stand doch sein Vater langjährig als Bezirkshauptmann und Grossrat im Dienst der Öffentlichkeit.

Werkzeugmacher und Ingenieur

Geboren wurde Erwin 1955 als zweites Kind von Erwin und Rosmarie Sonderegger. In Oberegg verbrachte er eine unbeschwerte Jugendzeit, und schon früh begeisterten ihn Motoren aller Art. Was ihm unter die Finger kam, wurde zerlegt, optimiert und neu zusammengefügt.

Eine logische Folge war die der Schulzeit anschliessende Lehre als Werkzeugmacher im Oberegger Unternehmen Presta, wobei er einer der ersten Lehrlinge mit Berufsmatura war. Sein anschliessendes Ingenieur-Studium in Messtechnik am Neutechnikum in Buchs beendete er ebenfalls erfolgreich.

1983 verheiratete er sich mit Esther Steiner, und dem Ehepaar wurden die Töchter Salomé, Denise und Mélanie geschenkt. Stolz sprach der junge Vater von seinem Dreimädelhaus, dessen Gedeihen ihm ein Herzensanliegen war. Wohnsitz der jungen Familie war das Waadtland, wo Erwin beruflich tätig war.

1985 erfolgte der Umzug nach Bietigheim-Bissingen in Baden-Württemberg. Von hier aus war Erwin in leitender Stellung für die Schweizer Firma TESA-Messtechnik in ganz Deutschland unterwegs. 1991 vollzog er eine berufliche Neuorientierung. Neu engagierte er sich als Verkaufsdirektor und Mitglied der Geschäftsleitung für das renommierte Unternehmen EgoKiefer AG in Altstätten, das er 2015 als Frühpensionär verliess.

Mit Reisen den Horizont erweitert

In seiner knapp bemessenen Frei- und Ferienzeit erweiterte er den Horizont mit Reisen in die weite Welt. Er weilte in den USA, auf Kuba und Zypern, aber auch in Portugal und der Toscana, die ihm als Weinkenner und -geniesser besonders zusagte. Eigentliche Höhepunkte waren die Skiferien, und seinen Töchtern brachte er das Gleiten auf schmalen Latten bereits vor dem Kindergarteneintritt bei.

Die starke berufliche Anspannung ging an Erwin nicht spurlos vorbei, und 2006 musste er sich erstmals einer Herzoperation unterziehen. Auch das Familienleben kam leider oft zu kurz. Nach der Trennung von seiner Frau kehrte er nach Oberegg zurück, wo er später mit Katharina Ulmer eine neue Gefährtin fand.

In der alten Heimat engagierte er sich bis 2014 als Präsident der Oberegger Skilift-Aktiengesellschaft, und ebenfalls für grosse Befriedigung sorgte das Mitsingen im Kirchenchor. 2021 traten erneut Herzprobleme auf, was aber seine Lebensfreude nicht zu trüben vermochte.

Noch am letzten Lebenstag freute er sich auf ein feines, von einem guten Tropfen begleitetes Essen im Kreise seiner Lieben. Das Schicksal wollte es anders und liess Erwins Herz unerwartet stillstehen. Bleiben werden Erinnerungen an einen liebenswerten Menschen, der in seinem Leben das Beste gegeben hat.