Lutzenberg
Dank neuer Recycling-Gebühr: Siloballenplastik soll vermehrt wiederverwendet werden

Die Firma Aemisegger in Lutzenberg gehört zu den grössten Händlern von Erntefolien in der Schweiz. Nun engagiert sie sich für das Recycling der gebrauchten Produkte.

Karin Erni
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Bruno Aemisegger aus Lutzenberg engagiert sich für das Folien-Recycling.

Bruno Aemisegger aus Lutzenberg engagiert sich für das Folien-Recycling.

Karin Erni

Der erste Schweizer Siloballen wurde vor 40 Jahren im Weiler Haufen in Lutzenberg gepresst. Der Grund: Landwirt Hans Aemisegger durfte bei seinem Hof keinen Hochsilo bauen. Er machte aus der Not eine Tugend und entschied sich für das damals in der Schweiz noch unbekannte Silieren mit Rundballen. Später übernahm er auch den Import der dafür nötigen Polyethylen-Folie in die Schweiz. Unter seinem Sohn Bruno entwickelte sich das Geschäft weiter. Die Firma Aemisegger Agro-Bedarf gehört heute zu den vier grössten Händlern von Erntefolien der Schweiz und ist Generalimporteurin von Produkten des schwedischen Herstellers Trio World.

Wiederverwenden statt verbrennen

Geschäftsführer der Lutzenberger Firma ist seit diesem Jahr Bruno Aemisegger junior. Wie sein Grossvater verfügt auch er über Pioniergeist. Der 30-Jährige ist eines der Gründungsmitglieder des Vereins Erde Schweiz. Dieser hat zum Ziel, die Menge des wiederverwerteten Folienmaterials zu erhöhen. «Jetzt – mit zunehmender Rohstoffknappheit und steigenden Preisen ­– ist die Zeit reif für ein flächendeckendes Folienrecycling», ist Aemisegger überzeugt. Bisher wurden lediglich 1800 Tonnen, das sind weniger als ein Drittel des verwendeten Kunststoffs, rezykliert. Der Rest landet in den Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA).

Eine teils vorgezogene Recyclinggebühr soll die Wiederverwertung des Materials attraktiver machen. Jeder, der Folien dem Recycling zuführt, erhält dafür eine Entschädigung. «Die Hersteller der Folien bezahlen pro Tonne 40 Euro in einen Topf. Eine Rolle verteuert sich dadurch um einen Franken, das macht pro Siloballe fünf Rappen», rechnet Aemisegger vor.

«So wird eine neue Rolle Siloballenfolie zwar teurer, jedoch sinken die kosten bei der Entsorgung. Für den Bauer entstehen keine Mehrkosten.»

Es sei ein einfaches System, das in Deutschland bereits seit einigen Jahren sehr gut funktioniert, so der Geschäftsführer. «Man muss das Rad nicht neu erfinden.» Das System setze bewusst auf Freiwilligkeit und Wirtschaftlichkeit. «Wenn nicht alles von Anfang an vorgegeben ist, entstehen mehrere Lösungen und die beste setzt sich durch.» Ein weiterer Vorteil sei, dass alle Beteiligten wie Lohnunternehmer, Maschinenringe oder Recyclinghöfe mitmachen können. Auch fast alle grossen Importeure von Folien seien dabei. «Die andern werden auch noch auf den Zug aufspringen», ist Aemisegger überzeugt. 100 Sammelstellen gibt es in der Schweiz bereits und es sollen noch mehr werden.

Aus alter wird neue Folie

In Deutschland ist die Recyclingquote seit der Einführung der Gebühr auf 60 Prozent über 50 Prozent gestiegen. Die Voraussetzungen in der Schweiz seien allerdings nicht genau gleich wie in Deutschland, gibt Aemisegger zu bedenken. «Bei uns ist die Konkurrenz durch die KVA grösser. Sie bieten tiefere Entsorgungsgebühren, weil sie mit der Verbrennung Wärme und Strom produzieren.»

Die Firma Innorecycling im thurgauischen Eschlikon ist der einzige Betrieb in der Schweiz, der die Siloballenfolie recycelt. Aus der alten Folie entsteht ein Regranulat, dass wieder verwendet werden kann. Auch für die Herstellung von Siloballenfolie kann das Granulat verwendet werden. Derzeit wird dem Neumaterial knapp ein Drittel beigemischt, der Anteil könnte weiter erhöht werden. Gemäss Bruno Aemisegger ist die Recyclingfolie gefragt.

«Wir haben dieses Jahr mit dem Verkauf begonnen und bereits 80 Tonnen abgesetzt. Die ersten Erfahrungen der Anwender sind positiv. Es funktioniert.»