Mehrklassensystem bringt Vorteile

Seit dem neuen Schuljahr wird in der Primarschule Nesslau im Mehrklassensystem unterrichtet. Durch die Schliessung der Schulen Bühl und Ennetbühl musste eine Lösung gefunden werden. Die ersten Erfahrungen sind positiv.

Christiana Sutter
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Während die Lehrerin Arbeiten kontrolliert, arbeiten die Schülerinnen und Schüler an ihren Plätzen weiter.

Während die Lehrerin Arbeiten kontrolliert, arbeiten die Schülerinnen und Schüler an ihren Plätzen weiter.

NESSLAU. Die Erst- bis Drittklässler zeichnen Formen und Objekte nach, die ihre Lehrerin Stephanie Hagen ihnen als Vorlage ausgedruckt hat. Einige Schüler sind mit Ausmalen beschäftigt. Andere gehen zum Pult ihrer Lehrerin, um ihr das Resultat zu zeigen. Stephanie Hagen stammt aus Mosnang. Sie kommt frisch von der Ausbildung zur Primarlehrerin, «mit Schwerpunkt Mehrklassen-Unterricht», erklärt die 23-Jährige. Stephanie Hagen hat bewusst eine Mehrklasse gewählt. Ihr gefällt die Abwechslung der jüngeren und älteren Schüler. «Es ist ein Vorteil für neue Schüler, wenn die älteren schon wissen, wie es läuft», argumentiert die Junglehrerin. Auch voneinander lernen sei ein grosser Vorteil. Die Kinder übernehmen Rollen. Zuerst sind sie die «Kleinen», welche zu den «Grossen» heraufschauen. In der dritten Klasse sind die ehemals Kleinsten dann die Vorbilder für die Jüngsten. Wird ein Thema behandelt, werden oft alle drei Klassen mit einbezogen. «Wird es konkreter, wird in den einzelnen Klassen unterrichtet.» Unterstützt wird die Lehrerin von einer weiteren Lehrperson, die das Team-Teaching übernimmt. Somit kann sie mit zwei Klassen im Schulzimmer arbeiten und die dritte Klasse wird in einem anderen Schulzimmer durch die Team-Teaching-Lehrerin unterrichtet.

System passt

Durch die Schliessung der Schulen im Bühl und in Ennetbühl musste eine Lösung gefunden werden, damit eine Kontinuität in der Klassengrösse erreicht werden kann. Wobei in den Aussenschulen immer in Mehrklassen unterrichtet wurde. Im Schulrat wurde bereits seit längerer Zeit über ein Mehrklassen-System nachgedacht. Auch in Nesslau gab es Mehrklassen und man wusste von den pädagogischen Vorteilen. «Das Mehrklassen-System passt in die ländliche Gegend», sagt Schulleiterin Susanne Bösch, «denn das System ist ein Abbild unserer Gesellschaft.»

Zur Zeit besuchen 260 Kinder die Primarschule Nesslau. Davon gehen 33 in Krummenau zur Schule. Aus den Aussenschulen kamen insgesamt 32 Kinder nach Nesslau. Die Primarschüler sind auf elf Primarklassen und vier Kindergärten aufgeteilt. Die Klassengrössen betragen zwischen 18 und 21 Kinder. Das gesamte Lehrerteam im Kindergarten und in der Primarschule umfasst rund 38 Personen.

Organisationsgeschick gefordert

Susanne Bösch sieht viele Vorteile im Mehrklassen-System. «Es ist wie zu Hause. Kinder lernen voneinander. Sie schauen sich Dinge ab.» Das kleine Kind lernt vom mittleren, dieses wieder vom älteren Kind. Somit hat die Lehrperson in der Klasse die Möglichkeit, sich um ein Kind zu kümmern, das spezielle Bedürfnisse hat. Einen weiteren Vorteil sieht die Schulleiterin beispielsweise, wenn ein neues Kind in die Klasse kommt. «Man hat dann die Möglichkeit, das Kind einer passenden Klasse zuzuteilen.» Nachteile sieht die Schulleiterin in der Organisation. Es benötigt grosses organisatorisches Geschick, die ineinandergreifenden Stundenpläne zu erstellen, die Raumbelegungen zu koordinieren und Pensenwünsche der Lehrpersonen zu berücksichtigen. Als der Entscheid gefallen war, dass das Mehrklassen-System eingeführt wird, war sich der Schulrat einig, dass er den Lehrpersonen eine gute Weiterbildung anbieten will. Unterstützung bekamen die Lehrpersonen durch die Pädagogische Hochschule PH in Rorschach. Dozenten unterrichteten in Grundsätzlichem. Wobei die Hälfte der Lehrpersonen schon seit Jahren im Mehrklassen-System arbeitet. «Dies machte die Weiterbildung etwas schwierig», resümiert die Schulleiterin. Das relativierte sich, nachdem drei neue Lehrpersonen zum Team gestossen waren. Diese kennen das System. Somit konnte intern Unterstützung geboten werden. Susanne Bösch erklärt, dass durch diese positive Entwicklung auch die Ausgaben für die Weiterbildung nicht so hoch waren wie budgetiert. Baulich mussten in bestehenden Räumlichkeiten teils kleine Veränderungen vorgenommen werden. Der in die Jahre gekommene Pavillon wurde saniert und ein Schulzimmer befindet sich darin. Fahrplananpassungen gab es bei den Schulbussen, «damit alle Kinder rechtzeitig in der Schule und zu Hause sind.»

Orientierung nach vorne

Inzwischen sind fünf Monate seit der Einführung des neuen Unterrichtssystems vergangen. Susanne Bösch betont, dass die Umstellung grundsätzlich gut verlaufen ist. Negative Stimmen haben sich zum Positiven gewandelt. «Wir sind unter schlechten Vorzeichen gestartet und haben den Rank doch gut erwischt.»

Eine Änderung freut die Schulleiterin besonders: «Die Lehrpersonen arbeiten jetzt näher zusammen und unterstützen sich gegenseitig mit Erfahrung und Wissen.» Auch hat sich die Wahl der neuen Lehrpersonen positiv auf das Team ausgewirkt. Auch die Schüler haben sich gut eingelebt. Sie fühlen sich wohl. Freundschaften sind entstanden. Die Schulleiterin sagt, dass laufend Anpassungen vorgenommen werden. «Es stellt sich immer die Frage, was noch verbessert werden kann.» Pädagogische Aspekte werden laufend angepasst. Organisatorische Themen versucht man jährlich zu optimieren. Die ersten Erfahrungen haben gezeigt, dass der Stundenplan funktioniert. Bösch ist wichtig, dass er in erster Linie für die Kinder passt, «aber natürlich muss er auch für die Lehrpersonen stimmen.»

Abschliessend sagt Susanne Bösch, dass Umstellungen nur dann gelingen, wenn sich alle Beteiligten nach vorne orientieren und sich für das Gelingen engagieren.

Einige Schülerinnen und Schüler holen Rat bei ihrer Lehrerin Stephanie Hagen. (Bilder: Christina Sutter)

Einige Schülerinnen und Schüler holen Rat bei ihrer Lehrerin Stephanie Hagen. (Bilder: Christina Sutter)