Liebe Redaktion

Kürzlich fuhr ich mit dem Zug von St. Gallen nach Zürich. Zwischen Winterthur und Zürich Flughafen blieb er abseits jeden Bahnhofs mitten auf der Strecke, stehen. Nach einer Weile kam eine Zugdurchsage: «Es ist ein ausserordentlicher Halt. Wir können nicht weiterfahren wegen einer Signalstörung.»

Ihr Röbi Rohner*
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Kürzlich fuhr ich mit dem Zug von St. Gallen nach Zürich. Zwischen Winterthur und Zürich Flughafen blieb er abseits jeden Bahnhofs mitten auf der Strecke, stehen. Nach einer Weile kam eine Zugdurchsage: «Es ist ein ausserordentlicher Halt. Wir können nicht weiterfahren wegen einer Signalstörung.»

« – ?»

Eine leicht angespannte Stimme wiederholte die Durchsage. Nach einer Viertelstunde fuhr der Zug langsam weiter. Informationen bot abermals eine Zugdurchsage: «Wir fahren zurzeit nicht mit der vorgesehenen Reisegeschwindigkeit. Grund ist eine Signalstörung.»

« –?»

Die «Signalstörung» begann mich zu beschäftigen. Stört ein Signal? Aber wie kann ein Signal überhaupt stören? Oder ist ein Signal gestört, also kaputt? Und weshalb fährt der Zug trotz «Signalstörung» eine Zeitlang gar nicht und plötzlich und kilometerweit wiederum ganz gemächlich?

Ich dachte an andere Störungen, an Stellwerkstörungen und Betriebsstörungen, an Funkstörungen und an Verkehrsstörungen. Und immer die gleiche Frage: Stört der Verkehr? Oder läuft der Verkehr wegen irgendwelcher Ursachen (Unfall, Schnee, Baustelle) nicht wunschgemäss?

Laboriere ich schon an einer Wahrnehmungsstörung herum? Denn andere Störungen kamen mir in den Sinn: die Ess- und Verdauungsstörung, die Seh- und Sprechstörung, die Lern- und Wachstumsstörung, die Erektions- und Verhaltensstörung. Ich dachte an die Journalistinnen und Journalisten der Appenzeller Zeitung, die täglich eine Zeitung füllen müssen. Leiden sie nie unter einer Schreibstörung? Und es gingen mir all die Abonnentinnen und Abonnenten durch den Kopf, die das Gedruckte doch eigentlich lesen sollten. Müssen sie sich nie mit einer Lesestörung herumquälen?

Sie haben dieses E-Mail bis zum Schluss gelesen. Entschuldigen Sie bitte die Ruhestörung.

* Der fiktive Röbi Rohner wohnt in Ausserrhoden. Er ist ein sehr aufmerksamer Zeitungsleser. Immer, wenn er sich freut oder ärgert, schreibt er der Redaktion ein E-Mail. Wir publizieren diese Mails.