«Mit der Schule unterwegs sein»

Nach 22 Jahren im Dienste des Kantons tritt Walter Klauser heute in den Ruhestand. Als Leiter Volksschule und Sport hat er die Ausserrhoder Schullandschaft verändert und geprägt.

Mea Mc Ghee
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Walter Klauser hat im Park bei der reformierten Kirche in Herisau oft den Kopf gelüftet. Im Hintergrund das Haus Tannenbaum, in dem er während vieler Jahre ein Büro in einem Eckzimmer hatte. (Bild: mc)

Walter Klauser hat im Park bei der reformierten Kirche in Herisau oft den Kopf gelüftet. Im Hintergrund das Haus Tannenbaum, in dem er während vieler Jahre ein Büro in einem Eckzimmer hatte. (Bild: mc)

Seine Augen leuchten, wenn er über die Schule spricht, seine Hände sind stets in Bewegung, die Informationen sprudeln. Walter Klauser hat die Schule in Appenzell Ausserrhoden während der vergangenen 22 Jahre geprägt und gestaltet. Zuerst als Schulberater, dann als Leiter des Amtes für Volksschule und Sport. Die Bildungsdirektoren Hans Höhener, Gebi Bischof, Rolf Degen und Alfred Stricker waren seine Vorgesetzten – nun gibt der Trogner per Ende Monat sein Amt ab. Damit 2015 nicht der Bildungsdirektor und drei Abteilungsleiter innert weniger Monate in Rente gingen, arbeitete Walter Klauser eineinhalb Jahre über das Pensionsalter hinaus. «Das hat auch Energie gebraucht», sagt der 66-Jährige.

Zahlreiche Veränderungen der Schullandschaft fielen in Klausers Ära: Etwa die Neuorganisation der Oberstufe, die Beurteilung ohne und die Rückkehr zu den Noten, die Einführung des Lehrplans 1996 und jene der Schulleitungen. Letztere seien wenige Jahre nach der Einführung gut aufgestellt. Dies sei nicht selbstverständlich, so Klauser, denn: «Die neuen Hierarchien lösten gerade bei den Lehrpersonen auch Ängste aus.» Die Schulen seien heute geführte Systeme und die Lehrer keine Einzelkämpfer. «Bei aller Professionalisierung ist es aber wichtig, dass die Lehrer Freiräume haben, um gute Arbeit leisten zu können.»

Integration auf verschiedenen Ebenen

Bei allen Veränderungen sei stets die konsequente Ausrichtung auf Integration wichtig gewesen, so Walter Klauser. Integration auf verschiedenen Ebenen wie Wertsystemen, Immigration oder Leistungsniveaus. Die Ausserrhoder Schulen verfügten heute über durchlässige Strukturen, zum Beispiel bei den Übergängen zwischen den einzelnen Stufen.

Als Amtsleiter beschäftigte sich Klauser mit strategischen Fragen. Er habe versucht, Anstösse zu geben, Bewegung in die Schule zu bringen. Er räumt ein, dass das Vorgehen manchmal forsch war, als provokativ möchte er es aber nicht bezeichnet haben. «Ich versuchte stets zu spüren, was zu einem bedeutenden Thema werden könnte.» Klauser nennt als Beispiel die Tagesstrukturen. Auf dem Land seien diese nicht so wichtig, habe es früher geheissen. Heute hätten alle Gemeinden Tagesstrukturen in irgendeiner Form.

Er habe die Parteien stets aufgefordert, in Dialog zu treten. Im Gegenwind sah sich das Departement Bildung, als die Lehrerschaft 2001 höhere Löhne forderte, nicht zuletzt mit einer Demonstration in Herisau. Als herausfordernd und emotional berührend empfand Walter Klauser seine Führungsaufgabe bei schwierigen personellen Situationen. Bereichernd empfand er den direkten Kontakt zu den Lehrpersonen und Schulleitungen.

«Ich spürte stets, dass sich die Gemeinden stark mit ihren Schulen identifizieren und dass sie bemüht sind, Schulen mit hoher Qualität zu führen.» Doch die demographische Entwicklung zwinge die Gemeinden, die Strukturen der Schulen zu überdenken. Die Einführung von integrierten Oberstufen oder von Basisstufen seien einerseits den sinkenden Schülerzahlen geschuldet, andererseits seien sie auch pädagogisch sinnvoll. «Das Problem auf der Sekundarstufe 1 ist aber noch nicht gelöst», sagt Walter Klauser. Es sei wohl sinnvoll, dies gleichzeitig mit allfälligen Änderungen in den Gemeindestrukturen anzugehen.

Die Schule ist gefordert und muss agieren

Walter Klauser hat sein Büro in einem Eckzimmer des Hauses zum Tannenbaum geräumt. Er ist überzeugt: «Die Schulen in Ausserrhoden sind gut aufgestellt. Sie sind unterwegs auf einer Route, die sie auch meistern können. Die Schullandschaft im Kanton ist klein. Die Schule ist durchdacht, nachhaltig und pragmatisch.» Er gibt zu bedenken: «Wenn wir meinen, uns ausruhen zu können, dann liegen wir falsch.» Die Schule müsse immer öfter auf Entwicklungen in der Gesellschaft reagieren, statt agieren zu können. Migration, Veränderungen in der Arbeitswelt, Veränderung der sozialen Strukturen sind Klausers Stichworte. «Die Schule muss unterwegs bleiben!»

Walter Klauser wird nicht mehr Teil der Ausserrhoder Schullandschaft sein. Er freut sich auf die nächste Lebensphase. Zunächst brauche er Zeit für sich und sein Umfeld. «Ich werde das Ich mehr ins Zentrum stellen als das Wir.» Erlebnisse in der Natur, im Garten, das Wandern und das Pilze sammeln sollen nicht zu kurz kommen. Die eine oder andere Idee für künftiges Wirken habe er, noch sei aber nichts spruchreif.